Abrahams Post 41

 

EDITORIAL:

Feste feiern!

Viel ist die Rede von Krisen in diesem Sommer. Putins anhaltender und sich hoffentlich nicht ausweitender Krieg im Osten Europas, Sorgen um die Energie­versorgung, dazu Hitzewellen und Trockenheit als Zeichen der globalen Klimakrise und – ach ja – immer noch Corona … Wie werden der Herbst und der Winter werden?

Und dennoch – oder gerade deshalb – war diesen Sommer endlich wieder das Leben in (beinahe) vollen Zügen zu spüren. Wer an heißen Tagen in München unterwegs war, mochte sich an das ewig junge Lied „Sommer in der Stadt“ von der Spyder-Murphy-Gang erinnern, und die vielen neuen Schanigärten haben das südländisch anmutende Flair der langen, warmen Abende verstärkt. Überall feiern Menschen wieder, viele reisen auch wieder, nehmen Kulturangebote wahr und erleben, wie wichtig das alles ist – gerade auch, um unsere Resilienz in Krisenzeiten zu „boostern“.

Auch wir Freunde Abrahams wollen wieder feiern, wie nun schon mehrmals ange­kündigt: unser 20-jähriges Bestehen (siehe Seite 4/5). Wir gedenken auch des 10. Todestages von Manfred Görg (gestorben 17.9.2012). Und beides tun wir gleich­zeitig. Die Religionen rufen dazu auf: für das Gute und für das Schwere da zu sein, sich einzulassen auf das, was uns anvertraut wird, und auf das, was uns abverlangt wird; Krisen ernst zu nehmen, mit Vernunft und Bedacht das Nötige zu tun oder zu lassen, um uns selbst und andere nicht zu gefährden und um Gottes Schöpfung zu bewahren – und voll Zuversicht Feste zu feiern, wenn wir feiern können.

„Resignation ist kein Bestandteil von Religion. Resignation ist das Gegenteil von Religion“, so stand es schon vor einem Jahr im Editorial der Abrahams Post. Stefan J. Wimmer


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BERICHTE  –  NOTIZEN  –  TIPPS

Berichte von Veranstaltungen

Mitgliederversammlung 2022

Bei der 20. Ordentlichen Mitgliederversammlung am 17. Mai, die in Präsenz stattfinden konnte, wurde turnusgemäß ein neuer Vorstand gewählt. Wir begrüßen herzlich die beiden neu dazugekommenen Vorstandsmitglieder: Edveta Mujkić (jetzt: Wimmer) als Schriftführerin und Karin Hildebrand (die schon 2009-16 dem Vorstand angehört hatte). Wieder gewählt wurden Judith Einsiedel, Peter Marinković, Manfred Hutt (Schatzmeister), Yvonne Baur-Saleh (2. Vorsitzende) und Stefan Jakob Wimmer (1. Vorsitzender).

Ein besonders großes Dankeschön geht an Eva Straub-Kölcze, die nach drei Jahren, und an Brigitte Hutt, die nach 17 Jahren in verschiedenen Vorstandsämtern nicht erneut kandidierten. Brigitte Hutt übernimmt dankenswerterweise weiterhin die Redaktion der „Abrahams Post“, der Website und der Rundmails.
D A N K E !


Waffen … The Armed Man – Eine Messe für den Frieden

Man muss nicht religiös sein, um Frieden zu wollen. Von Brigitte Hutt

15. Mai 2022 in der Isarphilharmonie München. Liturgische Elemente, Psalmen, Poetisches aus vielen Jahrhunderten: Das chorsinfonische Werk „Messe für den Frieden“ des Walisers Karl Jenkins (*1944) zieht uns in den Bann. Es beginnt ganz langsam, Gebete, Feinde und Rüstungen lassen ein Geflecht von Bildern entstehen – und dann wird zum Angriff gerufen, gipfelnd in Sätzen wie „Selig, wer für sein Vaterland stirbt.“ Verstörend für alle, die Krieg erleben oder erlebt haben, die in Angst sind.

Dann … fällt die Atombombe. Dissonant, atonal, er­schreckend, von Chor und Orchester so inszeniert, dass es unter die Haut geht. Kein Atemholen danach: Menschen und Tiere als lebendige Fackeln, geschildert von Augenzeugen der Hiroshima-Bombe und uralten Texten des indischen Mahàbhàrata-Epos. Abge­run­det durch Lamm Gottes, gib uns Frieden.

Der nachfolgende Frieden ist jedoch, das spürt man sofort, ein vermeintlicher, ist nichts anderes als Erschöpfung, ist nichts anderes als das Schweigen der Waffen, weil niemand mehr da ist, sie zu führen.

Der Schlusshymnus beschwört den Frieden, er möchte ihn einläuten. Der Chor wiederholt unzählige Male „ring, ring“ (Läute, läute) – nur, wenn man den Klängen lauscht, ist da nicht schon wieder fröhliche Marschmusik? Begeisterter Neuanfang? Sehen wir nicht schon wieder Mitmenschen marschieren, oder – ihre Panzer in eine neue Richtung fahren, unter dem Deckmäntelchen eines Friedens?

Gott wird abwischen alle Tränen, heißt es am Schluss, und er wird es tun müssen, denn der Tränen wird kein Ende sein. Herr, erbarme dich. Warum lernen wir nichts?

