Abrahams Post 22

FRÜHJAHR/SOMMER 2013 – Download als pdf-Datei

Inhalt

Editorial
Berichte über Aktivitäten und Veranstaltungen
Friedensgebet 2013
Aus aller Welt
Papst und Päpste
Die „Gute Nachricht“
Buchtipps
Veranstaltungskalender


EDITORIAL: „Ich halte mich fest…!“

„Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen”, mit diesen Worten begann das Editorial der letzten Abrahams Post, das Manfred Görg im August 2012 verfasste, und mit der Umkehrung jener Zeile aus einem alten Kirchenlied beschloss er es: „Mitten im Tod sind wir vom Leben, d. h. vom Leben Gottes umfangen.”
Am 17. September starb er und tauschte die eine Wahrheit gegen die andere ein.

Den Freunden Abrahams hinterließ er ein „interreligiöses Bekenntnis”, an dessen Wortlaut er mehrere Jahre gearbeitet hatte. Es ist in diesem Heft erneut zu lesen auf Seite 22. Keine Vorgaben im Sinne dogmatisch fixierter Lehrmeinungen können damit gemeint sein, wie sie ihm selbst stets Unbehagen bereiteten. Vielmehr Wortbilder zum Festhalten, damit der Glaube trägt. Die aus dem christlichen Credo vertraute Eröffnung „Ich glaube an Gott…” wird bei Görg zu: „Ich halte mich fest an Gott”. Womit er – wie die Hörerinnen und Hörer seiner Vorlesungen wissen – an die ureigentliche Wortbedeutung des alten Bekenntnis­wortes anknüpft, das aus Ägypten und dem Alten Orient zu uns gekommen ist, das Hebräisch amén, arabisch âmîn und deutsch Amen heißt. Sich Festhalten an dem, der „die Welt richtet“ – nicht wie ein Henker, sondern als ein Heiler, der richtet im Sinne von repariert, wieder gut macht, was uns nicht gelingt.

Den Freunden Abrahams bleibt, in Dankbarkeit und Wertschätzung an dem festzu­halten, was wir Manfred Görg verdanken. Und dazu wird die Orientierung gehören, dass wir nicht uns daran festhalten sollen, sondern wie der geerdete und visionäre Abraham loslassen und vorangehen. Der Aufbruch in einen neuen Wegabschnitt der Freunde Abrahams gelingt, wenn wir uns gegenseitig vertrauen und stützen. Darum bitte ich Sie!

Stefan J. Wimmer

 

BERICHTE  –  NOTIZEN  –  TIPPS

 11. ordentliche Mitgliederversammlung 2013 – wie geht es weiter?

von Georg Gafus

Stefan Wimmer konnte am Abend des 19. März im Namen des Vorstandes 55 der insgesamt 231 Mitglieder begrüßen. Zunächst gedachten alle der sieben im letzten Jahr verstorbenen Freundinnen und Freunde Abrahams, insbesondere des Gründungsvorsitzenden Manfred Görg. Brigitte Hutt berichtete über den Klausur­tag am 20. Januar im Haus Venio. Vorstand und Kuratoren hatten sich dort inten­siv über die weitere Arbeit des Vereins ausgetauscht. Der Verein erhält den Namens­zusatz „Gesellschaft für religionsgeschichtliche Forschung und interreligi­ösen Dialog“. Weitere Ergebnisse: Es soll ein Buch über Manfred Görg als Vor­den­ker des interreligiösen Dialogs herausgegeben und ein Manfred-Görg-Preis für Arbeiten von Studenten und Schülern ausgelobt werden. Ein Arbeitskreis, der allen Interessierten offen steht, soll sich mit der Erreichbarkeit weiterer Zielgruppen, ins­be­sondere auch jüngerer Mitglieder, und der Intensivierung der Öffentlichkeits­arbeit auseinandersetzen. Anfragen dazu telefonisch auf Anrufbeantworter unter 089 / 1588 1260 oder über die Mailadresse info@freunde-abrahams.de.

Nach dem Kassenbericht der Schatzmeisterin Karin Hildebrand, die aufgrund der Belastungen des Vorjahres (Publikationen, Tod von Manfred Görg) wenig Spiel­raum für das laufende Jahr sah, erteilte die Versammlung dem Vorstand einstim­mig die Entlastung.

Ebenfalls einstimmig nahm die Versammlung den Vorschlag für die Neuwahl des Vorstands an: 1. Vorsitzender wird der bisherige 2. Vorsitzende und Mitgründer der Freunde Abrahams, Dr. habil. Stefan Jakob Wimmer. 2. Vorsitzende wird Frau Brigitte Hutt. Schatzmeisterin Karin Hildebrand und Schriftführerin Helga König werden in ihren Ämtern bestätigt, ebenso die bisherigen Vorstandsmitglieder Eva König und Dr. Manfred Hutt. Neues Vorstandsmitglied wird Dr. Georg Gafus.

Aus dem Kuratorium zieht sich Schwester Eustochium von der Kommunität Venio aus persönlichen Gründen zurück, der mit herzlichem Applaus für die Mitarbeit gedankt wird.

Ausgiebig diskutiert wurde der schriftliche Antrag von Andrea Gramann, eine Postkarte mit dem interreligiösen Bekenntnis von Manfred Görg zu den Werbe­mitteln des Vereins zu nehmen. Auf Anregung von Franz Josef Schwarzmann soll der Vorstand den Antrag weiter beraten und eine Entscheidung fällen.
Fazit: Es geht weiter – und nun wartet der Vorstand gespannt auf die Meldungen zum Arbeitskreis „Zielgruppen/Öffentlichkeitsarbeit“!

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Wer ist der Nächste, den ich lieben soll?

Ein Abend mit Rabbiner Jonathan Magonet am 12.11.2012, von Brigitte Hutt

Es war kein Vortrag, es war intensive Bibelarbeit, durch die Rabbiner Jonathan Magonet das gut gefüllte Auditorium in den Räumen der liberalen jüdischen Gemeinde Beth Shalom geführt hat. Straff geführt, mit Humor und großer Kenntnis der Materie, und einfach mitreißend. „Wir haben ein schwieriges Thema heute“, fing er an, „und zuerst müsst ihr arbeiten“. Dann ging es los mit Leviticus 19,1-36, in der Mendelssohn-Übersetzung und im hebräischen Originaltext. Ein Text, der laut Magonet häufig als Sammlung von Einzelstellen unterschiedlicher Herkunft bezeichnet wird, der aber doch ein ganz eigenes inneres Gefüge hat, das das Auditorium an diesem Abend miteinander erarbeitet hat, von konzentrischer Themenwiederholung (für alle nachvollziehbar) bis hin zu hebräischen Wortspielen (die er uns brillant vorgeführt hat). Inhaltlich und zum Titel des Abends passend möchte ich eines davon vorstellen und zu bedenken geben:

In Lev 19,18 findet sich der uns allen bekannte Satz „Liebe deinen Nächsten so, wie du dich selbst liebst.“ Und in Lev 19,34: „Der Fremdling, welcher sich bei euch aufhält soll euch wie ein Einheimischer sein. Du sollst ihn lieben, wie du dich selbst liebst.“

Magonet weist nun nach, dass diese Übersetzung eigentlich nicht der Grammatik im Original folgt. Dieser entsprechend heißt es eher:  „Du sollst mit deinem Nächsten liebevoll umgehen“ und „weil er ist wie du“, und genauso ist dann die Phrase mit dem Fremdling: liebevoll mit ihm umgehen, denn er ist wie du. Ich muss also nicht Menschen „lieben“, die mir gar nicht vertraut sind, eine Forderung, die uns ja oft fast „unmenschlich“ erscheint. Aber ich soll liebevoll mit ihnen umgehen: eine Forderung, die auch Christen gut ansteht, und die erfüllbar ist. Sollte uns das in diesen Zeiten wachsender Armut in Teilen unserer Gesellschaft und zunehmender Fremdenfeindlichkeit nicht immer wieder ein Leitwort sein?

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Bayern bunt – na und? Was sagen die Parteien zu Migration, Integration und Willkommenskultur? Nymphenburger Gespräche am 21.11.2012

von Stefan Jakob Wimmer

Im November 2007 gründeten Vertreterinnen und Vertreter des Interkulturellen Dialogzentrums München (IDIZEM), der Freunde Abrahams, Pax Christi, der Evangelischen Stadtakademie, der Münchner Volkshoch­schule, der Stelle für inter­kul­tu­relle Arbeit der LH München und des Lehrstuhls für Religionspädagogik der LMU die „Nymphenburger Gespräche“ als vernetzte Plattform für interkulturellen Dialog in München.

Aus Anlass des kleinen Jubiläums fünf Jahre später wurden im Künstlerhaus am Lenbachplatz die SpitzenkandidatInnen der nächstjährigen Landtagswahl eingela­den, um unter dem Motto „Bayern bunt – na und?“ zu Fragen nach Migration, Integration und Willkommenskultur Position zu beziehen. Minister­präsident Horst Seehofer musste aus terminlichen Gründen passen und schick­te Kultusminister Ludwig Spaenle als Vertreter des Spitzenkandidaten der CSU. Der Spitzenkandidat der SPD, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, kam ebenso wie Margarete Bause von Bündnis 90/Die Grünen und Hubert Aiwanger von den Freien Wählern, die FDP wurde durch ihre Landesvorsitzende, Bundesjustizministerin Sabine Leut­heus­ser-Schnarren­berger vertreten.

