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| Raum II | Noch ist Raum für ein Gedicht. Noch ist das Gedicht ein Raum, wo man atmen kann. |
Mit diesem in reim- und versloser Form verfassten und 1976 veröffentlichten Gedicht führte uns Elisabeth Hafner (Wien) in das Leben und Werk der jüdischen Lyrikerin Rose Ausländer (1901 Czernowitz - 1988 Düsseldorf) ein, der dieser Abend, am 8. Februar, gewidmet war. Ihre Lebensumstände als Jüdin im 20. Jh. machen ihr Werk verständlich und zeigen, wie Sprachraum zum Lebensraum werden kann. Bereits ihr Name deutet auf ihr Schicksal hin. Während sie notgedrungen vorwiegend im Ausland lebte, verbrachte sie die schlimmsten Jahre der Judenverfolgung und -vernichtung in Czernowitz. Von dieser Zeit berichtet sie: 'Czernowitz 1941. Nazis besetzten die Stadt, blieben bis zum Frühjahr 1944. Ghetto, Elend, Horror, Todestransport. In jenen Jahren trafen wir Freunde uns zuweilen heimlich, oft unter Lebensgefahr, um Gedichte zu lesen. Der unerträglichen Realität gegenüber gab es zwei Verhaltensweisen: entweder man gab sich der Verzweiflung preis oder man übersiedelte in eine andere Wirklichkeit, die geistige. Wir zum Tode verurteilten Juden waren unsagbar trostbedürftig. Und während wir den Tod erwarteten, wohnten manche von uns in Traumworten. ... Schreiben war Leben, Überleben.'
Die Sprache bot ihr auch im späteren Leben Heimat und Schutz. Darüber, was Dichtung für sie (die etwa 3000 Gedichte verfasst hat) bedeutet, schreibt sie: 'Das Gedicht braucht Weite, Breite, Tiefe, Resonanz. Das Gedicht will sprechen, ansprechen, aussprechen, sich aussprechen. Das Gedicht ist kein Ruheplatz, ist ruhelos. Auch das stillste Gedicht hat eine Stimme und will so reden, dass viele, wenn möglich alle Menschen es hören. Allein gelassen, schläft es ein. Es stirbt nicht; es schläft den Dornröschenschlaf. Jeder, der es liest, wie es sich sucht, wie es aus dem himmlischen Nichts entstanden ist, wer seine wahre Gestalt sieht, wer es liebt, ist der erlösende Prinz, erweckt es. Es wird immer wieder erweckt. Es hat unzählige Leben.'
von Stefan Jakob Wimmer
'Hat Goliat tatsächlich gelebt?', fragte die Münchner tz, während das israelische Boulevardblatt Jediot Achronot verkündete: 'Goliat der Philister gefunden!'. Nein, es war kein übergroßes Skelett, mit Loch in der Stirn, das bei den Grabungen auf dem Tell es-Safi im vergangenen Sommer gefunden wurde. Es war nur eine kleine, unscheinbare Tonscherbe.
Wie die Leser der ABRAHAMS POST inzwischen wissen (Von Philistern früher und heute' Herbst/Winter 2005/06; 'Freunde Abrahams auf den Spuren der Philister' Sommer 2005), wird auf dem Tell südwestlich von Jerusalem, die biblische Philisterstadt Gat ausgegraben, aus der nach 1 Sam der legendäre Riese stammen soll. Die Grabungen dort werden schon seit Jahren von der israelischen Bar-Ilan-Universität organisiert; seit 2005 beteiligen sich daran auch Freunde Abrahams.