Es ist ein unglaubliches Stück Musik, und es sollte an jedem Volkstrauertag aufgeführt werden. Als Pflichtprogramm. Pflicht, die doch ein wenig Hoffnung macht.

(Alle kursiven Phrasen sind Zitate aus der deutschen Übersetzung des Stücks.)

 


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Bäume und hohe Ziegelmauern

Zur Führung auf dem Alten Israelitischen Friedhof München-Thalkirchen, von Judith Einsiedel

Am 26. Mai 2022 wurde eine Gruppe von Freundinnen und Freunden Abrahams von Frau Ellen Presser, Leiterin des Kulturzentrums der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, durch den Alten Israelitischen Friedhof geführt. Den rund 20 Teilnehmenden boten sich hinter den Bäumen und hohen Ziegelmauern an der Thalkirchner Straße spannende Einblicke. Der Friedhof mit seinen etwa 6.000 Gräbern wurde 1816, kurz nach Gründung der Kultusgemeinde, eröffnet, mehrmals erweitert und bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wegen Platzmangels wieder stillgelegt; man nahm zur selben Zeit den Neuen Israelitischen Friedhof an der Gar­chinger Straße in Schwabing in Betrieb. Danach konnten nur noch Menschen an der Thalkirchner Straße beerdigt werden, wenn dort bereits ein Familiengrab existierte.

Der Friedhof erzählt von der Geschichte der Münchner jüdischen Gemeinde, vom Aufstieg im 19. Jahrhundert und von Verfolgung und Niedergang in der NS-Zeit. Er erzählt von Menschen, die im Konzentrationslager Dachau ums Leben kamen und davon, wie von den Nationalsozialisten die Metallinschriften an den Grabsteinen geplündert wurden, um sie einzuschmelzen und für die Rüstungsproduktion zu verwenden. Noch heute stößt man auf ‚leere‘ Grabsteine, an denen die Löcher der geraubten Buchstaben zu sehen sind. Er erzählt auch von dem jüdisch-deutschen Dramatiker Michael Beer (1800-1833), jüngerer Bruder des Komponisten Giacomo Meyerbeer, für den auf Veranlassung des bayerischen Königs Ludwig I. ein opulentes Grabmal von Leo von Klenze entworfen wurde. Schließlich erzählt der Friedhof auch von jüdischer Bild­sprache (segnende Hände auf dem Grabstein als Symbol für Nachfahren des Priestergeschlechtes; eine Kanne für den Stamm der Leviten; eine Palme für Leben; abgebrochene Säulen für ein zu früh beendetes Leben, letzteres Symbol wohl aus dem weltlichen Kontext übernommen), aber auch von jüdischen Jenseitsvorstellungen (zum Beispiel bezüglich der Grablege von Ehepaaren, damit bei der Auferstehung der Toten einer Verwechslung mit anderen Eheleuten vorge­beugt wird). Nicht zuletzt sind auch die Flora und die Fauna des Friedhofsgeländes sehenswert. Ein Besuch lohnt sich also in jedem Falle; das heißt, wenn sich wieder einmal die Gelegenheit dazu bietet – der Friedhof ist nämlich nur mit einer Führung zu besichtigen.


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Homosexualität in den abrahamitischen Religionen

Bericht (mit kurzen Ergänzungen) über eine Vortragsreihe der Freunde Abrahams in Kooperation mit der Evangelischen Stadtakademie München und dem Münchner Lehrhaus der Religionen
von Yvonne Baur-Saleh

Alle drei Referenten, der Priester und Neutestamentler Prof. em. Martin Ebner, Rabbiner Steven Langnas und der muslimische Theologe Dr. Ali Ghandour, wiesen darauf hin, dass ‚Homosexualität’ ein neuzeitlicher Begriff ist, konnotiert unter anderem mit sexueller Orientierung, Identität und einvernehmlichen Liebesbezie­hungen. Insofern ist es ahistorisch zu fragen, was die abrahamitischen Quellentexte zum Thema ‚Homosexualität’ sagen. Wie die Vorträge aufzeigten, beziehen sich die relevanten Teststellen ausschließlich auf einen Aspekt: ‚sexuelle Handlungen‘.

Prof. Martin Ebner eröffnete am 17. Juni 2022 die Trilogie mit der Fragestellung ‚Verbietet die Bibel Homosexualität?‘. Einstieg in seinen lebhaft und engagiert vorgetragenen Beitrag war ein Hinweis auf die Initiative #OutInChurch von 125 LGBTIQ+ Personen, die Mitarbeiter*innen der katholischen Kirche sind.

Dann widmete sich der Referent einigen „Kronzeugentexten“, und zeigte, warum sie alle „den heutigen Diskurs nicht treffen“.

In Lev. 18,22 zum Beispiel heißt es: „Du darfst nicht bei einem Mann liegen, wie man bei einer Frau liegt, das wäre ein Gräuel“, was in Lev. 20,13 aufgegriffen wird, aber diesmal mit dem Zusatz: „(…) beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen.“ Ebner interpretiert historisch-kritisch: Die Texte stammen aus der Perserzeit; die Stärkung der Gemeinschaft war überlebens­wichtig. In diesem Zusammenhang – und nicht generell – wurde verboten, was nicht zu Nachkommen führen konnte.

Und in der Geschichte von Sodom (Gen 19,1–29) geht es um Gewalt­anwendung und darum, Lot zu demütigen.