In dem überraschenderweise nicht ganz vollen Saal waren Münchnerinnen und Münchner mit Migrationshintergrund sehr stark vertreten. Ein Bewusst­sein, dass Menschen, die zu mehreren Kulturen und Sprachen einen authen­tischen Bezug haben, im Vorteil sein können und für die Gesellschaft – aber auch für die Parteien selbst – eine Bereicherung darstellen würden, die man vielleicht zu lange vernachlässigt hat, scheint allmählich in die Politik durchzu­sickern, wenn auch in erkennbar unterschiedlicher Intensität und Geschwin­dig­keit. Während z.B. Frau Bause den Begriff „Willkommenskultur“ zumindest verwendete, hielt Hr. Spaenle an der sog. „Leitkultur“ fest. So ergaben sich dank der lebhaften Moderation von Prof. Armin Nassehi, Soziologe an der LMU mit, wie er selbst sagt, Gelsenkirche­ner Migrationshintergrund, spannende Podiumsgespräche. Schade, dass die Medien – mit Ausnahme der türkischen Presse – die außergewöhnliche Veranstal­tung nicht beachtet haben.

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Bayt al-Maqdis: Das Jerusalemer Heiligtum in der islamischen Tradition

zum Vortrag von Prof. Dr. Andreas Kaplony am 13.12.2012

von Stefan Jakob Wimmer

Den Hauptvortrag in unserem Herbst-/Wintersemester hielt Prof. Dr. Andreas Kaplony, der seit 2011 den Lehrstuhl für Arabistik und Islamwissenschaft am Institut für den Nahen und Mittleren Osten der LMU inne hat. Als ausgewiesener Kenner des Haram asch-Scharif, des Moscheebezirks auf dem Tempelberg von Jerusalem, referierte er über Kontinuitäten und Wandel auf dem heute so eifer­süch­tig exklusiv beanspruchten Areal. Dabei wurde deutlich, dass der Bau des Felsendoms in Omaijadischer Zeit ganz bewusst auf den Salomonischen Tempel Bezug nahm und die islamischen Heiligtümer Jahrhunderte lang nicht in Konkur­renz zu, sondern in der Nachfolge der jüdischen Vorgängerbauten und Traditionen verstanden wurden. Dass das im Spätmittelalter und in der Renaissance auch im christlichen Europa allgemein übliche Verständnis des oktogonalen Felsendoms mit Kuppel als „Tempel Salomos“ bis auf die Turmhauben unserer Münchner Frauenkirche ausgestrahlt hat, sei hier nur am Rande ergänzt.

Für speziell Interessierte sei auf den hervorragenden Band Where Heaven and Earth Meet: Jerusalem’s Sacred Esplanade verwiesen, herausgegeben in engli­scher Sprache in Jerusalem (2009), von Oleg Grabar und Benjamin Kedar. Das Buch ist im Zusammenwirken (leider eine große Seltenheit!) israelischer und paläs­ti­nen­sischer sowie weiterer internationaler Fachleute entstanden. Andreas Kaplony steuerte den Beitrag bei: The Mosque of Jerusalem (Masjid Bayt al-Maqdis) 638-1099. Erhältlich ist das Buch in der Buchhandlung Avicenna (Amalienstr. 91).

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Ein Besuch bei der Ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinde

von Manfred Hutt

Ukrainisch, griechisch oder katholisch? Oder alles zusammen? Oder nichts von alledem? Was ist denn diese Gemeinde nun?

Das versuchten wir bei einem Besuch bei der Ukrainischen griechisch-katholischen Personalpfarrei Maria Schutz und St. Andreas zu erfahren. Pfarrer Vladimir Viitovitch erklärte es uns: es ist von allem etwas.

Die griechisch-katholische Kirche der Ukraine ist eine Kirche eigenen Rechts, d.h. eine selbständige Kirche. Ihre Wurzeln reichen bis ins 10. Jahrhundert, als die Kiewer Rus christlich wurde. Im Zuge des Morgenländischen Schismas (1054), der Spaltung in eine westliche und eine östliche Christenheit, trennte sich auch die ukrainische Kirche von der Kirche des Westens unter dem Papst. 1596 wurde jedoch die Union mit der römisch-katholischen Kirche, d.h. die vollkommene Kommuniongemeinschaft, hergestellt. Den Namenszusatz „griechisch-katholisch“ erhielt die Kirche unter den Habsburgern, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahr­hunderts einen Großteil der Westukraine beherrschten. Ihre Feiern gestaltet sie aber nach wie vor nach dem byzantinischen Ritus. Der Begriff „Ritus“ umfasst hier die liturgische, theologische, geistige und kirchenrechtliche Tradition. Daher wirkt sie auf uns wie eine orthodoxe Kirche. Und daher ist auch Pfarrer Viitovitch verheiratet, und die Kirche benutzt noch den julianischen Kalender.

In der stalinistischen Zeit musste die Kirche auch in der Ukraine im Untergrund arbeiten, konnte sich aber nach 1989 wieder öffentlich präsentieren und blühte auf.

In Deutschland gibt es eine eigene ukrainische Seelsorge, seit in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts viele Ukrainer aus politischen Gründen oder zu Studium oder Arbeit hierher auswanderten. 1959 errichtete Papst Johannes XXIII. für die Ukrainer in Deutschland eine Apostolische Exarchie mit eigener Jurisdiktion, an deren Spitze ein Bischof als Apostolischer Exarch steht. Der Jurisdiktionsbezirk des Apostolischen Exarchen mit Sitz in München deckt sich mit dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland; seit 1984 ist auch Skandinavien angegliedert. Die Gemeinde in München ist die größte in Deutschland.

Die Ukrainer in München bilden eine sehr junge dynamische Diaspora, die sich um die Betreuung ihrer Gemeindemitglieder kümmert und auch die Verbindung zur Heimat aufrechterhält.

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Paradies mit gläsernen Mauern

Gedanken zur Omanreise im Oktober 2012 von Brigitte Hutt

Liebe Leser, lauschen Sie einmal in sich hinein bei dem Begriff „Orient“ – was spüren Sie? Palmen, Düfte, Wüste, Oasen, Kamele, Männer und Frauen in langen Gewändern, Paläste mit geschwungenen Fenstern, Teppichen und schwellenden Kissen, Kaffee und Datteln? Das alles haben wir erlebt auf der Oman-Reise. Besonders Datteln und arabischer Kaffee: keine unserer zahlreichen Begegnungen verlief ohne. Gastfreundschaft wird groß geschrie­ben. Viel wird berichtet über dieses Land, das in nur 40 Jahren Herrschaft eines in Großbritannien erzogenen Herrschers vom verkümmernden Randsultanat zu einem modernen Staat mit florierendem Handel, ausgebautem Straßennetz, flächendeckenden Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen umgebaut wurde. Ein Land mit beeindruckenden Stein­wüsten (bis zu den Sandwüsten sind wir nicht gekommen), Oasen wie im Fleckerl­teppich darin verteilt. Unisono betonten unsere diversen Gesprächspartner, vom Chef der Reiseagentur über christliche Geistliche bis zum Mitarbeiter der Religions­behörde, dass in ihrem Land Religionszugehörigkeit keine, aber auch absolut keine, Rolle spiele. Eine freie Arbeitsstelle bekäme die geeignete Person, ohne Ansehen von Religion, auch ohne Ansehen des Geschlechts. Omanis seien zwar ausnahmslos Muslime, aber sie tolerieren jede andere Religionszugehörigkeit.

Ein solcher Chor von gleichlautenden Stimmen macht – zumindest uns westliche Menschen – ein wenig misstrauisch. Ein Paradies, hier am Ostrand der arabischen Halbinsel? Sollte man da vielleicht gleich hierbleiben? Oder nur genauer zuhören?

Die Omanis gehören der Islamschule der Ibaditen an, einer Richtung, die zwar in sich sehr streng den Gesetzen des Islam folgt, aber Gewalt gegen andersdenken­de strikt ablehnt. Daraus erklärt sich ihre Toleranz: „Duldung“ im engsten Sinne dieses Wortes. Weder eine andere Islamrichtung noch eine andere Religion werden als anerkennenswert betrachtet, aber sie werden in Ruhe gelassen. Und Missionieren, gleich aus welcher Richtung, ist verboten. Frauen studieren, können sogar Botschafterin oder Ministerin werden, aber in der Öffentlichkeit sind doch immer noch vor allem Männer zu sehen, wenn auch fröhliche Frauengruppen immer wieder anzutreffen sind. Traditionen sind mächtig, so auch in der Kleider­ord­nung, im Moscheebesuch, in der Haushaltsführung. Der Staat ist sicher, das Bewegen in der Öffentlichkeit ist gefahrlos, Omanis sind freundlich, zuweilen spitzbübisch, die Straßen sind blitzsauber. Reinigen tun sie die Inder und Pakista­nis. Die Frauen gehen einer Erwerbsarbeit nach, um den Haushalt kümmern sich Philippinos. Omanis lernen sich in Englisch fließend zu verständigen, und so gibt es auch englischsprachige Tageszeitungen. Mit Stellengesuchen. Von im Land lebenden Ausländern, meistens Indern. Diese stellen fast ein Drittel der im Land Arbeitenden, denn Arbeit, vor allem im Dienstleistungs- und unermüdlich andauernden Baubereich, ist da. Omanis arbeiten lieber in Behörden als auf dem Bau, in der Landwirtschaft oder in niedrigen Dienstleistungen. Aber mit Fleiß kann man natürlich auch als „Expatriate“ etwas erreichen, so der Chef unserer Reise­agentur. Wirtschaftlich kann man etwas erreichen, staatsbürgerlich eher nicht. Unser Reiseführer sagt auf Nachfrage, dass es sehr schwierig sei, die Omanische Staatsbürgerschaft zu erlagen; es gebe Expatriates, die schon seit 35 Jahren im Land arbeiten, aber noch immer keine Staatbürgerschaft erhalten.