Tonscherben zu finden gehört dabei zum täglich Brot; sie kommen Tag für Tag zu Hunderten zum Vorschein, Zigtausende gingen schon durch die Hände der Keramikspezialisten, die sie eine nach der anderen begutachten und nach Material, Form und ggf. Dekoration klassifizieren - eine wenig aufregende Routinearbeit. Bis - es war am 1. August - es plötzlich hieß: 'Steht da nicht was drauf?' Im Grabungsteam glaubten einige zunächst an einen Scherz. Da hätte wohl einer der Volontäre zum Spaß etwas reingekritzelt. Da meine Aufgabe am Projekt den Schwerpunkt Schrift und Sprache' der Philister betrifft, war ich sogleich elektrisiert und verkündete den skeptischen Kollegen, dass es sich ganz klar um kanaanäische Alfabetschrift handelte.
Dann folgte sehr viel Kopfzerbrechen - denn in Kanaanäisch, oder einem anderen Zweig der semitischen Sprachen, ergaben die Buchstaben keinen Sinn. Und genau damit kommen wir ihrem besonderen, wissenschaftlichen Wert auf die Spur. Die Philister sprachen nämlich, als sie im 12. Jahrhundert v. C. an die südlichen Küsten Kanaans kamen, sicher nicht Semitisch. Im Lauf der Zeit übernahmen sie zwar doch die Landessprache, und hinterließen dann auch ein paar mehr Inschriften. Doch ihre Ursprungssprache ist für uns nicht greifbar. Seit langem sucht die Forschung fieberhaft nach entsprechenden Zeugnissen, denn noch immer ist nicht eindeutig geklärt, woher die Philister stammten. Meist wird der ägäische Raum genannt, vielleicht mit Kreta oder Zypern als Stationen am Weg ins 'Gelobte Land'. Möglich wäre auch Kleinasien. Wieder andere denken z. B. an den Balkan bis hinauf zum Donauraum. Ihre Sprache wäre der Schlüssel, um dem rätselhaften Volk auf die Spur zu kommen.
Wenn nun also zwar die Schrift semitisch ist, die Sprache aber nicht, dann liegt der Verdacht sehr nahe, dass es Altphilistisch sein wird, was da steht! Für Wissenschaftler hätte das schon als zumindest kleine Sensation gereicht. Für die Öffentlichkeit wurde sie noch erheblich größer, als nach einigen Monaten des Forschens in Griechisch, Hethitisch und Hurritisch, und praktisch allen bekannten Sprachen des östlichen Mittelmeerraums, herauskam, dass auf unserer Scherbe offenbar die authentisch philistische Form des Namens steht (nämlich ALYT oder ALWT), den die Bibel hebräisch als 'Goliat' wiedergibt (etwa so, wie das griechische NT aus Jeschua 'Jesus' macht). Vergleichbare Namen finden sich auf mykenischen Tontafeln, sodass die These von griechisch-ägäischen Wurzeln der Philister neue Nahrung bekommt.
Auf der ganzen Welt erschienen nun Meldungen wie 'Wissenschaftler finden Beweis für Goliat' (CNN), 'Tonscherbe belegt, dass Goliat real war' (The Star, Südafrika), 'Die Geschichte von David und Goliat ist wahr' (7Days, Vereinigte Arabische Emirate), 'Keramik sagt, Goliat hat existiert' (The Australian), 'Potscherf bewijs dat Goliath heeft bestaan' (Telegraaf, NL). Aber, ist auf 'unserer' Scherbe tatsächlich jener Goliat dokumentiert, von dem die Bibel spricht? Wohl kaum. Die Inschrift belegt, dass der Name in der Zeit und an dem Ort, in der und an dem die Bibel ihren Philisterhelden auftreten lässt, tatsächlich gebräuchlich war. Sie wirft also Licht auf das historische Umfeld, auf das 'Setting' der Erzählung. Darüber, ob seinerzeit wirklich ein schwerbewaffneter Riese von einem cleveren Jugendlichen, der König über Israel werden sollte, im Terebinthental bei Gat mit einer Steinschleuder zur Strecke gebracht wurde, sagt sie nichts aus. Was für die eigentliche 'Glaub-Würdigkeit', im Wortsinn, der Bibel auch keine Rolle spielen sollte. Auch wenn viele sich schwer damit tun, von einem vordergründigen Wörtlichnehmen biblischer Texte loszulassen, so verstellt doch eine solche Einstellung geradezu den Blick auf das Wesentliche. Einer Heiligen Schrift geht es nicht um das Protokollieren dessen, was sich wann und wo genau ereignete, sondern um ungleich gehaltvollere Glaubensaussagen. In diesem Sinn ist die Frage, ob die Bibel Recht hat, an Archäologen falsch gestellt.