Im gesamten Neuen Testament werde ‚gleichgeschlechtlicher Sex‘ ausschließlich in einigen Paulusbriefen erwähnt – und auch dort nur beiläufig, betonte Ebner. Zudem äußere sich Paulus ambivalent:

In drastischen Worten schrieb er an die Gemeinde in Korinth: „Weder Unzüchti­ge noch Götzenanbeter noch Ehebrecher noch Weichlinge noch Männerbeischläfer noch Diebe noch Habsüchtige noch Trinker noch Lästerer noch Räuber werden das Reich Gottes erben“ (Kor 1, 6, 9-10). In einem „Rundumschlag“ listet er passive (Weichlinge) und aktive Partner (Männerbeischläfer) in einem Atemzug mit Götzen­dienern und Dieben auf. Aber: Die eigentliche Intention des Paulus steht in der ab­schließen­den Formulierung, die sinngemäß lautet: Mit solchen Leuten sollt ihr nichts mehr zu tun haben. So wart ihr mal, jetzt seid ihr nicht mehr so! Ebner fällt auf, dass Paulus in einem Folgebrief (der sich in Kor 1, 5, 9-11 findet), offen­sichtlich „einen Rück­zieher“ macht: Es hätte wohl ein Missverständnis gegeben. Zwar könne man sich nicht von allen Lasterhaften der Welt fernhalten, aber innerhalb der Gemeinde gelte: Mit einem „Unzüchtigen“, „Habgierigen“, „Götzenanbeter“, „Lästerer“, „Trin­ker“ oder „Räuber“, solle man „nicht einmal essen“, ihm also die Tischgemeinschaft verweigern! Interessanterweise sind die „Weichlinge“ und „Männerbeischläfer“ in diesem neuen Lasterkatalog nicht aufgeführt.

In für seine Münchner Stammhörer gewohnt humorvoller Manier eröffnete der orthodoxe Rabbiner Steven Langnas am 7. Juli 2022 seinen Vortrag ‚LGBT und Q – Was sagt das Judentum dazu?‘ mit einer Beschreibung der Filmkomödie ‚Oy Vey! My Son is Gay!‘ über das Coming-out eines jungen jüdischen Mannes.

Im Hauptteil seiner Ausführungen formulierte der Rabbiner den Grundsatz: „Im orthodoxen Judentum gelten alle Vorschriften als von Gott gegeben, sie sind ewig und unveränderbar.“ Referenztexte seien vor allem Lev. 18,22 und Lev. 20,13. Er merkte noch an: „Lesbische Beziehungen werden in der Tora nicht verboten.“

Um einige Positionen zur Homosexualität im modernen orthodoxen Judentum aufzuzeigen, stellte er exemplarisch drei Autoren vor:

Da ist Dennis Prager, US-amerikanischer Radiotalkmaster, dessen höchstes Ideal die Erfüllung des Gebots ist: „Seid fruchtbar und mehret euch“ (1. Mose 1,28); alle anderen Lebensformen seien Abweichungen. Während in vielen antiken Religionen die Götter einander verführten, sei es die große Errungenschaft des Judentums, dass Gott de-sexualisiert ist. Prager meint, er habe Sympathie für homosexuelle Personen als Individuen, wendet sich aber vehement gegen soziale Akzeptanz von Homo­sexualität.

Für den britischen orthodoxen Rabbiner Chaim Rapoport haben die biblischen Verbote Gültigkeit, aber man soll allen Menschen mit Liebe und Barmherzigkeit begegnen. (Sex unter schwulen Männern sei eine Sünde, schwul zu sein aber nicht, findet er, wie ich nachgelesen habe.) Rapoport engagiert sich seit 20 Jahren in der Beratung von homosexuellen jüdisch-orthodoxen Menschen und möchte verhin­dern, dass sie sich von Gott abwenden. Angesichts der hohen Selbstmordrate unter homosexuellen orthodoxen Jüd*innen ist es sein Ziel, Leben zu retten.

Steven Greenberg schließlich, ein US-amerikanischer orthodoxer Rabbiner, der sich als homosexuell geoutet hat, argumentiert: Wir glauben doch, dass alles von Gott kommt. Dann auch wir. Und wenn es in 1. Mose 2,18 heißt: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“, dann muss das auch für Homosexuelle gelten. Oder sollen sie zölibatär leben? Bezüglich Lev. 18,22 kommt Greenberg zu dem Schluss: „Ich denke, dies bezieht sich auf Tempelprostitution, auf rituelle Homo­sexualität, die im Alten Orient weit verbreitet war.“

Dr. Ali Ghandour schöpfte in seinem Vortrag ‚Ist Liebe haram? Sexuelle Identitäten bei Muslim*innen in Geschichte und Gegenwart‘ am 14. Juli 2022 aus reichhalti­gem Quellenmaterial, um aufzuzeigen, dass es in islamischen urbanen Milieus (und nur hierüber haben wir Belege) über viele Jahrhunderte „normal war, eine Person des eigenen Geschlechts attraktiv, erotisch anziehend zu finden.“ Das heiße nicht, „dass diese Phänomene von der ganzen Gesellschaft“ und überall „akzeptiert wurden.“ Aber viele Chroniken berichten von Kalifen, Wesiren, Generälen, Händ­lern und Dichtern und deren Geliebten, und zahllose homoerotische Gedichte beschreiben die Schönheit des Geliebten. (Dass es sich oft um päderastische Bezie­hun­gen gehandelt habe, bestätigte der Referent in der Diskussion auf Nachfrage eines Zuhörers.)