Wüste und Oasen, alte Dörfer und moderne Städte, Paläste, Sultane und Sklaven. Ein moderner Staat hält sich keine Sklaven, man will ja zur internationalen Staatengemeinschaft gehören. Aber die Omanis nehmen so gut wie niemanden in ihr stolzes Volk auf, und arbeiten darf hier nur, wer gebraucht wird für die Jobs, die die „echten“ Omanis übrig lassen. Auch das Sozialsystem – medizinische Versorgung ist kostenfrei – macht hier halt: Expatriates, die alt und bedürftig werden, sind vom Versorgungssystem ausgeschlossen und auf Wohltätigkeits­vereine angewiesen, die z. B. von den christlichen Kirchen gestellt werden. Muslime geben selbstverständlich ihre vorgeschriebenen Almosen, aber – an Muslime. An Omanis. Hier zeigt das Paradies seine schier unüberwindlichen Mauern: hineinschauen ja, die Großzügigkeit bewundern (es gibt sie, keine Frage), die Gastfreundschaft genießen, aber dazugehören: keine Chance. Und so bleibt der Orient eben auch hier wie im Märchen: ein stolzes Volk, freundlich, großzügig, tolerant, aber – der Gast(arbeiter) bleibt fremd. Eigentlich (das sagt jetzt wieder der misstrauische westliche Verstand) ist es beruhigend, dass auch ein so bewundernswertes und schönes Land seine Fehler hat. Und auch verständlich: Im Gegensatz zu den benachbarten Ölländern investiert der Sultan das erwirtschaftete Geld ins Land, und das soll vor allem dem eigenen Volk zu Gute kommen, denn für alle würde es nicht reichen.

Noch ein Wort zur Zukunft: in erschreckend wenigen Jahren werden die omanischen Ölvorräte aufgebraucht sein. Das Land arbeitet bereits an den Einkommensmöglichkeiten der Zukunft, und eine davon soll der Tourismus sein. Wir, die wir da waren, können Oman als Reiseziel nur empfehlen.

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Pracht auf Pergament: Buchmalerei von 780 bis 1180 – Ausstellungsführung

von Brigitte Hutt

Eigentlich müsste man nur sagen: Sie, liebe Leser, haben etwas verpasst, etwas Unwiederbringliches. Denn die kundige Dame, die uns durch die jahrtausendalten Prachtbücher geführt hat, begann ihren Vortrag mit dem Hinweis auf die Empfind­lich­keit der alten Materialien und beschloss ihn mit der trockenen Bemerkung, dass diese Schätze hiermit wohl das letzte Mal gezeigt worden sind. Nun ver­schwin­den sie in den Magazinen (vorwiegend der Bayerischen Staatsbibliothek) und sind nur noch Wissenschaftlern zugänglich.

Eigentlich – aber im Zeitalter der Digitalisierung werden wir zukünftig noch die eine oder andere Gelegenheit haben, fast lebensechte Abbilder mit virtuellem Blättern durchstöbern zu können, auf musealen Bildschirmen oder vielleicht auch auf unserem eigenen Tablet-Computer. Beispiele solcher Digitalisierungen waren in einem eigenen Raum der Ausstellung zu sehen und enttäuschen nicht.

Trotzdem sind die Originale ein ganz eigenes Erlebnis und stimmen den Betrachter fast feierlich. Vor allem Bücher für den religiösen bzw. kirchlichen Gebrauch waren es, die im Mittelalter – in klösterlichen Schreibschulen – so kunstvoll gestaltet wur­den, mit Purpur, Silber und Gold, mit antiken und byzantinischen Elementen, mit keltischen Flechtmustern, mit Zierinitialen, mit Herrscherbildern als demonstrativem Mittelpunkt, denen die Evangelisten ebenso wie die Provinzen zu huldigen schei­nen. Jedes Zeitalter, von den Karolingern bis zur Romanik, brachte ihre eigenen Erfindungen und Weiterentwicklungen in diese Kunst ein. Die Texte – überwiegend in Latein, was zur damaligen Zeit ja eine „internationale“ Sprache war – sind für unseren Sprach- und Schrifthorizont nur mühsam zu lesen, obwohl die Buchstaben uns vertraut scheinen. Was uns aber deutlich hinter den damaligen „Normal­bürgern“ zurückbleiben lässt: die konnten mit der Symbolik der Bilder, den Heiligen­­attributen, den dargestellten biblischen Szenen noch etwas anfangen – und wir? Vielleicht lernen wir es wieder, wenn wir uns dann zukünftig mit digita­lisierten Buchschätzen auseinandersetzen!

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Der „Münchner Talmud“

von Stefan Jakob Wimmer

In den Jahrhunderten nach der Zerstörung Jerusalems wurden im Land Israel, aber auch in der Diaspora im Zweistromland Regelungen, Auslegungen, Diskussionen und Positionen bedeutender jüdischer Gelehrter gesammelt, die man als „Leit­faden zur Tora“ verstehen kann. Unter der Bezeichnung „Talmud“ („Belehrung, Studium“) bilden sie die wichtigste religiöse Quelle des Judentums nach der Bibel und liegen in zwei Ausgaben, dem sog. Jerusalemer Talmud (oder Palästinischen Talmud) und dem sehr viel umfangreicheren und bedeutenderen Babylonischen Talmud vor.

Als in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Europa der Buchdruck aufkam, hielten jüdische Gemeinden weiterhin und bis heute daran fest, die für den Gottes­dienst in Synagogen verwendeten Tora-Rollen aufwändig mit der Hand schrei­ben zu lassen. Für den Talmud galt diese Scheu vor dem technisierten Reproduktions­verfahren nicht, und so wurden Talmudausgaben schon bald nicht mehr hand­schriftlich weiter verbreitet, sondern gedruckt. Die wiederholten Talmud-Verbren­nun­gen im Auftrag der Kirche trugen wesentlich dazu bei, dass vergleichsweise we­ni­ge und meist nur fragmentarische Manuskripte aus der Zeit vor dem Buch­druck erhalten blieben. Nur eine einzige Handschrift des Babylonischen Talmud ist (fast) vollständig erhalten. Sie ist in das Jahr 1342 datiert und stammt aus Nord­frankreich. Ihre wechselnden Besitzer trugen sich namentlich in das Buch ein, sodass wir den Weg, den das kostbare Exemplar durch die Jahrhunderte genom­men hat, gut verfolgen können. Über Italien gelangte es nach Deutschland, und aus dem Besitz einer jüdischen Familie in Pfersee bei Augsburg wurde es schließ­lich im 18. Jahrhundert für die Bibliothek des Augustinerklosters Polling bei Weil­heim angekauft, wo man Schriften anderer Religionen anschaffte, um sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Durch die Säkularisation 1803 gelangte das damals auch „Pferseer Handschrift“ genannte Werk an die Münchner Hofbiblio­thek und wurde so zu einem der bedeutendsten Buchschätze der heutigen Bayeri­schen Staats­bibliothek. Als „Münchner Talmud-Handschrift“ oder auch „the Mu­nich Manuscript“ ist das äußerlich eher unscheinbare Buch mit der Signatur Cod.hebr. 95 weltweit ein Begriff und darf ohne Übertreibung als eines der selten­sten und wertvollsten Bücher der Menschheit gelten. Es wurde 2003 voll­ständig digitalisiert und kann im Rahmen einer Kooperation mit der Israelischen Natio­nal­bib­lio­thek über deren Talmud-Portal und natürlich über die Website der Bayeri­schen Staats­bibliothek aufgerufen werden (web.nli.org.il, www.bsb-muenchen.de).

Im Rahmen der Ausstellung „Hebraica Veritas“ an der Bayerischen Staats­bibliothek, die vom 4.8. bis 1.9.2013 aus Anlass des Internationalen Alttestament­lerkongresses stattfinden wird (s. oben S. 10), wird auch die Münchner Talmud-Handschrift im Original zu sehen sein. Siehe dazu auch den Hauptvortrag von Stefan Jakob Wimmer, „Hebraica Monacensia“, am 18.7. (s. oben S. 5)

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„München und der Orient“ in der Bayerischen Staatsbibliothek

von Stefan Jakob Wimmer

Es sei doch ein sehr spezielles Thema, meinte man in der Abteilung für Öffentlich­keitsarbeit der BSB (Bayerische Staatsbibliothek), als ich anfragte, ob wir die offizielle Buchpräsentation meines eigentlich schon im November 2012 erschienen Werks im Hause ausrichten könnten. Mit großem Entgegenkommen wurde das ermöglicht – obwohl nicht die BSB selbst Veranstalter sein würde – weil der Autor als Fachreferent an der Orient- und Asienabteilung des Hauses tätig ist. Der nächste verfügbare Termin lag im Februar. Ein nicht übermäßig großer, eher nüchterner Vortragsraum würde doch sicher ausreichen. Ob es gelänge, den stattlichen Fürstensaal zu so einem Anlass soweit zu füllen, dass die leeren Plätze nicht als peinlich empfunden werden würden, wurde nachhaltig bezweifelt.