Mehr zu Goliat und den Philistern, zum Tell es-Safi, zu den Grabungen und zum Projekt, auf: www.philisterprojekt.info
Und wer will, kann auch diesen Sommer mitkommen, wenn wir vom 9.7. bis 4.8. weitergraben. Freiwillige sind willkommen, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Wer die Fortsetzung der 'Goliat-Inschrift' findet, wird mit Apotheose belohnt!
Über die Grabung berichtet Dr. Wimmer auf Einladung des Collegium Aegyptium e. V. am Donnerstag, 11. Mai 2006, um 19.00 Uhr, im Institut für Ägyptologie der LMU, Meiserstr. 10: 'Wer waren die Philister? Eine Spurensuche in ägyptischen Quellen und in biblischer Erde'
von Stefan Jakob Wimmer
Es kam schon unerwartet, nicht wahr? Umfragen bis zum Wahltag hatten doch schlimmstenfalls ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dennoch sicherem Vorsprung für Fatah, vorausgesagt. Und dann dieser überwältigende Wahltriumph von 'Hamas', der nach einigen Kommentatoren sogar die eigenen Funktionäre überrumpelt habe. Hatten nicht erst ein Jahr zuvor dieselben Palästinenser mit ähnlich beeindruckenden Zahlen den konzilianten Mahmud Abbas zum Nachfolger des sperrigen Arafat als ihren Präsidenten gewählt? Und hatte nicht seitdem Israel mit dem Abzug aus dem Gazastreifen scheinbar manifest in Richtung Aussöhnung gesteuert, wie es Premierminister Scharon auch vor der UNO-Vollversammlung in beredten Worten zum Ausdruck gebracht hat?
Die Wahrheit freilich ist, dass die Präsidentschaftswahlen vor einem Jahr von 'Hamas' boykottiert wurden. Dementsprechend gering war damals die Wahlbeteiligung, und von den abgegebenen Stimmen war der Anteil komplett durchgestrichener oder mit wütenden Kommentaren versehener Stimmzettel umso höher. Rechnet man die 67% der gültigen, abgegebenen Stimmen für Abbas auf alle Wahlberechtigten um, so entfielen auf ihn tatsächlich nur rund 40% - etwa ebensoviel, wie auch diesmal an seine Fatah-Partei ging. Wer die Stimmung in den Palästinensergebieten kennt, die jenseits von wohltuend vernünftigen Stellungnahmen der Intellektuellen in westlichen Medien, und der immer noch beeindruckend hoffnungsvollen Visionen der kleinen christlichen Minderheit in Betlehem und Bet Dschallah, brodelt, konnte die überwältigende Zustimmung, ja Begeisterung, für 'Hamas' auf der Straße und in den Herzen schon lange nicht mehr weginterpretieren. Was mich an dem Wahlergebnis wirklich überrascht hat, ist, dass selbst in Nablus, einer Hochburg des Widerstands, nicht alle 6 Sitze an 'Hamas' gingen, sondern 'nur' 5, und 1 immer noch an Fatah.