Und wie positionierten sich die Rechtsgelehrten? „Gleichgeschlechtlicher Sex zwi­schen Frauen hat die meisten nicht interessiert“, sagt Ghandour, aber Analverkehr unter Männern – und ausschließlich darum ging es in der Rechtsfindung – stuften die meisten als verboten ein. Einige sahen hierfür keinerlei Strafen vor und andere schon, wobei sie sich wohl an vorislamischen Kulturen orientierten. In der Praxis gab es über Jahrhunderte so gut wie keine strafrechtlichen Konsequenzen, „weil die Rechtsgelehrten keine politische Macht hatten.“

„Homophobie war bis zum 19. Jahrhundert unbekannt“, so der Referent. Die Ursachen für den Umbruch sieht er in der Industrialisierung, die eine ländliche und eher konservative Bevölkerung in die Städte zog, in den prüden anglikanischen Moralvorstellungen der Kolonialmächte und im Aufkommen islamischer Gruppen, „die aus dem Glauben eine Ideologie machten.“

Auf welche Textstellen im Koran kann man sich bezüglich des Themas ‚Homo­sexualität’ berufen? Das Volk von Lot werde auch im Koran thematisiert, wenn auch nicht so ausführlich wie in der Bibel, meint Ghandour. Aber abgesehen davon, dass es hier um Gewalt gehe, interessiere ihn vielmehr, ob diese Geschichte im 21. Jahr­hundert überhaupt normativen Charakter haben könne. Als Theologe müsse er zum Beispiel auch die Erkenntnisse der modernen Psychologie in den Diskurs einbe­ziehen. Und er fragt sich: „Kann es sein, dass Gott etwas erschafft, was Er hasst?“

Lesetipps:

Martin Ebner: Verbietet das NT Homosexualität? Neutestamentliche Grundlagen zu einer aktuellen Streitfrage, in: Lebendige Seelsorge 70 (1/2019), S. 55-60

#OutInChurch. Für eine Kirche ohne Angst. 125 Menschen, ein Manifest, ein Film, ein Buch. https://outinchurch.de

Chaim Rapoport: Judaism and Homosexuality. An Authentic Orthodox View, 2004

Steven Greenberg: Wrestling with God and Men: Homosexuality in the Jewish Tradition, 2004

Ali Ghandour: Liebe, Sex und Allah. Das unterdrückte erotische Erbe der Muslime, 2019


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„Drei Bauten in Bayern“ – und Begegnung mit Eziden/Jesiden

Tagesausflug nach Augsburg am 3. Juli 2022, von Hermann Benker

Nach einer Schrecksekunde vor Abfahrt des Busses konnten wir wieder einen wunderschönen und informativen Ausflug mit den „Freunden Abrahams e. V.“ genießen.

Bei Ankunft am geplanten Startpunkt am Prof.-Huber-Platz mussten wir feststellen, dass uns der Bus dort wegen einer Veranstaltung nicht abholen konnte. Also kurzfristig die Abfahrt an die Münchner Freiheit verlegt und, soweit möglich, die Teilnehmer per Telefon vom geänderten Abfahrtsort informiert. Letztlich konnten wir mit 15 Minuten Verspätung unsere Fahrt nach Augsburg antreten.

Der erste Anlaufpunkt war die Synagoge und das Jüdische Museum in der Innenstadt von Augsburg (Halderstr. 6-8). Bereits jetzt machte sich die Hitze bemerkbar, und wir waren froh, nach Durchschreiten der obligaten Sicherheitsschleuse im kühlen Innenhof der Synagoge zu sein. Von dort führte uns ein engagierter Mitarbeiter des Museums durch die Ausstellung. Sie zeigte Exponate und Dokumente jüdischen Lebens in Augsburg und Schwaben vom Mittelalter bis heute. Neben Ritual- und Kultgegenständen konnte man auch Kinderspielzeug und Alltagsgegenstände ent­decken.

Im Anschluss an die Museumsführung durften wir auch noch die Synagoge besich­tigen, die von der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg genutzt wird. Leider waren die Sitzgelegenheiten durch Absperrbänder versperrt. Eine Abhilfemaß­nahme, weil jedes Jahr das Holzinterieur durch Hakenkreuz- und andere Schnitzerei­en beschädigt wurde. Die Synagoge wurde 1914 bis 1917 nach Plänen von Fritz Landauer erbaut. Das Erscheinungsbild der Synagoge ist geprägt von Elementen des Jugendstils in Verbindung mit neobyzantinischen und orientalisierenden Details und war Ausdruck des Selbstverständnisses des Liberalen Judentums (wikipedia). Mich erinnerte der Bau, mit der Kuppel und den Medaillons in den Ecken, sehr an die Hagia Sophia. Die Synagoge hat die Pogromnacht stark beschädigt überstan­den, wurde aber nicht zerstört, weil man befürchtete, dass ein Brand das benachbarte Tanklager zur Explosion hätte bringen können. Der vollständige Wiederaufbau fand in den Jahren 1974 und 1985 statt.

Nach der Synagoge ging es zu Fuß wenige hundert Meter zum „Augsburger Zeughaus“ zum Mittagessen. Die interessante Geschichte dieses Hauses war nicht Gegenstand unserer Exkursion und kann in wikipedia nachgelesen werden. Unser Fokus lag auf der Befriedigung leiblicher Bedürfnisse im weitläufigen, schattigen Biergarten.

