Freunde Abrahams e. V.


ABRAHAMS POST - INFOBLATT DER FREUNDE ABRAHAMS
INFOBLATT DER FREUNDE ABRAHAMS E.V.


SOMMERHALBJAHR 2006     Download Download als pdf-Datei

Inhalt

Editorial
Berichte - Notizen - Tipps
Die "Gute-Nachrichten"-Seite
Publikationen
Reisen
Veranstaltungskalender


EDITORIAL: KAMPF DER RELIGIONEN ?

'Clash of civilizations' - 'Zusammenprall der Kulturen' - 'Kampf der Religionen'. So und ähnlich lauten derzeit programmatische Befürchtungen, deren Nähe zu apokalyptischen Ideen in der Geistesgeschichte nicht zu leugnen ist. Speziell in der maßlosen Reaktion sogenannter islamistischer Aktivitäten auf Veröffentlichung und Verbreitung der 'Mohammed-Karikaturen' vermutet man ein Heraufdämmern einer geradezu endzeitlichen Konfrontation. So mehren sich die Stimmen in unserem Land, die dem aufkeimenden Versuch zu einem intensiveren Dialog zwischen den 'abrahamitischen Religionen' mit Skepsis begegnen oder mehr oder weniger entrüstet widerstehen.

Der so unerwartet heftige Streit um die Freiheit der Meinungsäußerung hier und dem Respekt vor der Würde des Propheten dort ist gewiss nicht nur ein oberflächliches Signal für ein grundsätzliches und tiefliegendes Missverstehen der Denkweisen und Glaubenshaltungen auf der Seite der 'westlichen' und der 'islamischen' Kultur. Gewichtiger erscheint der Vorbehalt, der hierzulande gegenüber Religion und deren Rolle der Öffentlichkeit überhaupt geltend gemacht wird. Religion sei, so meint man weithin, eine Privatangelegenheit des Menschen, die nach Möglichkeit vom politischen Tagesgeschäft zu trennen und fernzuhalten sei. Im Orient dagegen ist Religion höchst unterschiedlicher Färbung seit jeher in der Öffentlichkeit präsent und wirksam. Politik ohne Religion und Religion ohne Politik ist dort undenkbar.

Bei einem Fastenbrechen, das wir mit muslimischen Freunden Ibrahims begingen, beklagte sich bei mir ein junger Moslem, dass er mit seinen deutschen Arbeitskollegen nicht über Gott reden könne. Es scheint an der Zeit zu sein, dass wir uns auf die Entdeckungsreise nach den geistigen und geschichtlichen Wurzeln unseres jeweiligen Andersseins im Reden über den Glauben begeben und uns darüber offener als bisher austauschen, das ursprünglich Gemeinsame ausfindig machen sowie die substanziellen und gewordenen Differenzen ohne Scheu auf den Tisch legen. Dass der interreligiöse Dialog dagegen zu nichts führe, wie kürzlich M. Naumann von der 'Zeit' zu konstatieren meinte, ist in meinen Augen nichts anderes als eine vorläufige oder gar endgültige Bankrotterklärung vor jeglichem Bemühen um Verständigung in dieser zerrissenen Welt und letztlich um Frieden.

Im Namen der Freunde Abrahams

Manfred Görg


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BERICHTE – NOTIZEN


MITGLIEDERVERSAMMLUNG AM 17. JANUAR 2006

Von Andrea M. Gramann

Die vierte ordentliche Mitgliederversammlung der Freunde Abrahams fand auch diesmal in spürbar guter Stimmung und gemeinsamem Geist statt. Prof. Görg trug zu Beginn einige Gedanken zur Standortbestimmung und den Zielen des Vereins vor. Dr. Wimmer berichtete von den Aktivitäten des abgelaufenen Jahres und den Planungen für das kommende. Nach dem Bericht des Schatzmeisters und der Bestellung der Kassenprüfer folgte die Entlastung des Vorstands. Dem schloss sich eine erfreulich rege Diskussion und ein lebhafter Austausch zwischen Mitgliedern und Vorstand an. Dem neuen Programm wird mit Spannung entgegengesehen.

SOFIA -
ODER WIE DIE 'WEISHEIT' EINE FREUNDIN ABRAHAMS WURDE...

Sofia Wimmer - jüngste Freundin Abrahams

Wir freuen uns sehr, Ihnen das nunmehr jüngste Mitglied unserer Gesellschaft vorstellen zu dürfen: Sofia Wimmer, geb. am 17. März 2006.