Nun sind sie also an die Macht gelangt, demokratisch gewählt. Die ewig Gestrigen, denen sechzig Jahre Realität nichts anhaben können, die alle Gerechtigkeit und Menschlichkeit jenseits ihrer eigenen, granitenen Ideologie komplett auszublenden in der Lage sind, die die immer schrecklichere Anhäufung von Unheil über ihrem eigenen Volk mit großem Erfolg als strahlend helle Zukunftsvision verkaufen. Sie werden von der Bevölkerung nicht dafür verantwortlich gemacht, dass sie die Hoffnungen von Oslo mit erklärter Entschlossenheit erfolgreich zerbombt haben, dass sie es waren, die schon vor zehn Jahren in Israel Netanjahu, und vor fünf Jahren Scharon an die Macht gebombt haben. Dass sie mit ihrem Terror das aus den israelischen Vergeltungsaktionen resultierende, unsägliche Leid der eigenen Bevölkerung mitverschulden, und die Unerträglichkeit ihrer alltäglichen Lebensbedingungen.
Freilich darf es dort nicht Terror genannt werden, wenn es Palästinenser - oder überhaupt Muslime - sind, die in Linienbussen, Fußgängerzonen, Cafes, oder auch Synagogen auf der ganzen Welt, gegen die Besatzung Palästinas kämpfen. Denn Terror ist immer das, was die anderen tun; die Amerikaner vor allem und die Zionisten, d. h. die Juden, die schon immer Terroristen waren. So steht es schließlich in den 'Protokollen der Weisen von Zion', auf die sich die Charta der 'Hamas' ausdrücklich beruft (Art. 32), und die in der arabischen Welt zur Allgemeinbildung gehören, während sie von der Islam-feindlichen Zensur des Westens verboten werden ...
Nun heißt das nicht im Umkehrschluss, dass alle Schuld zu Lasten verblendeter Fanatiker unter den Palästinensern ginge. Wer von meiner eigenen Biografie weiß, weiß auch, dass ich nicht dazu neigen kann, die Verbrechen an Palästinensern zu verharmlosen. Der Terror hat Hintergründe, hat Wurzeln in der Nakba, der 'Katastrophe' (wie der Begriff nur unzulänglich übersetzt wird), die seit 1948 das palästinensische Volk zerrüttet, in Jahrzehnte langem Flüchtlingselend, Besatzung, Entrechtung, in alltäglichen Demütigungen und in permanenter Gewalt. Doch die immer öfter zitierte, bequeme Gleichung, die Terroristen der einen wären die Freiheitskämpfer der anderen, führt in die Irre. Es gibt kein Recht auf Terror. Berechtigter Widerstand, oder Freiheitskampf, mag das Motiv bestimmen; die Mittel, mit denen er geführt wird, können friedlich oder gewaltsam sein, und im schlimmsten Fall Terror mit einschließen. 'Hamas' hat alle Mittel für 'heilig' erklärt. 'Hamas' ist ein Akronym, eine Abkürzung, und steht für 'Islamische Widerstandsbewegung', doch für das, was 'Hamas' tut, kann es kein anderes Wort als Terror geben.
'Hamas' ist und bleibt (vorläufig noch?) eine Terrororganisation. 'Hamas' ist aber auch gleichzeitig eine Wohlfahrtsorganisation. Anders als die weitgehend als korrupt und höchst uneffizient empfundene Autonomieregierung, wird 'Hamas' von der Bevölkerung als eine - die einzige! - Organisation wahrgenommen, die sich wirklich um die Menschen bemüht. Anders als die Minister von Fatah, die abgeschirmt in Villen leben und in Limousinen fahren, leben die 'Hamas'-Funktionäre unter und mit den einfachen Menschen und teilen die Nöte und Demütigungen ihres Alltags. Anders als die behördlichen Strukturen, die Bestechungsgelder einfordern, teilt 'Hamas' aus und unterstützt Bedürftige, mit Geld, mit moralischer (eigentlich: ideologischer) Betreuung, mit dem Aufbau eines funktionierenden Sozialwesens. Sicherlich ist es dieses freundliche Gesicht von 'Hamas', auf das die breite Unterstützung in der Bevölkerung in erster Linie gründet. Das Gefühl, dass 'Hamas' auch an der Front 'etwas tut', den Flugzeugen und Panzern des israelischen Goliat die Steinwürfe des eigenen Widerstands entgegenschleudert, kommt dazu.