Mit dem Bus ging es dann weiter zum Ortsteil Kriegshaber in die Ulmer Straße. Dort ist die älteste erhaltene Synagoge in Bayrisch-Schwaben. Sie war vom frühen 18. Jahrhundert bis in das 20. Jahrhundert der Mittelpunkt einer bedeutenden jüdischen Landgemeinde vor den Toren Augsburgs. Nach der Renovierung steht sie seit 2014 dem Jüdischen Museum als zusätzlicher Ausstellungsraum zur Verfügung. In der nachmittäglichen Gluthitze zeigte uns die Gästeführerin noch das eine oder andere jüdische Bürgerhaus entlang der Ulmer Straße.

Wir waren alle froh, im klimatisierten Bus zur dritten und letzten Station unserer kleinen Reise gebracht zu werden. Im Nordfriedhof wurden wir von Mitgliedern der ezidischen (jesidischen) Gemeinde erwartet. Sie konnten dort ein kleines Heiligtum errichten, das an die Mausoleen und Türme des ezidischen Stammlandes in Kur­distan erinnert. Von Mitgliedern der Gemeinde erfuhren wir viel über deren Glauben und die Hierarchien der Familien/Stämme, die das Wissen um den Glauben bewahren und weitergeben. Dazu muss man wissen, dass die Eziden keine Schriften vergleichbar denen der „Buchreligionen“ besitzen. Das gesamte Wissen wird mündlich weitergegeben. Wer seine Schuhe auszog, konnte auch einen Blick in das Innere des kleinen Tempels werfen – es ist der erste und bisher einzige in Europa!

Nach diesem Besuch brachte uns der Bus von einer eindrucksvollen Fahrt wieder sicher nach München.

Ergänzung: „Jeder nach seiner Façon“ – religiöse Vielfalt in München einmal anders

Am Samstag, den 23. Juli 2022 waren Mitglieder der Ezidischen Gemeinde unsere Gäste in der Nazarethkirche zusammen mit Vertretern des „Hauses der Kulturen und Religionen München e. V. (HdKRM)“.

Jesiden-2022-7-23

Die Eziden haben keine Lokalität für Zusammenkünfte, das religiöse Leben findet in Hausgebeten bei einzelnen Mitgliedern statt. Es gibt eine Anfrage im HdKRM, ob man einen Raum anmieten könnte. Dies wird derzeit in den Gremien diskutiert.


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Aus aller Welt

Begegnungen in Qatar:
Die 14. Interreligiöse Dialogkonferenz in Doha

von Stefan Jakob Wimmer

Zweifellos ist Qatar ein Land mit Imageproblemen. (Es heißt übrigens Qátar, mit Betonung auf dem ersten a; ein Land Qataar/Katahr, von dem bei uns oft zu hören ist, gibt es nicht.) Ob die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft in dem Wüsten­staat dem eigenen Ansehen, wie man dort hofft, nutzen wird oder noch weiter schaden, bleibt abzuwarten. Die Zahl der Fußballstadien, an denen man auf den kurzen Entfernungen über die Halbinsel vorbeifährt, ist jedenfalls eindrucksvoll und ihre Architektur sicherlich auch. Das gilt für viele der in den letzten Jahren entstan­denen Bauten in der Hauptstadt Doha, so für das wirklich beeindruckende Museum Islamischer Kunst, das Nationalmuseum, die Nationalbibliothek, die Große Mo­schee Imam bin Abdul-Wahhab und andere mehr. Der immer größer werdende Wald aus immer höheren Bürotürmen im Stadtzentrum wirkt dagegen eher wie das fast verzweifelte Bemühen, im Wettlauf um die dichteste Skyline mit Dubai und Abu Dhabi aufzuschließen.

Viel weniger wird bei uns zur Kenntnis genommen, dass das Emirat schon seit Jahren regelmäßige Konferenzen zum interreligiösen Dialog ausrichtet. Vertreter*innen unterschiedlicher Strömungen aus Islam, Christentum und Judentum aus allen Kontinenten begegnen sich dort auf Einladung der gemeinnützigen Organisation Doha International Centre for Interfaith Dialogue, (Internationales Zentrum für interreli­giösen Dialog in Doha). Im März 2020 sollte die 14. Konferenz dieser Art stattfinden, muss­te aber als eines der ersten internatio­na­len Ereig­nisse wegen Corona kurz­fristig abge­sagt werden. Im Mai 2022 konnte sie nachgeholt werden.

Ich war zum ersten Mal eingeladen, als „Chairman of the Friends of Abra­hams Society“ – konnte aber miterle­ben, wie viele der Teilnehmer*innen, darunter hoch­ran­gi­ge Muftis, Bischö­fe und Rabbi­ner, Wissenschaftlerin­nen und Wissenschaft­ler, sich voller Wiederse­hens­freude herzlich umarm­ten, nach­dem man sich längere Zeit nicht persönlich begegnen konnte. Eine erste der von vielen Sprecher*in­nen hervor­gehobenen Einsichten der Konferenz war dann auch, wie wertvoll und unersetzlich die persönliche Begegnung ist und bleibt.