Für Sofia, die erste Tochter unseres 2. Vorsitzenden Dr. Stefan J. Wimmer und seiner Frau Samaher Wimmer-Dewikat, leitete der stolze Papa - ebenso wie bei den Söhnen - umgehend ihren Beitritt in die Gesellschaft der Freunde Abrahams ein.

Vorstand und Beirat der Freunde Abrahams e.V. freuen sich über den Zuwachs und wünschen Stefan, Samaher, Josef, Adam und Sofia Wimmer alles erdenklich Gute und Gottes Segen!


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WIR KREISEN IN DEINEM TAL - 'Tanzende Derwische' in der Philharmonie

von Manfred Görg

Der Tanz gehört zu den Lebensäußerungen in der islamischen Mystik. Im Enthusiasmus des Berührtseins von Gott verfällt der Ergriffene in kreisende Bewegung, die ihn immer näher in die umgreifende Umhüllung durch den Schöpfer führt. Dies wird als Wiederkehr der Anfänge des Daseins empfunden, das mit einem tanzenden Eintritt in die Welt beginnt, wie dies ein mystisches Tanzlied zur Sprache bringt:

Wir fanden nicht die Wahrheit
Wir treten die Erde im Tanz.
Kann man Tanzen bei mir tadeln,
der von Dir getadelt wandert?
Denn wir kreisen in Deinem Tal,
darum tanzen wir allzumal.

Die Freunde Abrahams konnten am 5. November des letzten Jahres die durchaus seltene Gelegenheit wahrnehmen, eine u. a. vom 'Interkulturellen Dialogzentrum München e. V.' (IDIZEM) vermittelte, sakrale Darbietung der 'Tanzenden Derwische' in der Philharmonie München zu erleben. Die Süddeutsche Zeitung sprach 'von einem Konzert der besonderen Art in der Philharmonie', die zu einem 'mystisch heiligen Ort' geworden sei. Wie ungewohnt es für die Zuschauer gewesen sein mag, nun einmal einem religiösen Ereignis, einem Gottesdienst 'der besonderen Art' bewohnen zu dürfen, war an der augenfälligen Lust zum Griff zur Kamera zu spüren. Da bedurfte es erst eines freundlichen, aber entschiedenen Hinweises auf die Sakralität des Geschehens, deren Störung den sofortigen Abbruch zur Folge gehabt hätte. Nicht nur in diesem kritischen Moment zeigte sich, wie wenig vertraut der Mensch in unseren Breiten mit dem religiösen Innenleben anderer Kulturen ist, ja wie es ihm offensichtlich schwer fällt, fremder Religiosität mit der Reverenz zu begegnen, die man gegenüber der eigenen abverlangt, sofern man sich überhaupt traut, sie nach außen hin zu bekunden.

Nach einer längeren Einstimmung getragen von religiöser Instrumentalmusik und Gesang aus dem Schatz der islamischen Mystik betraten die Tänzer (Mevlevis genannt) der berühmten Schule des Sufi-Begründers Jalaluddin Rumi (1207-1273) aus dem türkischen Konya die Bühne, d.h. besser den symbolischen Raum der Erde vor Allah, um ihr sakrales Bewegungsspiel zu beginnen, wobei uns die Mitwirkung eines jüngeren Tänzers unter den Erfahreneren besonders beeindrucken konnte. Das Ritual des Tanzes (Sama genannt) der Mevlevis ist besetzt mit Zeichen und Gesten, die auf ein hintergründiges Geschehen deuten, nämlich das allmähliche 'Entwerden' des Menschen und eine 'Dauer in Gott', das in einer zunehmenden Ekstase, vielleicht besser 'Instase', vonstatten geht. Die Kleidung der Tänzer dient diesem Prozess: der Hut aus Kamelhaar versinnbildet die Selbstminderung vor Gott als 'Grabstein des Ego', wie der lange weiße Rock das 'Leichentuch des Ego' anzeigen soll, während das Ablegen eines schwarzen Umhangs auf eine Wiedergeburt in und durch Allah deutet. Die Bewegungen selbst bezeugen zu Beginn mit dem Kreuzen der Arme die Zahl Eins zur Betonung der Einheit und Einzigkeit Gottes, beim Drehen selbst mit dem erhobenen rechten Arm den Verweis auf den Himmel und mit dem vom Tänzer angeschauten linken Arm nach unten die Zuwendung Gottes zur Erde. Die kreisende Bewegung von rechts nach links um das Herz drückt schließlich die Umarmung der ganzen Menschheit in Liebe aus.