Den Menschen macht das Wahlergebnis Hoffnung, dass nun die Regierungsstrukturen von ehrlichen und wirklich engagierten Kräften übernommen und umgekrempelt werden. Dass also nun keine weitere Verschlimmerung der Lage zu erwarten sei, sondern im Gegenteil: in erster Linie eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen. Dafür haben sie mit überwältigender Mehrheit gestimmt, nicht dafür, vom Westen nun zur Strafe auch noch boykottiert zu werden. Eigentlich haben die Palästinenser etwas für uns ganz Selbstverständliches getan: sie haben eine Regierung, mit der sie auf der ganzen Linie unzufrieden waren, abgewählt. Eigentlich sollte man ihnen dazu gratulieren! Tatsächlich werden sie dafür in der gesamten arabischen Welt beneidet. Es gibt kein einziges arabisches Land, in dem man nicht genau davon träumte, die eigene Regierung einfach abzuwählen. In Libanon und neuerdings Irak sind Wahlen theoretisch frei, doch bestimmt weitgehend ethnisches und konfessionelles Gruppendenken die Ergebnisse; in Ägypten wären die 'Hamas'-verwandten Muslimbrüder wohl schon längst an der Regierung, wenn die dortigen Wahlen frei wären. Ausgerechnet für die Palästinenser, die sonst immer nur Mitleid ernten und als die bedauernswertesten aller Araber gelten, ist dieser Wunschtraum von demokratischer Selbstbestimmung nun wahr geworden!
Damit ist das Bild des Nahostkonflikts stimmiger, die Situation ehrlicher geworden. Die palästinensische Seite - Präsident Abbas einmal an den Rand gedacht - stellt sich nun auch nach außen so dar, wie sie selbst gesehen werden möchte. Und längerfristig kann es nur gesund sein, dass die bei uns so gern gepflegte und gehegte Illusion zerplatzt ist, wonach sich Menschen quasi automatisch immer nur nach Ausgleich und Versöhnung sehnten und Konflikte nur von bösen Führern geschürt würden.
Es mag zunächst absurd klingen, doch wenn die Gewählten das Wahlergebnis in dem oben geschilderten Sinn verstehen, dann besteht Hoffnung! Hoffnung erstens darauf, dass die Palästinenser endlich wirklich Erleichterungen erleben werden. Hoffnung aber auch darauf, dass dahinter der Kampf gegen Israel zurücktreten wird. Nichts wäre leichter für jede israelische Regierung, als fortgesetzten Terror mit der totalen Blockade und ggf. auch Zerstörung aller palästinensischen Regierungsstrukturen zu beantworten, und 'Hamas' damit jede Möglichkeit zu nehmen, dem Vertrauen der Bevölkerung auch gerecht zu werden. Mehr als an spektakulären 'Widerstandsaktionen', muss 'Hamas' nun in erster Linie an einer Beruhigung der Lage interessiert sein, um das bewirken zu können, was die Wähler vor allem erwarten. Vorläufig wird 'Hamas' ihre Ideologie nicht aufgeben und auch nicht ändern, die vorgibt, aus religiöser Verpflichtung gegen jeden nicht-islam(ist)ischen Staat in Palästina, egal wie groß oder klein, wie aggressiv oder kompromissbereit, kämpfen zu müssen bis zum Endsieg. Doch wäre "Hamas" sehr wohl willens, und hat das auch schon ausgesprochen, den Kampf vorübergehend einzufrieren. Es kommt hinzu, dass die Terrororganisation in der neuen Regierungsrolle gezwungen sein wird, sich über das bisherige Brodeln in der eigenen Ideologie hinaus mit Realitäten auseinanderzusetzen. Mit dem 'zionistischen Gebilde' mag man genauso wenig Verhandlungen führen wollen, wie umgekehrt, doch beruht die Arbeit der Autonomiebehörde auf ganz alltäglichem und ständigem Kontakt und Austausch mit israelischen Strukturen. In der neuen Verantwortung könnte ganz allmählich auch Erkenntnis aufflackern, dass der Staat Israel doch nicht wegzubomben sein wird, dass Juden keine modernen Kreuzfahrer sind, die man irgendwann wieder nach Hause schicken kann, sondern dass die sich ihrerseits selbst einmal zu einer Befreiungsbewegung aufgerafft haben, um eben nach Hause zu kommen. Und dass sie, ob man es nun islamisch oder richtig findet oder nicht, nie wieder gehen werden. Eine zugegeben schwache Hoffnung, und doch: war nicht auch Fatah, im Verbund der PLO, einmal eine Terrororganisation, mit einer Charta, die die Zerstörung des Jüdischen Staates verlangte?