Nun, am Abend des 7.2. reichte die maximal zulässige Bestuhlung des Fürsten­saals nicht aus: zahlreiche Gäste standen an allen Seiten und folgten dem fast 2‑stün­digen Verlauf der, wie viele sich ausdrückten, ausgesprochen eindrucks­vollen Veranstaltung. Dazu trug der Generaldirektor des Hauses Dr. Rolf Griebel bei, der in seiner Begrüßungsrede den Bezug des Buchthemas zur BSB erläuterte: Die orien­talischen Bestände stehen am Beginn der über 450-jährigen Geschichte der ehemaligen Münchener Hofbibliothek, und sie tragen bis heute nicht wenig zur Weltgeltung unserer „Stabi“ bei. Dazu trug auch der Kulturreferent der Landes­haupt­stadt München Dr. Hans-Georg Küppers bei, der in einer bemerkenswerten Rede den Begriff „Integration“ in Frage stellte und für eine „Kultur der Anerken­nung“ warb, „auch von kulturellen Unterschieden, des Respekts vor kulturellen Unterschieden“. Imam Benjamin Idriz trug dazu bei als Vorsitzender des „Zentrum für Islam in Europa – München (ZIE-M)“. Er war es, der energisch genug den Anstoß dazu gegeben hatte, dass ich mich an die Arbeit machte, so dass das Buch unter der Herausgeberschaft von ZIE-M realisiert werden konnte. Die Münchner Schauspielerin und Sprecherin Tinka Kleffner (ebenfalls ein Mitglied bei den Freunden Abrahams) trug mit ihrer lebendigen Lesung ausgewählter Abschnitte aus dem Buch dazu bei, der Fotograf Ergün Çevik, von dessen Bildern einige die Lesung begleiteten, der Musiker Şeref Dalyanoğlu mit seinem Ud-Spiel und zahl­reiche arbeitsame Hände (und Köpfe), die für einen leckeren orientalischen Imbiss für 300 Personen sorgten. Nicht zuletzt der Verleger Josef Fink, der das Schluss­wort sprach, und der mit seinem Kunstverlag den Mut zu diesem nicht gewöhn­lichen Buchprojekt aufbrachte und damit, wie sich zeigte, wohl den richti­gen Riecher bewies: das Buch ist von den Medien mit Begeisterung aufgenommen worden (die Abendzeitung machte mit einer ganzen Seite den Anfang, die SZ zog nach, die Kulturwelt auf Bayern 2 schloss sich an und schließlich die Abendschau im Bayerischen Fernsehen). Das alles ist auch den Freunden Abrahams zu verdan­ken, die einen Zuschuss zu den Produktionskosten beisteuerten – deshalb geht hier ein herzlicher Dank vom Autor an alle Freundinnen und Freunde Abrahams!

(München und der Orient, von Stefan Jakob Wimmer, mit Fotografien von Ergün Çevik und einem Geleitwort von Christian Ude, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2012, 232 Seiten, über 380 Abb., 24,- Euro; siehe Buchtipp in der „Abrahams Post“ Herbst/Winter 2012/13)

Abrahams Freunde Abt Lechner, Rabbiner Langnas, Imam Idriz und Frau

 

Freunde Abrahams im besten Sinn:
bei der Buchpräsentation
„München und der Orient“
in der Bayerischen Staatsbibliothek saßen nebeneinander in der ersten Reihe (v.r.):
Altabt Odilo Lechner,
Rabbiner Steven Langnas
und Imam Benjamin Idriz
mit seiner Frau Nermina.

 

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Das zerrissene Leben – Zwischen Heimat und Emigration

Ein Dokumentarfilm von Eva König

von Stefan Jakob Wimmer

„Ich hab gedacht, das Heimweh vergeht nach zwei Wochen. Und ich habe ent­deckt: Eigentlich vergeht es nie“, sagt die 87-jährige Bea Green in ihrem immer noch liebenswert münchnerisch gefärbten Tonfall in dem Dokumentarfilm „Das zerrissene Leben“. 1939 wurde sie mit einem der Kindertransporte nach England vor der Schoah gerettet, wo sie bis heute lebt. Ihr Onkel, der Rechtsanwalt Julius Siegel, war von den Nazis mit einem Schild um den Hals und abgeschnittenen Hosenbeinen durch die Innenstadt gejagt worden – ein Bild, das in die Geschichts­bücher einging als Fanal für ungeahnte Dimensionen der Menschenverachtung und -vernichtung.

Die Stimmen jüdischer Zeitzeugen aus München wurden in einem 90-minütigen Dokumentarfilm gesammelt, der am 26.1.2013 im Bayerischen Fernsehen erst­mals ausgestrahlt wurde, am Vorabend des Gedenktags an die Opfer des Natio­nal­sozialismus. Manche von ihnen hatte ich persönlich kennenlernen dürfen, als ich Ende der 1990er Jahre die Geschichtswerkstatt zur Lindwurmstraße 125 leitete. Damals dachte ich mir, jemand müsste dringend diese ebenso unvorstellbaren wie unwiederbringlichen Erlebnisberichte dokumentieren. Der jahrelangen Arbeit der Regisseurin Eva König (Vorstandsmitglied der Freunde Abrahams) ist es zu verdan­ken, dass sie und viele mehr jetzt in Bild und Ton festgehalten wurden. Von 2007 bis 2012 suchte und besuchte sie die ehemaligen Münchnerinnen und Münchner in Israel, USA und Großbritannien. Das Resultat sind unwiederbringliche Doku­men­te der Menschlichkeit und der Unmenschlichkeit.

Einer der Zeitzeugen, Al Koppel (geb. 1928), verstarb einen Tag nach der Aus­strah­lung in Colorado/USA. Sein Freund aus Kindertagen Werner Grube (geb. 1930), der aus Theresienstadt nach München zurückkehrte und hier zeitlebens ein engagierter Mahner gegen das Vergessen war, starb wenige Tage zuvor, am 22.1.2013. Ihre Erinnerung ist uns Verpflichtung.

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Friedensgebet der Religionen

Menschenwürdig – vertrauenswürdig – glaubwürdig

von Stefan Jakob Wimmer

Das „Friedensgebet der Religionen“ findet regelmäßig im Rahmen der Veranstal­tungen der „Münchner Friedenskonferenz“ statt, die einen gewissen Gegenakzent gegen die sog. „Münchner Sicherheitskonferenz“ setzt, indem sie die Gewichtung auf Fragen nach gewaltloser Konfliktvermeidung lenkt. In diesem Jahr – am 3.2.2013 – fand die ein­drucks­volle gemeinsame Gebetsfeier wieder in der evange­lischen Kreuz­kirche (Milbertshofen) statt. Dass die aktive Teilnahme einer jüdischen Vertreterin – neben Sprecherinnen und Sprechern aus Christentum, Islam, Bahá’í-Religion und Buddhis­mus – auf Wunsch von Charlotte Knobloch kurzfristig abgesagt werden muss­te, wurde allgemein als schmerzhaft und von Vielen als verstörend empfunden.

Für Prof. Görg war die jährliche Teilnahme am „Friedensgebet der Religionen“ ein Herzensanliegen. Seine Statements, die er für die gemeinsame Gebetsfeier formu­lier­te, wurden regelmäßig in der ABRAHAMS POST zum Nachlesen veröffentlicht. Mit „Entwaffnender Glaube“ war sein Beitrag im Jahr 2008 überschrieben, und mit diesem kurzen Text hat er den Freunden Abrahams so sehr aus dem Herzen gespro­chen, dass wir ihn als „Standpunkt“ in eine Broschüre aufgenommen ha­ben, die so ge­nannte „Selbstdarstellung“, die Grundsätzliches über unsere Gesell­schaft vorstellt.

Es war daher, wie ich denke, angemessen, beim diesjährigen Friedensgebet aus den Gedanken von Manfred Görg zu schöpfen – was passend zum Motto „men­schen­würdig – vertrauenswürdig – glaubwürdig“ nicht schwer fiel. Ich trug den Zuhörern, von denen die weitaus meisten ihn kannten und vermissten, Worte aus dem Editorial der letzten ABRAHAMS POST vor, das mit „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“ beginnt und mit der Umkehrung „Mitten im Tod sind wir vom Leben, d.h. vom Leben Gottes umfangen“ endet. Gemeinsam wurde dann jenes „interreligiöse Bekenntnis“ gesprochen, in dem er seinen Glauben und letzt­lich sein gesamtes weites Denken für uns in wenige Worte gefasst hat, und in dem sich vielleicht in unterschiedlicher Weise und Weite Juden, Christen, Muslime, aber auch andere glaubende Menschen wiederfinden können.

Es beginnt mit den Worten: „Ich halte mich fest an Gott!“ – denn dieses „sich Festhalten“ ist nichts anderes als die eigentliche Wortbedeutung des uralten Bekenntniswortes, das aus Ägypten und dem Alten Orient zu uns gekommen ist, das hebräisch amén, arabisch amîn und eingedeutscht Amen heißt.

Ich halte mich fest an Gott,
dem Einen und Einzigen,
dem Allmächtigen und Allerbarmer,
dem verborgenen mit den vielen Namen.
Der unsere Wirklichkeit geschaffen
und uns ins Leben gerufen hat.
Der Menschen als seine Zeugen erwählt
wie Noah, Abraham und Mose,
und durch Propheten gesprochen hat,
wie durch Jesus, den Sohn der Mirjam,
und Mohammed als seine Gesandten.
Der alle seine Erwählten erhöht
und die wahrhaft Glaubenden annimmt.
Der uns allen seinen Geist schenkt,
damit wir weiter auf ihn hoffen,
bis er kommt und die Welt richtet
und uns alle und alles mit sich vereint.

Amen

Wir freuen uns sehr, dass Frau Inge Ammon, die Initiatorin und langjährig unermüdliche Organisatorin der Friedensgebete, jetzt Mitglied der Freunde Abrahams geworden ist und heißen sie sehr herzlich willkommen!