Welch bezwingende Kraft dem Sufi-Tanz zugeschrieben wird, zeigt eine Episode, die der Mystiker Ruzbihan erzählt hat: 'Ein Mystiker sah eine Gruppe Diebe, die Wein tranken und Tamburin spielten. Er setzte sich zu ihnen und lauschte der Musik, als ob es ein Sama sei. Die Diebe genossen sein Haltung so sehr, dass alle sich bekehrten'. Im Nachhinein empfiehlt es sich, der großartigen Islam-Forscherin Annemarie Schimmel zu diesen und anderen Erinnerungen im Sufitum zu lauschen, vor allem wenn sie den Tanz als Ausdruck der Liebe zu Gott besingt: 'Wo immer der Liebende den Boden mit seinen tanzenden Füßen berührt, sprudelt das Lebenswasser aus dem Dunkel, und wenn der Name des Geliebten erwähnt wird, 'angen selbst die Toten in ihren Leichentüchern zu tanzen an'. Oder: 'Der tanzende Liebende ist höher als die Sphären, denn der Ruf zum Sama kommt vom Himmel; man kann ihn dem Staubkörnchen vergleichen, das um die Sonne kreist und so eine seltsame Einheit erfährt, denn ohne die Gravitationskraft der Sonne könnte es sich nicht bewegen - ebenso wie der Mensch nicht leben kann, ohne um den geistigen Schwerpunkt, um Gott zu kreisen'. (vgl. A. Schimmel, Mystische Dimensionen des Islam. Die Geschichte des Sufismus (Insel-Taschenbuch 1715), Frankfurt-Leipzig 1995, S. 260-264).

Ein herzlicher Dank gilt den Freunden von IDIZEM für ihr besonderes Engagement!


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SCHUWI NAFSCHÍ: KEHR ZURÜCK MEINE SEELE

Zur Aufführung Münchner Synagogenmusik am 07.11.2005 in St. Lukas
von Stefan Jakob Wimmer

In enger zeitlicher Nähe zur Veranstaltung mit den Tanzenden Derwischen (s. o.) war München am 7. November 2005 Schauplatz eines jüdischen Musikereignisses, das die Seele ansprach, sie erhob und zugleich zutiefst erschütterte. 'Vergessene Musik' war der Abend in der evangelischen Lukaskirche an der Isar betitelt. Aufgeführt wurde Synagogenmusik für Kantor, Chor und Orgel. Erst die Bewegung des Liberalen Judentums, im Deutschland des 19. Jahrhunderts, begründete die Tradition instrumentaler Synagogenmusik, die im orthodoxen Gottesdienst seit der Zerstörung des Jerusalemer Tempels nicht vorgesehen ist. Die Schoah bereitete auch dem ein Ende. Jüdisches Leben in München nach dem 2. Weltkrieg ist überwiegend orthodox geprägt, und erst zaghaft formieren sich neu Strömungen, die an den liberalen Traditionen wieder anknüpfen. Dem Freundeskreis zur Unterstützung des liberalen Judentums in München e. V. 'Chaverim' (d. h. hebr. 'Freunde') war es zu verdanken, dass erstmals hier in München Klänge wieder erklangen, die seit über sechzig Jahren verstummt waren. Die ergreifenden Eröffnungsworte von Rabbiner Dr. Henry Brandt brachten die Tiefe der Dimensionen Musik und Ort zur Sprache: Er selbst hatte diese Klänge noch als Kind erlebt, bei den Gottesdiensten in der Hauptsynagoge hinter dem Oberpollinger, behielt sie ein bewegtes Leben lang im Ohr, und hörte sie nun wieder. In einer Kirche. Die - als hätte es ein Schicksal von langer Hand so inszeniert - von demselben Architekten Albert Schmid erbaut wurde, der auch jene Hauptsynagoge errichtet hatte, in ganz ähnlicher, neuromanischer Backsteingestalt. Zum Teil waren die Gesänge von Emanuel Kirschner komponiert, der 47 Jahre lang als Oberkantor Münchens wirkte. Den Abbruch der Hauptsynagoge im Juni 1938 überlebte er um wenige Monate. Musikdirektor und Organist Heinrich Schalit konnte 1940 in die USA fliehen und trug die heimische Musiktradition dort weiter. Aus New York kamen nun die Kantoren Erik Contzius und Bruce Halev nach München, um die 'vergessene Musik' zurückzubringen. Der Abend wird unvergessen bleiben. Danke, Chaverim!