Stattfinden soll sie, unsere Reise 'Israel - Palästina' (der Bindestrich ist Programm)! Der Wahlsieg der 'Hamas' - siehe dazu die obige Analyse - muss weder unsere Motivation, noch die Durchführbarkeit der Reise beeinflussen. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass wir in den Palästinensergebieten eine Atmosphäre des Aufschwungs und der Zuversicht erleben werden, und dass trotz allem die Terrorgefahr in Israel weiter abnehmen wird. Wie sich die Lage wirklich bis Oktober entwickeln wird, wissen wir alle nicht - und deshalb möchten wir davon ausgehen, dass die Reise wie ausgeschrieben stattfinden kann. Erst vor Ort und abhängig von der jeweils geltenden, aktuellen Situation, wird dann entschieden werden können, was zu verantworten ist und was nicht. Dass wir Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes ernst nehmen, und ggf. auch die Reise insgesamt aussetzen würden, versteht sich von selbst.
Sie erleichtern unsere Planungen, wenn Sie sich möglichst früh zur Anmeldung entschließen. Die Mindestteilnehmerzahl (20 Personen) ist noch nicht erreicht. Falls Sie noch zögern, dann beziehen Sie bitte in Ihre Überlegungen mit ein: Garantieren kann niemand, dass nicht doch etwas passiert. Das gilt für unsere Reise, es gilt aber auch für jede andere Reise, und es gilt auch, wenn Sie zuhause bleiben. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass der Tourismus nach Israel in diesem Jahr wieder steil ansteigt. Die Hotels sind bereits gut gebucht, die Reisegruppen beginnen wieder, sich auf die Füße zu treten. Wenn Sie sich nun anmelden, stehen die Chancen gut, dass wir im Oktober guten Gewissens fahren können. Ob wir das im nächsten oder übernächsten Jahr auch noch könnten, steht dagegen in den Sternen ...
ISRAEL - PALÄSTINA: Keine Reise wie jede andere!
7.-21.10.2006, 2.530.- EUR p. P. im DZ
Die ausführliche Reiseausschreibung können Sie hier abrufen.
Ahmad al-Khatib war nur einer von vielen, viel zu vielen palästinensischen Kindern, die von israelischen Soldaten auf der Straße erschossen wurden, weil sie mit Steinen warfen, weil sie für Angreifer gehalten wurden, aus Versehen, oder auch ohne jeden Grund. Sein Vater stimmte zu, dass dem 12-Jährigen Organe entnommen wurden, um anderen Kindern das Überleben zu ermöglichen. 'Weil Gott in unserer (islamischen) Religion dies will.' Und er sagte noch dazu: 'Dabei spielt es für Gott keine Rolle, wer der Empfänger ist, egal ob Palästinenser oder Israeli.' Zu den Empfängern von Ahmads Organen gehörten ein drusisches und zwei jüdische Mädchen. Ahmads Vater: 'Mir ist nur wichtig zu sehen, dass sie am Leben bleiben.'
