Homosexualität und Genderidentität in den Abrahamischen Religionen

Reihe

In diesem Sommersemester gehen wir ein wichtiges Thema in mehreren Vorträgen an. Unsere Schwerpunkte sind:

Wie lassen sich vermeintlich eindeutige Textstellen aus der Hebräischen Bibel, dem Neuen Testament und dem Koran interpretieren? Welche Haltungen nahmen vormoderne Gesellschaften zur Homosexualität ein? Sind queere Menschen in jüdischen, christlichen und islamischen Gemeinden willkommen? Diesen Fragen widmen sich die Referenten der dreiteilige Vortragsreihe und laden zum Gedankenaustausch ein.

Alle Vorträge in Kooperation mit der Evangelische Stadtakademie München und dem Münchner Lehrhaus der Religionen.
Ort: Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24, 80331 München und auch online via Zoom.
Kosten jeweils 9,00 €

Verbietet die Bibel Homosexualität?

Vortrag von Prof.em. Dr. Martin Ebner
Dienstag, 28. Juni 2022, 19:00 Uhr

Auf den ersten Blick ist Homosexualität für die Bibel ein No-Go. Auf den zweiten Blick wird das aber anders: Wenn nämlich die Entstehungszeit, die damaligen kulturellen Bedingungen und der argumentative Kontext berücksichtigt und von daher die spezifischen Zielsetzungen der Texte bestimmt werden, ergibt sich ein sehr differenziertes Bild, so dass die Texte nicht nur besser verstanden werden können, sondern sich auch für einen biblisch verantworteten Umgang mit Homosexualität Türen öffnen. Der Vortrag versucht diesen zweiten Blick – mit dem Schwerpunkt auf neutestamentlichen Texten.

Der katholische Theologe und Priester Martin Ebner ist Professor Emeritus für Exegese des Neuen Testaments. Er lehrte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

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LGBT und Q – Was sagt das Judentum dazu?

Vortrag von Rabbiner Steven Langnas
Donnerstag, 7. Juli 2022, 19:00 Uhr

Aus jüdischer Sicht wurden und werden die Aussagen der Quellen zu Homosexualität und Genderidentität unterschiedlich interpretiert und gewertet. Das betrifft nicht nur die Hebräische Bibel, sondern auch den Talmud und die umfangreiche rabbinische Literatur, und es betrifft vor allem den Umgang damit heute.

Rabbiner Steven Langnas, Initiator des Lehrhauses der Religionen in München und Lehrbeauftragter an der LMU, ordnet die Zugänge ein und verhilft zu einem angemessenen Verständnis.

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Ist Liebe haram?
Sexuelle Identitäten bei Muslim*innen in Geschichte und Gegenwart

Vortrag von Dr. Ali Ghandour
Donnerstag, 14.Juli 2022, 19:00 Uhr

Homosexualität und sexuelle Identitäten im Allgemeinen sind in vielen muslimischen Gemeinschaften ein umstrittenes und tabuisiertes Thema, und das, obwohl gleichgeschlechtliche Liebe und Sexualität kein neues Phänomen sind. Historische Berichte und zahlreiche literarische Texte zeugen von einem vielschichtigen und zweideutigen Verhältnis der Muslim*innen zur Homosexualität im Laufe ihrer Geschichte. Welche Interpretationen der normativen Quellen gab es und welche werden heute vertreten? Warum gibt es einen Kontrast zwischen Vormoderne und Moderne? Mit diesen und anderen Fragen wird sich der Vortrag von Dr. Ali Ghandour befassen, um das Verhältnis der muslimischen Traditionen und Theologien zu diesem Thema zu beleuchten.

Der muslimische Theologe Ali Ghandour ist Dozent und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.