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GOTT WILL ES NICHT!

Zur Mahnwache der Freunde Abrahams für Susanne Osthoff
von Stefan Jakob Wimmer

Das erklärte Anliegen war, ein Zeichen der Betroffenheit zu setzen, in München und für Münchner, über die Tat, über die Verhältnisse im Irak und über den Missbrauch von Religion. Eine Archäologin war entführt worden, die hier aus unserer unmittelbaren Umgebung stammt, und deren Arbeitsbereich sich schneidet mit dem altorientalischen Interessensgebiet der Freunde Abrahams. Eine zweifellos ungewöhnliche und jedenfalls bemerkenswert mutige Frau, die für ihren humanitären Einsatz im Irak im Kriegsjahr 2003 den Tassilo-Preis der Süddeutschen Zeitung erhalten hatte. Doch ging es nicht darum, das Verhalten von Susanne Osthoff zu be- (geschweige denn: zu ver-) urteilen, und es wird dies auch im Nachhinein nie unser Anliegen sein.

Die Mahnwache, die die Freunde Abrahams am 4. Dezember in der Fußgängerzone organisierten, und am 11. Dezember wiederholten, war ein schöner Erfolg - unabhängig von der Freilassung, auf die wir nie einen Einfluss haben konnten. Denn es war uns wichtig, gemeinsam mit muslimischen Mitgliedern und Gästen öffentlich Stellung zu nehmen und wahrgenommen zu werden. Deshalb sind wir dankbar, dass sich unsere Freunde vom Interkulturellen Dialogzentrum (IDIZEM), aber auch der Muslimrat München, der zahlreiche Gruppierungen vertritt, der Mahnwache angeschlossen haben, und Muslime und Musliminnen, mit und ohne Kopftuch, in großer Zahl mit uns gemeisam demonstrierten. Der Muslimrat hatte selbst zu Gebeten aufgerufen, mit einer Formulierung, die hier noch einmal festgehalten werden soll: 'Der Muslimrat München hat seine Mitgliedergemeinden aufgerufen beim Freitagsgebet für Susanne Osthoff und Ihre Familie zu beten. Die Bittgebete von jedem Gläubigen, gleich welcher Religion, sind jetzt für die Entführten und Ihre Angehörigen wichtig. Vergeltsgott!' Es wurden Plakate getragen mit Parolen, teilweise in Arabisch, wie z. B. 'Gemeinsam gegen Terror, für die Freilassung von Susanne Osthoff und ihrem Fahrer', 'Die schlimmsten Feinde der Muslime sind die Terroristen, die sich Muslime nennen', 'Gott will es nicht!' (eine bewusste Anspielung auf die gegenteilige Aussage der Kreuzzüge), oder dem Koranzitat 'Wenn einer einen Menschen unrecht tötet, so ist es, als hätte er die ganze Menschheit getötet.'

Noch am selben Abend berichteten mehrere Fernsehsender über die Mahnwache und am nächsten Tag erschien ein repräsentatives Foto in der Süddeutschen Zeitung auf Seite 2. Und noch zwei Wochen später kommentierte die SZ: 'Muslime trotzen dem Terror', und berief sich darauf, dass im Fall Osthoff besonders viele Muslime engagiert Zeichen gesetzt hätten, während sich gleichzeitig die Mehrheit der Deutschen eher wenig betroffen zeigte. Der Kommentar schließt mit dem Fazit: 'Das hat - bei allen Problemen, die bleiben - die Muslime und die deutsche Mehrheit einander näher gebracht.' Welch schöner Erfolg!

Nachtrag: Anders als im Fall Osthoff, in dem wir uns als Freunde Abrahams aufgrund der geschilderten Bezüge im besonderen angesprochen fühlten, planen wir nicht, bei den neuerlichen und wohl auch für die Zukunft zu befürchtenden Geiselnahmen selbst Aktionen zu organisieren. Wir ermutigen freilich unsere Mitglieder, sich weiterhin an geeigneten Solidaritätskundgebungen zu beteiligen.


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NOCH IST RAUM FÜR EIN GEDICHT

Zur Lesung von Dr. Elisabeth Hafner über Rose Ausländer und ihr lyrisches Werk
von Evelyn Scriba

Raum II Noch ist Raum für ein Gedicht.
Noch ist das Gedicht ein Raum,
wo man atmen kann.