Eine weitere Einsicht war, wie Hass und Hetze gegen Religionen, aus den Religionen und zwischen Religionen zu bekämpfen sind: durch 1.) Bildung, 2.) Spiritualität und 3.) Austausch und Begegnung. Das Thema der Konferenz war nämlich „Religions and Hate Speech – Scriptures and Practice“. Mein Beitrag behandelte die Frage: „Can there be Hate Speech in Holy Scriptures?”, also ob Heilige Schriften Hass und Hetze beinhalten können. Die Organisatoren trafen die kluge Entscheidung, dass anstelle der vorbereiteten Referate, die ja nachgelesen werden können, Diskussio­nen unter den Teilnehmenden abgehalten wurden, sodass echte und spannende Debatten möglich wurden. (In deutscher Übersetzung erschien mein Beitrag bereits in den „Blättern Abrahams“ 20/2020, online zu finden unter: www.freunde-abrahams.de/…/BAb20/BAb20_Wimmer1.pdf)

Konferenz in Qatar

 

 

 

 

 

 

FOTO links: Rabbi Reuven Firestone vom Hebrew Union College, Los Angeles, Stefan Jakob Wimmer von den Freunden Abrahams und Bischof Malkhaz Songulashvili aus Georgien

 


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Stellungnahme zur JERUSALEM DECLARATION ON ANTISEMITISM
und zu „BDS“

Wir beziehen in der Abrahams Post und in unseren Veranstaltungen immer wieder gegen Antisemitismus Stellung. Wir berichten in dem Zusammenhang auch über die Debatten um die so genannte „BDS“-Kampagne. Obwohl wir bei jeder Gelegenheit ausdrücklich klargestellt haben, dass die Freunde Abrahams „BDS“ nicht unter­stützen, kursieren offenbar anderslautende Falschbehauptungen. In seinem eigenen Namen hat Professor Wimmer deshalb eine Klarstellung verfasst, die wir hier verbreiten möchten. Zur „Jerusalemer Erklärung gegen Antisemitismus“ siehe auch „Abrahams Post“ Herbst/Winter 2021/22, S. 26f.

Ich verdanke Israel die wertvollsten Jahre meiner Biografie. Meinen Doktortitel habe ich an der Hebräischen Universität erworben, und seitdem arbeite ich kontinuierlich und eng mit israelischen Kolleg*innen in den Bereichen Archäologie und Ägypto­logie zusammen. Ein gemeinsames Projekt mit der Bar-Ilan-Universität wurde von der German-Israeli Foundation gefördert. Ich arbeite an der Bayerischen Staats­bibliothek als Fachreferent für Hebräisch, bin dadurch in gutem Kontakt zum Gene­ral­konsulat des Staates Israel in München und kooperiere auch hier gerne und eng unter anderem mit der Israelischen Nationalbibliothek. Darüber hinaus unterhalte ich zahlreiche persönliche Freundschaften und Kontakte nach Israel.

Ich kann, will und werde also die so genannte „BDS“-Kampagne nicht unterstützen oder gutheißen und habe das nie getan, weder direkt noch indirekt.

In allen Stellungnahmen der Gesellschaft FREUNDE ABRAHAMS (der ich vorstehe), in denen auf „BDS“ Bezug genommen wird, wird erklärt, dass die FREUNDE ABRAHAMS „BDS“ nicht unterstützen.

Auch die JERUSALEM DECLARATION ON ANTISEMITISM (JDA, הצהרת ירושלים על אנטישמיות) vom März 2021 hält ausdrücklich fest, dass darin „BDS“ nicht unterstützt wird und ihre Unterzeichner unterschiedliche Positionen zu BDS vertreten (FAQ zu Guideline 14).

Die erklärte Intention der JDA ist es, den Kampf gegen Antisemitismus auf eine wirklich tragfähige Grundlage zu stellen und ihn vom Verdacht auf politischen Missbrauch zu befreien. Deshalb unterstütze ich die JDA.

Sie zeigt die Schwächen der 2016 von der IHRA als „Arbeitsgrundlage“ vorgestellten Definition von Antisemitismus auf, die in wichtigen Punkten unterschiedliche Inter­pre­ta­tionen zulässt und damit – wie sich leider sehr deutlich gezeigt hat – zur Delegi­ti­mierung eines seriösen Diskurses zur Nahostproblematik missbraucht werden kann. Die Justiz in Deutschland hat über alle Instanzen festgestellt, dass vor diesem Hintergrund die Grundsätze der Meinungsfreiheit missachtet wurden, sodass die Entscheidungsträger, besonders auch in München, jetzt aufgerufen sind, die Fehl­entwicklungen der letzten Jahre zu korrigieren. Dafür bietet die JDA eine kompetente Orientierungshilfe. Sie sollte nicht in Konkurrenz zur IHRA-Definition verstanden und dargestellt werden, sondern als deren Präzisierung, Verbesserung und Verstärkung – als Booster, „at uniting all forces in the broadest possible fight against antisemitism“ (FAQ, letzter Satz).

Man muss diese Bewertung nicht teilen – doch sollten alle, deren Anliegen wirklich ein aufrichtiger Kampf gegen Antisemitismus ist, sich nicht untereinander stigmati­sieren und ausgrenzen.

Prof. Stefan Jakob Wimmer, Ph.D. (Hebr. Univ. Jerusalem), Mai 2022


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Eine Stimme aus Israel

Das folgende Zitat aus einem Beitrag von Avraham Burg in der Tageszeitung Haaretz (26.7.2022) bringt auf den Punkt, welche Grundeinstellung gegen Antisemitismus und gruppenspezifische Menschenfeindlichkeit wirklich gefragt ist, so jede*r sie auf die eigene Ethnie oder Religionsgemeinschaft überträgt.