Aus aller Welt

Der Nahe Osten braucht eine neue europäische Friedensinitiative

von Eveline Goodman-Thau

Nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an die Europäische Union und der Aufwertung Palästinas als Beobachterstaat bei den Vereinten Nationen veröffent­lichte die Süddeutsche Zei­tung einen Beitrag von Eveline Goodman-Thau, aus dem wir hier kurze Auszüge wieder­ge­ben dürfen (Streit um das Heilige Land, SZ 15./16.12.2012). Rabbinerin Prof. Dr. Eveline Good­man-Thau lebt in Jerusalem und ist Mitglied im Kuratorium der Freunde Abrahams.

Seit je war der 29. November für die Israelis ein symbolisches Datum: am 29. November 1947 wurde in der Generalversammlung der UN der Teilungsplan für Palästi­na angenommen. Seit der Aufwertung Palästinas zum Beobachterstaat in den Vereinten Nationen ist der 29. November nun auch zu einem symbolischen Datum für die Palästinenser geworden. Benjamin Netanjahu hätte gut daran getan, die Gründung des Staates Palästina als höchste Priorität Israels und beste Garantie für seine Sicherheit zu sehen. Damit hätte er den Wind aus den Segeln aller Feinde Israels genommen und auch die Herzen der Europäer auf einen Schlag zurückgewonnen.

Wer sich in der aktuellen Situation nicht darauf besinnt, dass Europa in seiner Sicht auf das Verhältnis von Staat und Religion von drei Religionen – Christentum, Juden­tum und Islam – geprägt wurde, der vergibt eine kostbare Chance. Dass sich die europäische Moderne aus der Verflechtung religiöser und kultureller Wurzeln entwickelte, gewinnt nun einen neuen Stellenwert. Der Januskopf der europäischen Aufklärung kennt nur die Alternative zwischen Demokratie und Theokratie. Auf der Tagesordnung steht aber für Israelis und Palästinenser ein Paradigmenwechsel: Nicht nur Aufklärung von der Religion, sondern Aufklärung in der Religion. Wir erleben heute im Nahen Osten eine verspätete religiöse Revolution in einer post­imperialistischen Region. Es wäre fatal, wenn der Staat Israel, der aus der Asche von Auschwitz entstand, am Konflikt mit den Palästinensern innerlich und äußerlich zerbräche. Es wäre ebenso fatal, wenn Auschwitz das einzige identitäts­stiftende Element des Zusammenhalts der israelischen Gesellschaft wäre.

Die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Europäische Union stellt Europa vor die Herausforderung, das Wohl aller Bürger im Nahen Osten als eigenes Pro­blem anzunehmen. Das vereinte Europa kann ein Modell für ein Bündnis zwischen den souveränen Staaten des Nahen Ostens werden, die derzeit durch innere und äußere Kriege gefährdet sind und den Weltfrieden zunehmend bedrohen. Dies wäre eine Lektion aus der Geschichte: dass aus Brüssel der Appell käme für ein Bündnis zwischen den zwei Nachbarstaaten Israels – Ägypten und Jordanien. Beide sind bedroht vom religiösen Fundamentalismus, beide haben keine territo­rialen Ansprüche auf Israel, beide sind daher natürliche Partner für ein Gespräch. Zu diesem Bündnis kämen dann auch ein zwischen Gaza und Westbank hoffent­lich vereintes Palästina, Libanon und Israel. Es kann keine Stabilität geben ohne Sou­ve­ränität und keine Sicherheit ohne Solidarität.

In der Bibel waren die Priester mit dem Land verbunden, mit den Königen, die Propheten mit dem Frieden. Eine entscheidende Rolle im Israel-Palästina-Konflikt spielt die Frage, ob es beiden Seiten gelingt, die Bedeutung des Heiligen Landes mit dem höchsten prophetischen Ideal zu verbinden, dem Frieden. Diese Verbin­dungslinie kann nicht nur der politischen Einsicht entspringen, sie muss auch eine religiöse Dimension haben – als Aufklärung in der Religion beider Seiten. Wie die endgültige Lösung aussehen wird, steht noch in den Sternen. Ihre Formel ist einfach: Nicht Land für Frieden, sondern Frieden für Frieden.

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Es gibt ein Leben nach Assad

von Rupert Neudeck

Rupert Neudeck ist zusammen mit seiner Frau Christel Mitglied im Kuratorium der Freunde Abrahams. Er hat für die von beiden gegründete Hilfsorganisation „Grünhelme e.V.“ einen Bericht über seinen jüngsten Besuch im Norden Syriens und die dort angelaufenen Hilfsaktionen geschrieben, den wir hier wiedergeben dürfen. Der Bericht datiert vom 9.2.2013.

Als wir vor der Ruine des Tall Dar Al-Shifa Krankenhauses stehen mitten in einem Hochhauswohnviertel in Aleppo, fröstelt es uns. Dort hat das Regime den ganzen Straßenzug stehen gelassen, aber das Hospital getroffen und mit Raketen und Bomben richtig in den Erdboden gestampft. Wir gehen zu drei Kliniken, die die muti­gen Ärzte in Aleppo als Ersatz und Kompensation aufgemacht haben, um wenig­stens die schlimmsten Krankheiten behandeln zu können. Wir schauen uns die Operationssäle im Keller eines Wohnhauses an, die Apparaturen laufen alle mit Generatoren, denn Aleppo hat keinen Strom mehr, was in Zeiten dieses sibi­risch harten Winters etwas unglaublich Anstrengendes ist. Diese Ärzte sind die Hel­den der Lage. Sie würden den Medizin-Nobelpreis verdienen, auch zusätzlich den Friedens-Preis mehr als viele Institutionen, denen das Stockholmer Komitee diesen Preis verliehen hat.

Es gibt eigentlich nichts mehr für die Menschen in Syrien, das man als lebenswert, menschenwürdig bezeichnen könnte. Es funktioniert der Staat nicht, im Gegenteil, diese ganze Bevölkerung erlebt ihn als Angreifer auf die Bevölkerung. Wieder haben wir die Schrecken der Verwüstung auf dem Marktplatz in Azaz mit ansehen müssen. Eine Vacuumbombe hat mehrere Häuser in den Eingeweiden der Stadt restlos zerstört und viele Menschen unter sich begraben. Das geschah am 13. Ja­nu­ar. Vor zwei Wochen, am 24. Januar, gab es eine Rakete, die in vier Wohn­häuser hineinraste und 15 Menschen zerriss, tötete, darunter ein 9 Mo­na­te altes Baby. Als wir vor dem Elend der Verwüstung stehen, wischen sich die hart­gesottenen Männer um uns herum, die uns den Gräuelplatz zeigen, die Trä­nen aus dem Gesicht. In Tall Rafaath gab es vor einer Woche noch eine Bombe, mit der Folge, dass sich wieder viele Menschen, Väter, Mütter den Kopf zerbre­chen, ob sie nicht um der Kinder willen doch den Weg in das türkische benach­barte Exil antreten müssen.

Gleichzeitig muss ich voller Bewunderung sagen: Was die Menschen dort unter unmöglichen Bedingungen noch als Normalität einer kleinen Gemeinde organi­sieren, ist beispielhaft und verdient unseren größten Respekt. Nicht nur die Ärzte, auch die Imame des Schariagerichtes, die sofort zur Stelle sind und Streit schlich­ten und uns beim Wiederaufbau helfen. Auch die Leute aus der Zivil­verwaltung, die am Morgen immer noch die Bündel mit dem syrischen Fladenbrot vorbei­bringen, das allerdings im Preis um mehr als das Doppelte gestiegen ist.

Die Menschen wissen weder ein noch aus, sie haben keine Arbeit, damit kein Einkommen. Gewiss, wie in jeder Kriegssituation gibt es Reiche und auch Kriegs­gewinnler. Natürlich gibt es jetzt die Heizöl- und die Dieselmafia, die das teure Gut immer noch über irgendeine Grenze schmuggelt. Aber die Disziplin ist vor­bild­lich. Keljebrin, dort sind die 130 Mädchen und die 370 Jungen weiter dabei, jeden Tag zum Unterricht zu kommen. Die Lehrer sind stolz darauf, dass sie ihre Schule aufrechterhalten. Der Brief des Schuldirektors an die Bundeskanzlerin Angela Merkel ist schon längst in Berlin mit der deutschen Übersetzung und dem schönen Satz: „Wir wollen sagen: Es besteht ein großer Unterschied zwischen denjenigen, die alles zerstören und denjenigen, die wieder aufbauen!“ Und der Bitte um einen Deutsch-Lehrer.

Wir haben mit der Erneuerung der Hauswirtschafts-Berufsschule in Tall Refaath angefangen, gleichzeitig werden die Einschusslöcher in der Mädchenschule zube­to­niert, neu verputzt und das Schulmobiliar erneuert. Dann haben wir unseren Mann für Baufach-Angelegenheiten, Martin Mikat, der sich für die Grünhelme schon in Pakistan nach der Flutkatastrophe und in der Demokratischen Republik Kongo geschlagen hat, nach Tall Refaath geschickt, damit er dort mit den Arbeiten für den Neubau der Dritten Schule beginnt. Diese Schule ist im Innersten getroffen. Das ganze Treppenhaus der zweistöckigen Schule wurde entblättert, das gesamte Mauerwerk wurde ins Wanken gebracht, so dass wir vor der entscheidenden Frage stehen, können wir Teile der Schule – durch Strahltrassen verstärkt – noch weiter benutzen oder müssen die größeren Teile der Schule abgerissen werden?