Mit diesem in reim- und versloser Form verfassten und 1976 veröffentlichten Gedicht führte uns Elisabeth Hafner (Wien) in das Leben und Werk der jüdischen Lyrikerin Rose Ausländer (1901 Czernowitz - 1988 Düsseldorf) ein, der dieser Abend, am 8. Februar, gewidmet war. Ihre Lebensumstände als Jüdin im 20. Jh. machen ihr Werk verständlich und zeigen, wie Sprachraum zum Lebensraum werden kann. Bereits ihr Name deutet auf ihr Schicksal hin. Während sie notgedrungen vorwiegend im Ausland lebte, verbrachte sie die schlimmsten Jahre der Judenverfolgung und -vernichtung in Czernowitz. Von dieser Zeit berichtet sie: 'Czernowitz 1941. Nazis besetzten die Stadt, blieben bis zum Frühjahr 1944. Ghetto, Elend, Horror, Todestransport. In jenen Jahren trafen wir Freunde uns zuweilen heimlich, oft unter Lebensgefahr, um Gedichte zu lesen. Der unerträglichen Realität gegenüber gab es zwei Verhaltensweisen: entweder man gab sich der Verzweiflung preis oder man übersiedelte in eine andere Wirklichkeit, die geistige. Wir zum Tode verurteilten Juden waren unsagbar trostbedürftig. Und während wir den Tod erwarteten, wohnten manche von uns in Traumworten. ... Schreiben war Leben, Überleben.'

Die Sprache bot ihr auch im späteren Leben Heimat und Schutz. Darüber, was Dichtung für sie (die etwa 3000 Gedichte verfasst hat) bedeutet, schreibt sie: 'Das Gedicht braucht Weite, Breite, Tiefe, Resonanz. Das Gedicht will sprechen, ansprechen, aussprechen, sich aussprechen. Das Gedicht ist kein Ruheplatz, ist ruhelos. Auch das stillste Gedicht hat eine Stimme und will so reden, dass viele, wenn möglich alle Menschen es hören. Allein gelassen, schläft es ein. Es stirbt nicht; es schläft den Dornröschenschlaf. Jeder, der es liest, wie es sich sucht, wie es aus dem himmlischen Nichts entstanden ist, wer seine wahre Gestalt sieht, wer es liebt, ist der erlösende Prinz, erweckt es. Es wird immer wieder erweckt. Es hat unzählige Leben.'


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WIR SIND GOLIAT!

von Stefan Jakob Wimmer

'Hat Goliat tatsächlich gelebt?', fragte die Münchner tz, während das israelische Boulevardblatt Jediot Achronot verkündete: 'Goliat der Philister gefunden!'. Nein, es war kein übergroßes Skelett, mit Loch in der Stirn, das bei den Grabungen auf dem Tell es-Safi im vergangenen Sommer gefunden wurde. Es war nur eine kleine, unscheinbare Tonscherbe.

Wie die Leser der ABRAHAMS POST inzwischen wissen (Von Philistern früher und heute' Herbst/Winter 2005/06; 'Freunde Abrahams auf den Spuren der Philister' Sommer 2005), wird auf dem Tell südwestlich von Jerusalem, die biblische Philisterstadt Gat ausgegraben, aus der nach 1 Sam der legendäre Riese stammen soll. Die Grabungen dort werden schon seit Jahren von der israelischen Bar-Ilan-Universität organisiert; seit 2005 beteiligen sich daran auch Freunde Abrahams.

Tonscherben zu finden gehört dabei zum täglich Brot; sie kommen Tag für Tag zu Hunderten zum Vorschein, Zigtausende gingen schon durch die Hände der Keramikspezialisten, die sie eine nach der anderen begutachten und nach Material, Form und ggf. Dekoration klassifizieren - eine wenig aufregende Routinearbeit. Bis - es war am 1. August - es plötzlich hieß: 'Steht da nicht was drauf?' Im Grabungsteam glaubten einige zunächst an einen Scherz. Da hätte wohl einer der Volontäre zum Spaß etwas reingekritzelt. Da meine Aufgabe am Projekt den Schwerpunkt Schrift und Sprache' der Philister betrifft, war ich sogleich elektrisiert und verkündete den skeptischen Kollegen, dass es sich ganz klar um kanaanäische Alfabetschrift handelte.