Avraham Burg von der Arbeitspartei war Knessetsprecher (Parlamentspräsident) Israels (1999-2003) und zuvor Vorsitzender der Jewish Agency und der World Zionist Organization. Haaretz ist die traditionsreichste Qualitätszeitung des Landes (auch wenn rechtsgerichtete Kreise ihr Renommée heute zu torpedieren versuchen).

„Der wirkliche Kampf gegen Antisemitismus ist nicht ein Problem für die Juden alleine. Eine Allianz muss gegen alle Arten von Hass gebildet werden, sowohl lokal als auch global. Wenn jemand einen Türken hasst, dann hasst er auch mich. Wenn man Muslimen schadet, schadet man mir. Wenn Einwanderer, Frauen oder Mitglieder der LGBTQ+-Gemeinschaft verfolgt werden, werde auch ich verfolgt. Denn das ist das wahre Gesicht des Judentums, von der Bibel bis zu Martin Buber: eine Zivilisation, die niemals ihre universellen Verpflichtungen gegenüber allen Menschen vergisst.“
(Hervorhebung ergänzt)

Der volle Beitrag, der sich ausführlich und kritisch mit der Rolle Deutschlands gegenüber der Politik Israels befasst, ist hier abrufbar:    
https://www.haaretz.com/israel-news/2022-07-26/ty-article/.premium/germany-is-providing-a-kosher-stamp-for-the-occupation/00000182-35e3-d7e9-af96-3df31e960000


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1400 Jahre Hidschra: Glückwunsch und Wunsch

von Stefan Jakob Wimmer

Mit dem Neumond am 30. Juli 2022 begann nach dem islamischen Kalender das Jahr 1444 nach der Hidschra. Mit dem prägenden Ereignis von der Emigration des Propheten Mohammed, der mit einer noch kleinen Urgemeinde in seiner Heimat Mekka bedrohlich bedrängt und in der rund 400 Kilometer entfernten Stadt Jathrib aufgenommen wurde, beginnt die Zeitrechnung der Muslime. Jathrib wurde später als Madinat-an-Nabi, „die Stadt des Propheten“, oder kurz „Medina“, bekannt. Da nun der islamische Kalender an den Mondphasen orientiert ist (wie zum Beispiel auch der jüdische Kalender), sind seine zwölf Monate etwas kürzer als das Sonnenjahr (354 statt 365/66 Tage). So zählt man seit dem Jahr 622 n. Chr. eben schon mehr als 1400 Jahre, und das islamische Jahr 1400 war bereits 1979/80. Nach Sonnenjahren gerechnet sind aber genau jetzt 1400 Jahre vergangen – ein Jubiläum, das viele Muslime gar nicht wahrnehmen. (Im Iran zählt man zwar Sonnenjahre, rechnet aber seit dem Neujahrstag am 21. März 2022 bereits das Jahr 1401.)

Genau vierzehn Jahrhunderte besteht also der Islam in der Form, die er durch die Offenbarung des Korans und die Vorbildfunktion des Propheten Mohammed angenommen hat, auch wenn aus der Sicht dieses Korans der Islam schon lange vorher in der Welt war, nämlich seit es Menschen gibt. Vierzehn Jahrhunderte, die der Welt Vieles geschenkt haben – ganz abgesehen von der Offenbarung selbst und ihrer Spiritualität, soziale Fortschritte in vielen Kulturen (zum Beispiel die Verbes­serung der rechtlichen Stellung von Frauen gegenüber früher), in der Wissenschaft (wo muslimische Gesellschaften lange Zeit wegweisend waren), im Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen (als zum Beispiel Juden sehr viel freier und geschützter unter muslimischer Herrschaft leben konnten, als unter christlicher). Dass in den 14 Jahrhunderten auch immer wieder gewaltsame Eroberungen und Konfrontationen zu verbuchen waren, muss nicht eigens hervorgehoben werden – denn leider ist es das, was bei vielen Zeitgenossen heutzutage die Wahrnehmung dominiert. Und leider sind nach 14 Jahrhunderten die Konflikte nicht überwunden – genauso wenig, wie nach über 2000 Jahren Christentum …

Allzu oft geht es Gläubigen – egal welcher Religion – darum, ihre Religion wie ein Prädikat vor sich her zu tragen, das sie – wie sie selber meinen – vor anderen auszeichnet. In diesem Überlegenheitsdenken und dem Bemühen um Abgrenzung gegen „die anderen“ werden dann religiöse Symbole, Riten und Regeln zu Idolen – denn dann wird damit nicht mehr wirklich Gott verehrt, sondern unsere eigene Identität, unsere Ehre, unsere Geschichte, Nation …

Heute ist es an der Zeit einzusehen, dass wir den Verheißungen und den Ansprü­chen, die unsere Religionen an die jeweiligen Gläubigen richten, erst dann gerecht werden können, wenn wir nicht mehr gegeneinander konkurrieren, sondern mit­einan­der darum wetteifern.

So wollen wir Freunde Abrahams den Musliminnen und Muslimen von Herzen gratu­lieren zu diesem Jubiläum:
  السلام عليكم ورحمة الله وبركاته

Frieden über Euch, die Barmherzigkeit Gottes und Sein Segen!
Und wünschen: Lasst es uns gemeinsam tun!