SJW nach Haaretz, 7.11.2005
Als Reaktion auf die Karikaturen-Affäre und die dadurch ausgelöste Protestflut haben der türkische Autor Mustafa Akyol und die ebenfalls muslimische, amerikanische Wissenschaftlerin Zeyno Baran ein Manifest entworfen, das mit entschiedenen Worten aus der islamischen Religion begründete Positionen gegen Gewalt, gegen Antisemitismus, für Demokratie und Meinungsfreiheit formuliert. Sie rufen Muslime, vor allem aus führenden Positionen auf, das Manifest zu unterstützen. Der vollständige Text kann in Englisch und Deutsch über die Internetseite www.thewhitepath.com abgerufen werden.
Im vergangenen Jahr haben sich in der evangelischen Akademie Bad Boll jüdische, christliche und muslimische Theologinnen zur 'Interreligiösen Konferenz Europäischer Theologinnen' (IKETH) zusammengeschlossen. Ziel ist, dem weit verbreiteten Konfrontationskurs zwischen und innerhalb der Religionen einen gleichberechtigten Dialog entgegenzusetzen und dabei der geistlichen, weiblichen Stimme in Europa Gehör zu verschaffen. Auf die Diskriminierung des weiblichen Geschlechts, die sich in allen Religionen ähnelt, will IKETH ein besonderes Augenmerk richten.
SJW nach Welt und Umwelt der Bibel 4/2005
In der ABRAHAMS POST zum Sommerhalbjahr 2004 wurde kurz berichtet von der Eröffnung der christlich-arabisch-israelischen Elias-Universität in Galiläa. Die noch immer kleine, aber bemerkenswerte Einrichtung steht Israelis wie Palästinensern und allen Arabern, gleich welcher Religion oder Nationalität, offen, und will über den akademischen Anspruch hinaus einen wichtigen Beitrag für eine friedlichere Zukunft leisten. Deshalb steht ein Besuch dort auf dem Programm unserer geplanten Reise 'Israel-Palästina' (siehe obigen Beitrag, sowie die Rückseite dieses Heftes).
Gegründet wurde die Hochschule vom griechisch-katholischen Pfarrer Elias Chacour (sprich: Schakûr), einem christlich-arabischen Israeli, der für seinen Jahrzehnte langen, unermüdlichen Einsatz für Verständigung und Aussöhnung schon mehrfach für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde. Nun wurde der 65-jährige von Papst Benedikt und Patriarch Gregorios von Antiochia zum Erzbischof von Galiläa für die griechisch-katholischen Christen in Israel ernannt und ist damit der erste israelische Staatsbürger, der ein Bischofsamt der katholischen Kirche bekleidet. In einer ersten Reaktion richtete er Grußworte an seine 'Brüder und Schwestern, Muslime, Juden, Drusen, und alle im Namen Christi Getauften.'
Literaturtipp: E. Chacour, Und dennoch sind wir Brüder! Frieden für Palästina, Knecht Vlg. Frankfurt/M. 1988, ISBN 378200583X
SJW nach Haaretz, 10.2.2006, und div. Internet-Quellen
Das 4. Heft unserer Zeitschrift BLÄTTER ABRAHAMS - BEITRÄGE ZUM INTERRELIGIÖSEN DIALOG, ist erschienen (siehe die Übersicht hier). Es sammelt sieben Beiträge zu den mannigfaltigen Facetten der interreligiösen Diskussion.
Unsere Reise nach Istanbul lieferte Anregungen, denen Stefan J. Wimmer in zwei Beiträgen, 'Vom Nil zum Bosporus - Ägyptisches in Istanbul' und 'Abrahams Kochtopf und andere Schätze - Zur Reliquiensammlung des Topkapi Saray', nachgeht.