Dann folgte sehr viel Kopfzerbrechen - denn in Kanaanäisch, oder einem anderen Zweig der semitischen Sprachen, ergaben die Buchstaben keinen Sinn. Und genau damit kommen wir ihrem besonderen, wissenschaftlichen Wert auf die Spur. Die Philister sprachen nämlich, als sie im 12. Jahrhundert v. C. an die südlichen Küsten Kanaans kamen, sicher nicht Semitisch. Im Lauf der Zeit übernahmen sie zwar doch die Landessprache, und hinterließen dann auch ein paar mehr Inschriften. Doch ihre Ursprungssprache ist für uns nicht greifbar. Seit langem sucht die Forschung fieberhaft nach entsprechenden Zeugnissen, denn noch immer ist nicht eindeutig geklärt, woher die Philister stammten. Meist wird der ägäische Raum genannt, vielleicht mit Kreta oder Zypern als Stationen am Weg ins 'Gelobte Land'. Möglich wäre auch Kleinasien. Wieder andere denken z. B. an den Balkan bis hinauf zum Donauraum. Ihre Sprache wäre der Schlüssel, um dem rätselhaften Volk auf die Spur zu kommen.

Wenn nun also zwar die Schrift semitisch ist, die Sprache aber nicht, dann liegt der Verdacht sehr nahe, dass es Altphilistisch sein wird, was da steht! Für Wissenschaftler hätte das schon als zumindest kleine Sensation gereicht. Für die Öffentlichkeit wurde sie noch erheblich größer, als nach einigen Monaten des Forschens in Griechisch, Hethitisch und Hurritisch, und praktisch allen bekannten Sprachen des östlichen Mittelmeerraums, herauskam, dass auf unserer Scherbe offenbar die authentisch philistische Form des Namens steht (nämlich ALYT oder ALWT), den die Bibel hebräisch als 'Goliat' wiedergibt (etwa so, wie das griechische NT aus Jeschua 'Jesus' macht). Vergleichbare Namen finden sich auf mykenischen Tontafeln, sodass die These von griechisch-ägäischen Wurzeln der Philister neue Nahrung bekommt.

Auf der ganzen Welt erschienen nun Meldungen wie 'Wissenschaftler finden Beweis für Goliat' (CNN), 'Tonscherbe belegt, dass Goliat real war' (The Star, Südafrika), 'Die Geschichte von David und Goliat ist wahr' (7Days, Vereinigte Arabische Emirate), 'Keramik sagt, Goliat hat existiert' (The Australian), 'Potscherf bewijs dat Goliath heeft bestaan' (Telegraaf, NL). Aber, ist auf 'unserer' Scherbe tatsächlich jener Goliat dokumentiert, von dem die Bibel spricht? Wohl kaum. Die Inschrift belegt, dass der Name in der Zeit und an dem Ort, in der und an dem die Bibel ihren Philisterhelden auftreten lässt, tatsächlich gebräuchlich war. Sie wirft also Licht auf das historische Umfeld, auf das 'Setting' der Erzählung. Darüber, ob seinerzeit wirklich ein schwerbewaffneter Riese von einem cleveren Jugendlichen, der König über Israel werden sollte, im Terebinthental bei Gat mit einer Steinschleuder zur Strecke gebracht wurde, sagt sie nichts aus. Was für die eigentliche 'Glaub-Würdigkeit', im Wortsinn, der Bibel auch keine Rolle spielen sollte. Auch wenn viele sich schwer damit tun, von einem vordergründigen Wörtlichnehmen biblischer Texte loszulassen, so verstellt doch eine solche Einstellung geradezu den Blick auf das Wesentliche. Einer Heiligen Schrift geht es nicht um das Protokollieren dessen, was sich wann und wo genau ereignete, sondern um ungleich gehaltvollere Glaubensaussagen. In diesem Sinn ist die Frage, ob die Bibel Recht hat, an Archäologen falsch gestellt.

Mehr zu Goliat und den Philistern, zum Tell es-Safi, zu den Grabungen und zum Projekt, auf: www.philisterprojekt.info

Und wer will, kann auch diesen Sommer mitkommen, wenn wir vom 9.7. bis 4.8. weitergraben. Freiwillige sind willkommen, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Wer die Fortsetzung der 'Goliat-Inschrift' findet, wird mit Apotheose belohnt!