Wer das Jubiläum an den genauen Jahrestagen feiern möchte: Die Flucht aus Mekka begann am 27. des 2. Monats (Safar) des Jahres 1, das war der 13. September 622, die Ankunft in Medina erfolgte 14 Tage später, am 12. des 3. Monats (Rabi’a-l-Awwal), das war am 27. September 622.


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Die Gute Nachricht

Und nach so manchen schwierigen Entwicklungen und Krisenthemen kommt hier eine richtig gute Nachricht:

Hochzeit in Sarajevo

Edveta (zuvor: Mujkić) und Stefan Jakob Wimmer haben – während der Redaktions­arbeiten an diesem Heft – ihre Hochzeit in Sarajevo gefeiert, der Heimat der Braut. Wir freuen uns sehr und wünschen Abrahams Freundin und Freund, wie auch ihren Kindern und Familien, Gottes reichen Segen!

Hochzeit Wimmer Sarajevo

 


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Buchtipps

Roxane Bicker: Die Herren des Schakals
Inepu – Aset – Usir

Die drei Krimi-Bände von Roxane Bicker spielen in München, Assuan und Neapel in den Jahren 1889-91. Zwei Privatermittlerinnen haben dramatische Bluttaten aufzuklären, die aus einem Geheimbund heraus an vertrauten Schauplätzen wie der Glyptothek, der Abtei St. Bonifaz und der Bayerischen Staatsbibliothek verübt werden. Sie geraten dabei immer tiefer in mystische Zusammenhänge um die Götter und Göttin Anubis (Inepu), Isis (Aset) und Osiris (Usir). Nichts für schwache Nerven – aber sehr lohnend für München- und Ägyptenliebhaber*innen, die eine kräftige Portion Fantasy dazu vertragen oder sogar zu schätzen wissen.

Roxane Bicker arbeitet am Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst und als freie Autorin und schreibt so ägyptologisch fundiert wie sprachlich fesselnd. (S. J. Wimmer)

Alle drei Bände: Hybrid Verlag, auch als gebundenes Buch und als E-Book verfügbar.

INEPU: 2020, 320 Seiten, Taschenbuch: ISBN 978-3-96741-023-5, 13,90 €
ASET: 2020, 360 Seiten, Taschenbuch: ISBN 978-3-96741-073-0, 14,90 €
USIR: 2021, 596 Seiten, Taschenbuch: ISBN 978-3-96741-134-8, 18,90 €

 

Jürgen Wasim Frembgen: Sufi Hotel –
Aufzeichnungen aus den Untiefen einer Megacity

Jürgen Wasim Frembgen entführt den Leser nach Pakistan in ein Elendsviertel der Mega-City Karachi. Der Ethnologe beschreibt, als zurück­haltender Beobachter, fragmentarisch das Geschehen in und um ein Hotel und zertrümmert dabei stück­weise alle exotischen Erwartungen westlicher Leser*innen an ein Buch mit dem Titel „Sufi Hotel“. Nicht nur das! Das Fenster, das sich auftut, wirkt derart fremd, ja zum Teil abstoßend, dass man froh ist, am anderen Ende der Welt zu sitzen.

Der Weg des Autors und damit auch der Leser*innen wird von einer seltsamen Gestalt, die als „Sufi“ in Erscheinung tritt, begleitet – ein Gefährte, dessen Verhalten und Worte immer wieder das „Offensichtliche“ relativieren, ganz nach Art der Sufis. Der Versuch, das Gelesene im Nachhinein objektiv und vor allem nicht negativ wertend einzuordnen, scheitert. Es bleibt ein Gefühl zurück, das schwer im Magen liegt und deswegen immer wieder hervorgeholt werden möchte, um verdaut zu werden. Mittlerweile meine ich, dass es genau darum in diesem Buch geht. Wo Widersprüche einander begegnen und sich aneinander reiben, entsteht Bewegung und damit Leben. Das Elendsviertel sprüht vor Leben, und mit dem Leben gedeiht das Schlechteste wie auch das Schönste im Menschen – wohl nicht anders als hierzu­lande – nur sind unsere Widersprüche anderer Art. Welcher? (Edveta Wimmer)

Schiler & Mücke 2022, 180 Seiten, Taschenbuch: ISBN 978-3899304428, 24 €


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Texte zum Nachdenken – Worte für die Seele

Auf der letzten Seite wollen wir Ihnen Gedichte, Lieder oder kurze Texte zum Nachdenken und für die Seele mitgeben. Für Ihre Anregungen sind wir immer dankbar! Bis zu seinem Tod kämpfte Einstein für seinen Traum von einer Welt ohne Krieg und Konflikte. Immer wieder wies er auf die Gefahren der Massenvernichtungsmittel hin. Im Mai 1936 – 19 Jahre vor Einsteins Tod am 18. April 1955 – versenkte der Verleger M. J. Schuster im Bibliotheksflügel seines Hauses eine auf Pergament ge­schrie­bene persönliche Botschaft Einsteins an die Nachwelt. Sie lautet:

„Liebe Nachwelt!

Wenn ihr nicht gerechter, friedlicher und überhaupt vernünftiger werdet, als wir sind, bzw. gewesen sind, so soll euch der Teufel holen.

Diesen frommen Wunsch mit aller Hochachtung geäußert habend bin ich

euer (ehemaliger)

Albert Einstein.“

  (Quelle: https://www.planet-wissen.de/geschichte/persoenlichkeiten/ albert_einstein_das_jahrhundert_genie/pwiepazifistundweltbuerger100.html)


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