Wie kann man noch mehr helfen? Die kleinen Orte, auch Azaz, brauchen Berge­gerät, das man nur in unseren Gemeinden hat. Wenn sich also eine Gemeinde bereit erklärt, so ein Fahrzeug zu stiften, dann würden wir das über zuverlässige Leute an die Grenze bei Kilis und über dieselbe fahren. Vielleicht entschließt sich eine Gemeinde auch mal zu einer Not-Partnerschaft mit einer syrischen? Die Orte brauchen Müllentsorgungsfahrzeuge und Mülltonnen, Aleppo versinkt in einem Wust und einer Atmosphäre von Ver-Müllung.

Zur politischen Lage fällt mir nicht mehr viel ein. Nur, dass einige skeptische Syrer jetzt beginnen Hoffnung auf ein Ende des mörderischen Regimes zu haben. Die Straße zum Flughafen bei Damaskus solle ebenso in Händen der Rebellen sein wie die Autobahn nach Süden, nach Jordanien. Es gibt einen frontalen Angriff bei Damaskus auf das Zentrum der Macht, die Zentrale der Geheimdienste, die das Regime noch notdürftig über Wasser halten. Die nächste Voraussage geht auf Ende März/Anfang April diesen Jahres.

Spendenkonto: Grünhelme e.V., Konto 2000008, BLZ 700 700 24, Deutsche Bank München

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Sarajevo 2012 – ein persönliches Wiedersehen

von Ralph Deja

Am Ende der Abschlusszeremonie des Weltfriedenstreffens der Gemeinschaft Sant’Egidio 2011 auf dem Marienplatz in München gingen 2 Männer nach vorn, hielten ihre umklammerten Hände hoch und riefen den Tausenden Teilnehmern zu: Nächstes Jahr in Sarajevo. Es waren dies der katholische Weihbischof von Sarajevo Pero Sudar und der vielen Freunden Abrahams bekannte muslimische Großmufti von Bosnien-Herzegowina Mustafa Cerić. Diese Geste hat mich so elektrisiert, dass ich in dieser Minute beschloss, dabei sein zu wollen. Seit meinem Besuch von Sarajevo mit den Freunden Abrahams 2008 verspürte ich diese Sehnsucht.

Und tatsächlich machten sich meine Frau und ich zusammen mit einem befreun­deten Ehepaar am 6. September 2012 auf den Weg. Am 9. September kamen wir an, gerade noch rechtzeitig, um an der Eröffnungszeremonie in der Kongresshalle teilzunehmen.

Das Motto: Living Together is the Future – Religions and Cultures in Dialogue

Hunderte von geistlichen Würdenträgern aus über 60 Nationen sowie die regio­na­le und europäische Politprominenz füllten das Podium und die reservierten Plätze. Der Stadt Sarajevo kam dabei eine besondere symbolische Bedeutung zu. 20 Jah­re nach dem furchtbaren Bürgerkrieg mitten in Europa brachte Sant’Egidio führende Vertreter der jugoslawischen Nachfolgestaaten sowie die geistlichen Spitzen­vertreter aus Bosnien-Herzegowina zusammen, der Serbisch-Orthodoxen, der Katholiken, der Muslime und der Juden.

Präsident Herman Van Rompuy sprach bewegende und persönliche Worte für die Europäische Union. Er versprach den Menschen von Bosnien-Herzegowina seine volle Unterstützung auf dem Weg in die EU. Der absolute Höhepunkt der Eröffnungszeremonie war aber, als Großmufti Mustafa Cerić dem Vertreter des israelischen Oberrabbinats Oded Wiener eine Facsimile-Kopie der weltberühmten Sarajevo-Haggada überreichte.

Wie bei Sant’Egidio üblich ging es am nächsten Tag in diverse Arbeitssitzungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Bei der Fülle der Themen und Podien eine echte Qual der Wahl. Wir wählten für den Vormittag „Gebet und Frieden“ in der großen Halle der islamischen Fakultät von Sarajevo und für den Nachmittag „Zusammenleben in der globalen Welt“ im Kinosaal des Armeemuseums. Nach den Eingangsstatements des Podiums gab es zunächst eine Diskussion untereinan­der und anschließend den Dialog mit dem Publikum. Die spirituelle Kraft der Reli­gio­nen für den Frieden war mit Händen greifbar. Alles wurde simultan in diverse Sprachen übersetzt.

Am 11. September entschieden wir uns für „Sarajevo – 20 Jahre danach“ in der katholischen Fakultät. Hier ergab sich durch eine Anfrage von mir eine teilweise erregte Diskussion zwischen Mustafa Cerić und dem serbisch-orthodoxen Metro­politen. Da spürte man, dass die emotionalen Blessuren des Krieges noch nicht alle vernarbt sind. Zum Schluss gelang dem Großmufti eine versöhnliche Wende, so dass die Spannung von allen Teilnehmern im Saal wieder wich.

Den Abschluss des Tages und der gesamten Konferenz bildeten die Friedens­gebe­te an verschiedenen Orten nach der jeweiligen Tradition, wobei alle christlichen Konfessionen gemeinsam auf dem Platz vor der katholischen Kathedrale beteten.

Danach zogen die Teilnehmer von ihren jeweiligen Gebetsorten sternförmig zum Platz vor dem Armeemuseum, wo die eindrucksvolle Schlusszeremonie stattfand. Der Ablauf war uns schon aus München bekannt. Am Ende verkündete der Präsident von Sant’Egidio Prof. Andrea Riccardi, dass das nächste Treffen 2013 in Rom stattfinden wird. So Gott will, sind wir wieder dabei.

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Papst und Päpste

Habemus Papam – zum ersten

von Stefan Jakob Wimmer

Die Ehrenbezeichnung „Papst“ – von griechisch pappas, kirchenlateinisch papa, für „Vater“ – ist erstmals in der Kirchengeschichte nachgewiesen für Heraclas, den Patriar­chen von Alexandria (232-248). Die Bischöfe von Rom haben mit Siricius (384-399) angefangen, denselben Titel zu führen, und ihn seit Gregor I. (590-604) als exklusive, höchste Amtsbezeichnung der Kirche für sich beansprucht. Die Koptisch Orthodoxe Kirche von Ägypten hat aber bis heute an der Bezeichnung für den Nachfolger des Evangelisten Markus festgehalten (koptisch papa, arabisch baba).

Der langjährige Papst Schenouda III. (den Freunde Abrahams bei ihrer Ägypten­rei­se 2004 in der Markuskathedrale in Kairo erleben durften) starb am 17.3.2012, in­mitten denkbar aufgeregter Zeiten für sein Land und seine Kirche. Fast acht Monate blieb der Patriarchenstuhl von Alexandria vakant – bis am 4.11.2012 in der Markuskathedrale Papst Tawadros II. zum 118. Nachfolger des Hl. Markus gewählt wurde. Es war der 60. Geburtstag des Kandidaten, dessen Name den Re­geln der koptischen Papstwahl gemäß von einem Kind aus den drei verbliebenen Namen gezogen wurde, auf die sich die Bischöfe zuvor einvernehmlich verständigt hatten. Hinter seinem Namen Tawadros verbirgt sich eine koptisch-arabische Ab­lei­tung des griechischen Theodoros. Als Wagih Sobhi Sulayman kam er 1952 in Mansura im Nildelta zur Welt, studierte Pharmazie und war Geschäftsführer eines pharmazeutischen Betriebs, bevor er im Alter von 34 Jahren in eines der Wüsten­klöster im Wadi Natrun eintrat. Mit 45 wurde er Bischof der unterägyptischen Stadt Damanhur.

Während in Ägypten infolge der ersten freien Wahlen nach der Revolution die be­tont islamisch orientierte Muslimbruderschaft die Macht übernahm, betonte der neue Papst: „Wenn Religion und Politik vermischt werden, dann verderben sie einander. Die Religion gehört dem Himmel, die Politik der Erde. Wenn wir Religion mit Politik mischen, dann werde beide verlieren.“

Unseren Freunden von der Koptischen Gemeinde in München gratulierten wir am Tag nach der Amtseinführung mit einem Schreiben an Erzpriester Pater Deuscorus El-Antony:

„Seit gestern hat die koptisch-orthodoxe Kirche einen neuen Papst als Nachfolger des Hl. Markus. Im Namen der Freunde Abrahams möchte ich Ihnen und der koptischen Gemeinde in München dazu herzlich gratulieren!

Unser verstorbener Prof. Görg hätte an der Amtseinsetzung bestimmt mit Interesse und Bewegung Anteil genommen. Es fällt jetzt auf mich, Sie unserer Gebete zu ver­sichern, dass es Seiner Heiligkeit Papst Tawadros II. mit Gottes Hilfe vergönnt sein möge, zum Frieden zwischen allen Menschen guten Willens in Ägypten beizu­tragen und zu einer glücklicheren Zukunft Ihres wunderbaren Landes, das der gan­zen Menschheit schon so viel geschenkt hat. – In herzlicher Verbundenheit, Ihr Stefan Jakob Wimmer“

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Am Ende doch noch Hochachtung für Benedikt XVI.

von Stefan Jakob Wimmer

Ich gebe zu, dass ich schockiert und entsetzt war, als am 19. April 2005 die Worte „… Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem [kurze Sprechpause, und dann:] Ratzinger“ gesprochen wurden. Schockiert, weil mehrere Hundert Millionen Katholiken vor allem in Lateinamerika und Afrika der Überzeugung waren, die Zeit könnte nun endlich anbrechen, in der die Römische Kirche sich auf sie zubewegen müsste. Mussten sie die Wahl des deutschen Kurienkardinals nicht als schallende Ohrfeige auffassen? Und – ja: entsetzt, weil der Name Ratzinger bei Vielen, zu denen ich gehöre, die sich seit Jahren an der katholischen Basis, in der Pfarrei­arbeit, in Jugendgruppen, Partnerschaftsgremien, Pfarrgemeinderat, Diöze­san­rat usw. engagierten, gleichsam als Reizwort für eine rückwärtsgewandte und seit Jahrzehnten immer weiter erstarrende Kirche wahrgenommen wurde. Während des sehr langen Pontifikats von Johannes Paul II., das mit der Wahl eines Nicht-Italieners erstmals seit 450 Jahren, noch dazu eines nicht einmal Sechzigjährigen aus einem kommunistischen Land, mit einer ungeahnten Aufbruchstimmung und der Verheißung neuer Perspektiven für die Kirche begonnen hatte, da machten viele den Einfluss des Präfekten der Glaubenskongregation Joseph Ratzinger ver­ant­wortlich für die folgenden langen Jahre der Stagnation und der enttäuschten Hoffnungen. Spricht es nicht Bände, dass die bloße Beobachtung, dass dieser Kardinal Ratzinger, als er als frisch gewählter Papst Benedikt auf dem Balkon des Petersdoms stand, lächelte, schon von vielen als Signal einer inneren Veränderung und somit doch als gutes Omen interpretiert wurde?