An der religionsgeschichtlichen Grundausrichtung der Gesellschaft setzt Prof. Görg mit seinem Beitrag über 'Abraham und die Philister' an (vgl. dazu auch den Beitrag 'Wir sind Goliat' in diesem Heft).
Die Architektin Rena Wandel-Hoefer stellte uns den Text ihres Festvortrags zur Verfügung, den sie am 6. März 2005 zur Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e.V. zum geistigen Hintergrund der Architektur des neuen Jüdischen Zentrums Jakobsplatz in München gehalten hat.
Den Hauptvortrag im vergangenen Sommerhalbjahr hielt Priv. Doz. Dr. Ulrike Bechmann, aus Bamberg und Bayreuth, zur Problematik einer bisweilen nicht ausreichend reflektierten Berufung auf Abraham im Dialog der Religionen.
Im Gedenken an den Religionsphilosophen Prof. Friedrich Niewöhner, der am 1. November 2005 in Wolfenbüttel verstarb, druckten wir einen seiner zahlreichen Beiträge für die Frankfurter Allgemeine Zeitung nach. Er ist Niewöhners Suche nach dem Verbindenden in der Geschichte der Auseinandersetzung zwischen Judentum und Islam verpflichtet.
Die bewegenden Entwicklungen vom April des Jahres 2005 in Rom schließlich, haben uns dazu angeregt, eine Weihnachtsmeditation von Papst Benedikt XVI. aufzunehmen, die er vor einigen Jahren noch als Kurienkardinal Ratzinger dem jüdischen Erbe der Kirche widmete.
Aus demselben Verlag Katholisches Bibelwerk Stuttgart, in dem auch das Buch von S. J. Wimmer und S. Leimgruber, 'Von Adam bis Muhammad - Bibel und Koran im Vergleich', ISBN 3-460-33175-5, und das Memory-Spiel der Freunde Abrahams 'Weltreligionen entdecken - Judentum, Christentum, Islam', ISBN 3-460-33205-0 erschienen sind, auf die wir an dieser Stelle bereits hingewiesen haben, liegt nun auch eine Plakatserie über die Kalender und Feste der drei Weltreligionen vor:
DER JÜDISCHE FESTKREIS, ISBN 3-460-28048-4
DAS KIRCHENJAHR, ISBN 3-460-28047-6
DAS ISLAMISCHE JAHR, ISBN 3-460-28049-2
Zur kompetenten und anschaulichen Information für den Hausgebrauch, als informativer Wandschmuck besonders für Schulen, Pfarrgemeinden, u.v.a.
Format: jeweils 60 x 80 cm; je 7.90 EUR
Zu bestellen über jede Buchhandlung, z. B. Avicenna, Amalienstr. 91
Wollten Sie schon lange mal ins "Heilige Land", oder waren Sie schon dort,
und es zieht Sie erneut nach Jerusalem, nach Galiläa, an den Jordan und ans Tote Meer?
Dann sollten Sie JETZT die Gelegenheit nutzen!
Wir planen einen Abstecher nach Jordanien, und besuchen –
falls nach aktueller Lage möglich – auch die Palästinenserstädte Nablus und Hebron. Nicht nur für Mitglieder!
Reisepreis: 2.530 EUR – Anmeldeschluss: 30. Juni 2006
Die Ausschreibung mit Anmeldeformular finden Sie hier als pdf-Datei!
War es schon immer Ihr Traum, einmal selbst an einer archäologischen Grabung mitzuwirken, in biblischer Erde?
Wir graben in der Philisterstadt Gat, der Heimat des Goliath, südwestlich von Jerusalem, nicht in besetztem Gebiet. Teilnehmen kann jede/r, ohne Altersgrenzen – Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – für zwei, drei oder auch vier Wochen.
Kostenbeteiligung: ca. 300 EUR pro Woche, inklusive didaktische Einführungen in die Biblische Archäologie, Exkursionen, volle Verpflegung und Unterkunft in einem Kibbutz.