Über die Grabung berichtet Dr. Wimmer auf Einladung des Collegium Aegyptium e. V. am Donnerstag, 11. Mai 2006, um 19.00 Uhr, im Institut für Ägyptologie der LMU, Meiserstr. 10: 'Wer waren die Philister? Eine Spurensuche in ägyptischen Quellen und in biblischer Erde'


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TERRORISTEN AN DER MACHT - WAS WIRD AUS PALÄSTINA?

von Stefan Jakob Wimmer

Es kam schon unerwartet, nicht wahr? Umfragen bis zum Wahltag hatten doch schlimmstenfalls ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dennoch sicherem Vorsprung für Fatah, vorausgesagt. Und dann dieser überwältigende Wahltriumph von 'Hamas', der nach einigen Kommentatoren sogar die eigenen Funktionäre überrumpelt habe. Hatten nicht erst ein Jahr zuvor dieselben Palästinenser mit ähnlich beeindruckenden Zahlen den konzilianten Mahmud Abbas zum Nachfolger des sperrigen Arafat als ihren Präsidenten gewählt? Und hatte nicht seitdem Israel mit dem Abzug aus dem Gazastreifen scheinbar manifest in Richtung Aussöhnung gesteuert, wie es Premierminister Scharon auch vor der UNO-Vollversammlung in beredten Worten zum Ausdruck gebracht hat?

Die Wahrheit freilich ist, dass die Präsidentschaftswahlen vor einem Jahr von 'Hamas' boykottiert wurden. Dementsprechend gering war damals die Wahlbeteiligung, und von den abgegebenen Stimmen war der Anteil komplett durchgestrichener oder mit wütenden Kommentaren versehener Stimmzettel umso höher. Rechnet man die 67% der gültigen, abgegebenen Stimmen für Abbas auf alle Wahlberechtigten um, so entfielen auf ihn tatsächlich nur rund 40% - etwa ebensoviel, wie auch diesmal an seine Fatah-Partei ging. Wer die Stimmung in den Palästinensergebieten kennt, die jenseits von wohltuend vernünftigen Stellungnahmen der Intellektuellen in westlichen Medien, und der immer noch beeindruckend hoffnungsvollen Visionen der kleinen christlichen Minderheit in Betlehem und Bet Dschallah, brodelt, konnte die überwältigende Zustimmung, ja Begeisterung, für 'Hamas' auf der Straße und in den Herzen schon lange nicht mehr weginterpretieren. Was mich an dem Wahlergebnis wirklich überrascht hat, ist, dass selbst in Nablus, einer Hochburg des Widerstands, nicht alle 6 Sitze an 'Hamas' gingen, sondern 'nur' 5, und 1 immer noch an Fatah.

Nun sind sie also an die Macht gelangt, demokratisch gewählt. Die ewig Gestrigen, denen sechzig Jahre Realität nichts anhaben können, die alle Gerechtigkeit und Menschlichkeit jenseits ihrer eigenen, granitenen Ideologie komplett auszublenden in der Lage sind, die die immer schrecklichere Anhäufung von Unheil über ihrem eigenen Volk mit großem Erfolg als strahlend helle Zukunftsvision verkaufen. Sie werden von der Bevölkerung nicht dafür verantwortlich gemacht, dass sie die Hoffnungen von Oslo mit erklärter Entschlossenheit erfolgreich zerbombt haben, dass sie es waren, die schon vor zehn Jahren in Israel Netanjahu, und vor fünf Jahren Scharon an die Macht gebombt haben. Dass sie mit ihrem Terror das aus den israelischen Vergeltungsaktionen resultierende, unsägliche Leid der eigenen Bevölkerung mitverschulden, und die Unerträglichkeit ihrer alltäglichen Lebensbedingungen.

Freilich darf es dort nicht Terror genannt werden, wenn es Palästinenser - oder überhaupt Muslime - sind, die in Linienbussen, Fußgängerzonen, Cafes, oder auch Synagogen auf der ganzen Welt, gegen die Besatzung Palästinas kämpfen. Denn Terror ist immer das, was die anderen tun; die Amerikaner vor allem und die Zionisten, d. h. die Juden, die schon immer Terroristen waren. So steht es schließlich in den 'Protokollen der Weisen von Zion', auf die sich die Charta der 'Hamas' ausdrücklich beruft (Art. 32), und die in der arabischen Welt zur Allgemeinbildung gehören, während sie von der Islam-feindlichen Zensur des Westens verboten werden ...