Acht Jahre später fällt die Bilanz, selbst wenn wir Missbrauchsskandale und zuneh­mende Abwendung von der Kirche beiseitelassen und uns einmal auf die Bereiche beschränken, die uns als Freunde Abrahams besonders am Herzen liegen, in der Tat ernüchternd aus. Den evangelischen Christen wird bescheinigt, dass sie keine Kirchen im eigentlichen Sinn bilden könnten, allenfalls „kirchen­ähnliche Gemein­schaften“. Als der Papst 2011 Erfurt besuchte, wagten manche die Hoffnung, er würde im Land der Reformation gleichsam als ökumenisches Gastgeschenk irgend­ein wenn auch nur symbolisches Signal verkünden. Dass er diese Hoffnun­gen ganz offen als „politisches Missverständnis des Glaubens und der Ökumene“ brandmarkte, macht heute noch fassungslos.

Gegenüber dem Judentum wird ihm als Kardinal und als Papst niemand eine auf­richtig zugewandte Grundhaltung absprechen können. Umso bedauerlicher wurde die Panne empfunden, dass er mit den Piusbrüdern einen Bischof rehabilitieren wollte, der als Schoah-Leugner bekannt geworden war. Schlimmer noch, die Wiederzulassung des tridentinischen Messritus, mit dem er der verhäng­nis­vollen Formulierung von den „perfidi Iudaei mit verschleiertem Herzen“ den Weg zurück an die Altäre und somit in die Herzen der Gläubigen geöffnet hätte, wo sie nie mehr wieder hingehören, löste einen Sturm des Entsetzens aus, der zumindest dazu führte, dass die lateinische Formulierung abgeschwächt wurde.

Einen noch heftigeren Sturm verursachte der Papst bekanntlich mit seiner Vorle­sung, die er 2006 an seiner ehemaligen Universität in Regensburg hielt. Dass er die Meinung jenes byzantinischen Kaisers, den er mit den Worten zitierte, Mo­ham­med habe „nur Schlechtes und Inhumanes“ gebracht, nicht teile, machte der Papst anschließend mit Worten des Bedauerns klar. Weshalb er aber gerade eine solche Stellungnahme ausgesucht hatte, um das Verhältnis zwischen Religion und Ver­nunft zu thematisieren, blieb unerklärt.

Nun muss aber, wenn die Kritik ausgesprochen ist, auch anerkannt werden, dass gerade im letzten Fall durch die Aufregung um die misslichen Worte ein sehr kon­struk­tiver Prozess in Gang gebracht wurde, initiiert durch muslimische Gelehrte aus aller Welt, die gemeinsam in einem Offenen Brief den Papst zum Gespräch auf­for­derten. Seither findet nun auch auf sehr hoher Ebene verstärkt ein Austausch statt, wie ihn Dialoggruppen an der Basis schon lange praktizieren. Und sehr wohl darf festgehalten werden, dass die beiden Oberrabbiner Israels anlässlich seines Rück­tritts ihre Hochachtung vor Benedikt XVI. aussprachen. Und – schließlich wird durch diesen Rücktritt der Weg womöglich frei für einen Nachfolger, der – wer weiß? – zu den 500-Jahr-Feiern der Reformation im Jahr 2017 Bewegendes bei­zu­tragen hätte.

Ja – der Rücktritt, dieser seit vielen Jahrhunderten beispiellose Schritt, wird wohl das einschneidendste Merkmal bleiben, das man in Zukunft mit dem Pontifikat von Benedikt XVI. verbinden wird. Ausgerechnet er hat damit nun mit einem Pauken­schlag das Papsttum verändert! Die Grundlagen dafür hat Johannes Paul II. ge­legt, als er Regelungen für den Fall des Rücktritts eines Papstes festlegen ließ. Aber den unvorstellbaren Mut, den ihm dieser Schritt abverlangen musste, und die mensch­liche Größe, die er damit bewies, hat Joseph Ratzinger/Papst Benedikt in seinem 86. Lebensjahr aufgebracht. Und er hat damit allen jenen seiner Nach­folger den Weg gezeigt und geöffnet, die so wie er zu der ganz menschlichen Ein­sicht gelangen, dass die Kräfte in hohem Alter nicht mehr ausreichen für einen der verantwortungsvollsten Posten der Welt. Damit könnten dem Papsttum künftige Phasen der Stagnation, soweit sie in der Konstitution der Amtsinhaber begründet sind, erspart bleiben, und das könnte der Institution eine neue Vitalität bescheren, die viele so schmerzlich vermissen. Sollte es so kommen, wird man sich mit blei­ben­der Dankbarkeit an den Papst aus Bayern erinnern.

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Habemus Papam – zum zweiten

von Stefan Jakob Wimmer

Vor bald 800 Jahren, im Jahr 1219, unternahm der Hl. Franziskus einen im Zeit­alter der Kreuzzüge sehr ungewöhnlichen, mutigen Schritt: Trotz aller Warnungen um seine eigene Sicherheit suchte er den ägyptischen Sultan Al-Malik Al-Kamil auf. Freilich gelang es ihm nicht, den Sultan, wie er sicher gehofft hatte, zum Christen­tum zu bekehren. Auch die Kämpfe gingen danach wieder weiter. Und doch war der Sultan tief beeindruckt von dem asketischen, ebenso mutigen wie bescheidenen Gottessucher, so dass die Begegnung uner­wartet herzlich ausfiel. (Vielleicht hat sie dazu beigetragen, dass derselbe Sultan zehn Jahre später mit dem Stauferkaiser Friedrich II. Frieden schloss und ihm Jerusalem zugestand.) Franz von Assisi seinerseits machte die Erfahrung, dass der Herrscher der „un­gläu­bigen“ Sarazenen ein kultivierter, andersgläubiger Mensch voll Moral und hoher Sitten war. Das festigte die Überzeugung, die er in seine Ordensregel schrieb, dass nur durch bescheidene und friedfertige Präsenz anderen gegenüber Zeugnis vom Christentum abgelegt werden solle. Als ganz praktische Inspiration brachte er die Anregung mit, nach dem Vorbild des islamischen Gebetsrufs auch im Abendland ein hörbares Signal anzuregen: er führte das Glockenläuten zum abendlichen Gebet ein.

Dass der neue Bischof von Rom erstmals in der Geschichte des Papsttums für sich den Namen Franziskus gewählt hat, ist durchweg als sehr ermutigendes Signal aufgefasst worden. Man traut dem Mann „vom Ende der Welt“, wie er selbst sich ausdrückte, den Blick auf das Wesentliche zu, das von Zeremoniell, Reichtum und Macht verstellt wird: die Bedürfnisse der Menschen. Zu Franziskus gehört das Gespür für Einfachheit, für die Wertschätzung von Natur und Umwelt und – eben auch – für das Unkonventionelle. Heiliger Vater, wir sind gespannt!

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Die gute Nachricht – Gute Nachrichten

Jüdisch-muslimische Kooperation in Europa

Das Rathaus von Paris diente als Veranstaltungsort für ein Treffen von rund 100 jüdischen und muslimischen Religionsführern aus 20 europäischen Ländern, darun­ter der Großmufti von Bosnien und Herzegowina Mustafa Cerić und der ehemalige Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde München Steven Langnas. Der Terroranschlag vor einer jüdischen Schule in Toulouse hatte eben erst erneut auf dramatische Weise die Brisanz und Dringlichkeit solcher Treffen vor Augen geführt, um Initiativen zu einem besseren Verstehen und zur Verurteilung und Verhinderung von Gewalt umzusetzen. Von vielen Delegierten wurde der „euro­pä­ische Geist“ als Ermutigung und Ansporn dargestellt: auf diesem Kontinent wurden uralte Konflikte erfolgreich überwunden, Völker und Kulturen haben gelernt, wie Frieden geht.

Eine Teilnehmerin aus Brüssel berichtete von einer gemischten Frauengruppe, in der Musliminnen und Jüdinnen über die Schoah und über den israelisch-palästinensischen Konflikt lernen: „Wir haben die Welt nicht verändert, aber wir haben angefangen, uns kennenzulernen.“ Die Etablierung islamischer Theologie an deutschen Universitäten wurde als wichtiger konstruktiver Schritt gewertet. Ein Vertreter des Zentralrats der Muslime in Deutschland: „Es reicht nicht, dass wir uns immer rechtfertigen und distanzieren; wir müssen das Gute an unseren Religionen zeigen.“ Moshe Kantor, der Präsident der Jüdischen Weltkonferenz formulierte eindringlich: „Ein Angriff auf einen von uns ist ein Angriff auf alle von uns!“

(SJW nach: The Jerusalem Report, 17.12.2012)

Gott mit uns und allen Völkern – in der Vielfalt liegt die Zukunft!

Das „Lied der Bayern“, unsere Landeshymne, ist Ihnen (hoffentlich) vertraut. 1860 wurde es – ganz modern – durch einen Wettbewerb geschaffen, den der Kompo­nist Konrad Max Kunz für die Melodie und der Volksschullehrer Michael Öchsner für den Text gewannen. Die dritte Strophe („Gott mit ihm, dem Bayernkönig“) wird schon lange nicht mehr gesungen. Die erste („Gott mit dir, du Land der Bayern“) besingt das Land, die zweite bindet es in den deutschen Einigungsgedanken ein („… dass mit Deutschlands Bruderstämmen einig uns ein jeder schau“). Und nun hatte die Stiftung „Bayerische Einigung“ den konsequenten Gedanken, mit einer neuen dritten Strophe den föderalen Gedanken auf die europäische Ebene auszu­weiten. Wieder wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, unterstützt von der Staats­re­gie­rung, und am 1.12.2012 wurde das Ergebnis im Prinzregententheater uraufgeführt.

Warum berichten wir das hier? Nicht nur, weil in Zeiten, in denen das Jammern und Schimpfen über die EU und ihre Kosten Hochkonjunktur hat, die Erinnerung daran gut tut, dass das, was wir alle dem europäischen Einigungswerk verdanken, weder in Euro noch in DM oder gar Drachmen zu beziffern ist. Sondern auch, weil es drei Jugendliche von der Beruflichen Oberschule Bad Tölz waren, die mit ihrem Text den Wettbewerb gewannen. Ihre Namen: Benedikt Kreisl, Tatjana Sommer­feld und – Muhammad Agca! Ein Muslim, eine Frau und ein Benedikt, sie zusammen haben mit der neuen dritten Strophe der Bayernhymne formuliert, worauf es ankommt:

Gott mit uns und allen Völkern
ganz in Einheit tun wir kund:
In der Vielfalt liegt die Zukunft,
in Europas Staaten Bund.

Freie Menschen, freies Leben
gleiches Recht für Mann und Frau,
gold‘ne Sterne, blaue Fahne
und der Himmel weiß und blau.

 (SJW nach: SZ, 3.12.2012)

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Korbiniansmedaille für Helga König

Am 20. November 2012 wurde die Schriftführerin der Freunde Abrahams Helga König von Erzbischof Reinhard Kardinal Marx mit der Korbiniansmedaille des Katholikenrats der Region München geehrt. Wir gratulieren und freuen uns mit ihr!

Bethlehem hat eine Bürgermeisterin

Vera Baboun, Christin, Literaturdozentin, frühere Leiterin einer katholischen Schule, Angehörige der Fatah, der Partei von Palästinenserpräsident Abbas, ist Bürgermeisterin in der Stadt Bethlehem geworden. Damit ist sie die erste Frau an der Spitze einer Stadtverwaltung in den palästinensischen Autonomie­gebieten.

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BUCHTIPPS

Karl-Josef Kuschel:
Festmahl am Himmelstisch
Wie Mahl feiern Juden, Christen und Muslime verbindet

Juden feiern ihr Pessach-Fest um den Tisch der Familie. Christen versammeln sich am „Tisch des Herrn“ und gedenken seines „letzten Mahles“ im Zeichen von Pessach. Der Koran erinnert Muslime daran, dass Jesus auf Wunsch der Jünger Gott um einen „Tisch vom Himmel“ gebeten hat als Zeichen Gottes zur Feier eines Festes (Sure 5, 114). Die Feier des Mahles stiftet eine enge Ver­bin­dung zwischen den drei großen Religionen. Wenn Christen Eucharistie feiern, Juden Pessach, Muslime die „Tisch-Sure“ lesen, sind die beiden ande­ren Religionen stets gegen­wärtig. Dem je Anderen vor Gott Raum geben, die Präsenz der je anderen Religio­nen mitbedenken, eine trilaterale Erinnerungs­kultur entwickeln, ist nach der Über­zeu­gung des Autors Gebot der Stunde.

Prof. Dr. Dr. h.c. Karl-Josef Kuschel lehrt Theologie der Kultur und des inter­reli­giösen Dialogs am Institut für Ökumenische Forschung der Universität Tübin­gen, ist Mitglied im Kuratorium der Stiftung Weltethos und im Kuratorium der Freun­de Abrahams. Er hat seinem neuen Werk, das zweifellos zu den gehaltvollsten Bei­trägen im trilateralen Gespräch der abrahamischen Religionen gerechnet werden wird, eine Würdigung in memoriam Manfred Görg beigefügt.

Patmos Verlag, Ostfildern 2013, 176 S., ISBN 978-3-8436-0366-9, € 14,99

Johannes Boldt:
Gotttrunkene Poeten – Juan de la Cruz und die Sufi-Mystik

„Im Zeitalter des interreligiösen Dialogs bietet es sich geradezu an, die mystischen Dimensionen der geistig eng verwandten Religionen Christentum und Islam auf tiefe Gemeinsamkeiten hin zu erschließen.“ Der Theologe Johannes Boldt vergleicht die vielschichtigen Aussagen des spanischen Mystikers Juan de la Cruz (Johannes vom Kreuz) mit denen von Sufis und Derwischen wie Rumi, Ibn Arabi u.a. Er zeigt am Beispiel teilweise noch wenig bekannter Texte aus dem großen Schatz der Poesie christlicher und islamischer Mystik verblüffende Gemeinsam­keiten in den Symbolen und Metaphern. Und er eröffnet so den Blick dafür, dass mystische Erfahrung – ob nun der Christen oder Muslime – das Bewusstsein für eine tiefe Verbundenheit der unterschiedlichen Religionen über alle dogmatisch fixierten Grenzen hinweg weckt. (nach: Dr. Gerhard Schweizer, Wien)

Johannes Boldt ist ausgewiesener Kenner der Spiritualität des Karmel und der spanischen Mystik, stellv. Vorsitzender des Bildungswerks Rosenheim und Mitglied der Freunde Abrahams.

Lit Verlag, Münster 2013, 179 S., ISBN 978-3643120021, € 19,90

Rabbinerin Dr. med. Antje Yael Deusel:
Mein Bund, den ihr bewahren sollt

Im Zuge der letztjährigen „Beschneidungsdebatte“ haben sich viele als Kenner der Materie geäußert und als Visionäre, die wissen, wie Juden und Muslime zukünf­tig mit dieser Tradition umzugehen hätten. Da tut es gut, einmal eine sachliche Aufar­bei­tung einer Rabbinerin und Urologin zu lesen (die einigen Freunden Abrahams in­zwi­schen auch bestens bekannt ist), um sich selbst ein Bild zu machen.

Herder Verlag, ISBN 978-3-451-30612-9, € 19,95

Blätter Abrahams

Mit etwas Verspätung erschien im Januar das Heft 12/2012 unserer Zeitschrift Blätter Abrahams – Beiträge zum interreligiösen Dialog. Es enthält u.a. noch zwei Beiträge von Manfred Görg, die er kurz vor seinem Tod fertig gestellt hat: „Be­ob­ach­tungen zu den biblischen Bildern vom ‚Garten (in) Eden‘“ und „Seth-Baal im Bild. Weitere Aspekte zur komparatistischen Betrachtung“. Sie illustrieren exempla­risch den ihm eigenen Zugang zur wissenschaftlichen Arbeit, den er den Freunden Abra­hams als Vermächtnis und Verpflichtung hinterlässt: Von der Religionsge­schich­te Ägyptens und des Alten Orients ausgehend – die er gerne anhand von iko­­no­graphischen Zeugnissen aus seiner eigenen Kleinkunstsammlung vermittelt hat – wird eine Brücke geschlagen zu den Herausforderungen und Chancen unserer Zeit.

Unser Kuratoriumsmitglied Prof. Dr. Dr. Karl Josef Kuschel erläutert unter dem Titel „Trialogisch denken lernen – Wie Pessach, Abendmahl und ‚Tisch­wunder‘ zusammenhängen und was für Juden, Christen und Muslime daraus folgt“ Kern­gedanken aus seinem neuen Buch „Festmahl am Himmelstisch“ (siehe Buchtipp oben). Stefan Jakob Wimmer schließlich greift eine gedank­liche Anregung aus der letzten Osttürkei-Reise der Freunde Abrahams zur Kultur von Urartu auf und führt sie mit der Archäologie Jerusalems und biblischen Bildern zusammen: „‚Fest wie der Zionsberg‘ Eisenzeitliche Stufen­formationen in Jerusalem und Tuschpa“.

Erhältlich ist das Heft, wie auch alle zurückliegenden Ausgaben, zum Preis von 8,- € bzw. 5,- € (für Mitglieder), zzgl. 2,- € Versand. Eine Inhaltsübersicht aller Ausgaben ist unter www.freunde-abrahams.de zu finden.

Wir sind dankbar, wenn Sie den Fortbestand der Zeitschrift durch Spenden fördern. Auf Wunsch werden Förderer in der Zeitschrift genannt.

 

Die Sonderausgabe der Abrahams Post IN MEMORIAM MANFRED GÖRG mit einer Dokumentation der Trauer- und Abschiedsfeiern und einer Sammlung von Stimmen zum Wirken von Prof. Görg wurde im Dezember 2012 an alle Mitglieder versandt. Sie ist auf Wunsch weiterhin kostenlos erhältlich (Tel. 089/15881260 (Anrufbeantworter) oder info@freunde-abrahams.de).