Nun heißt das nicht im Umkehrschluss, dass alle Schuld zu Lasten verblendeter Fanatiker unter den Palästinensern ginge. Wer von meiner eigenen Biografie weiß, weiß auch, dass ich nicht dazu neigen kann, die Verbrechen an Palästinensern zu verharmlosen. Der Terror hat Hintergründe, hat Wurzeln in der Nakba, der 'Katastrophe' (wie der Begriff nur unzulänglich übersetzt wird), die seit 1948 das palästinensische Volk zerrüttet, in Jahrzehnte langem Flüchtlingselend, Besatzung, Entrechtung, in alltäglichen Demütigungen und in permanenter Gewalt. Doch die immer öfter zitierte, bequeme Gleichung, die Terroristen der einen wären die Freiheitskämpfer der anderen, führt in die Irre. Es gibt kein Recht auf Terror. Berechtigter Widerstand, oder Freiheitskampf, mag das Motiv bestimmen; die Mittel, mit denen er geführt wird, können friedlich oder gewaltsam sein, und im schlimmsten Fall Terror mit einschließen. 'Hamas' hat alle Mittel für 'heilig' erklärt. 'Hamas' ist ein Akronym, eine Abkürzung, und steht für 'Islamische Widerstandsbewegung', doch für das, was 'Hamas' tut, kann es kein anderes Wort als Terror geben.

'Hamas' ist und bleibt (vorläufig noch?) eine Terrororganisation. 'Hamas' ist aber auch gleichzeitig eine Wohlfahrtsorganisation. Anders als die weitgehend als korrupt und höchst uneffizient empfundene Autonomieregierung, wird 'Hamas' von der Bevölkerung als eine - die einzige! - Organisation wahrgenommen, die sich wirklich um die Menschen bemüht. Anders als die Minister von Fatah, die abgeschirmt in Villen leben und in Limousinen fahren, leben die 'Hamas'-Funktionäre unter und mit den einfachen Menschen und teilen die Nöte und Demütigungen ihres Alltags. Anders als die behördlichen Strukturen, die Bestechungsgelder einfordern, teilt 'Hamas' aus und unterstützt Bedürftige, mit Geld, mit moralischer (eigentlich: ideologischer) Betreuung, mit dem Aufbau eines funktionierenden Sozialwesens. Sicherlich ist es dieses freundliche Gesicht von 'Hamas', auf das die breite Unterstützung in der Bevölkerung in erster Linie gründet. Das Gefühl, dass 'Hamas' auch an der Front 'etwas tut', den Flugzeugen und Panzern des israelischen Goliat die Steinwürfe des eigenen Widerstands entgegenschleudert, kommt dazu.

Den Menschen macht das Wahlergebnis Hoffnung, dass nun die Regierungsstrukturen von ehrlichen und wirklich engagierten Kräften übernommen und umgekrempelt werden. Dass also nun keine weitere Verschlimmerung der Lage zu erwarten sei, sondern im Gegenteil: in erster Linie eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen. Dafür haben sie mit überwältigender Mehrheit gestimmt, nicht dafür, vom Westen nun zur Strafe auch noch boykottiert zu werden. Eigentlich haben die Palästinenser etwas für uns ganz Selbstverständliches getan: sie haben eine Regierung, mit der sie auf der ganzen Linie unzufrieden waren, abgewählt. Eigentlich sollte man ihnen dazu gratulieren! Tatsächlich werden sie dafür in der gesamten arabischen Welt beneidet. Es gibt kein einziges arabisches Land, in dem man nicht genau davon träumte, die eigene Regierung einfach abzuwählen. In Libanon und neuerdings Irak sind Wahlen theoretisch frei, doch bestimmt weitgehend ethnisches und konfessionelles Gruppendenken die Ergebnisse; in Ägypten wären die 'Hamas'-verwandten Muslimbrüder wohl schon längst an der Regierung, wenn die dortigen Wahlen frei wären. Ausgerechnet für die Palästinenser, die sonst immer nur Mitleid ernten und als die bedauernswertesten aller Araber gelten, ist dieser Wunschtraum von demokratischer Selbstbestimmung nun wahr geworden!

Damit ist das Bild des Nahostkonflikts stimmiger, die Situation ehrlicher geworden. Die palästinensische Seite - Präsident Abbas einmal an den Rand gedacht - stellt sich nun auch nach außen so dar, wie sie selbst gesehen werden möchte. Und längerfristig kann es nur gesund sein, dass die bei uns so gern gepflegte und gehegte Illusion zerplatzt ist, wonach sich Menschen quasi automatisch immer nur nach Ausgleich und Versöhnung sehnten und Konflikte nur von bösen Führern geschürt würden.

Es mag zunächst absurd klingen, doch wenn die Gewählten das Wahlergebnis in dem oben geschilderten Sinn verstehen, dann besteht Hoffnung! Hoffnung erstens darauf, dass die Palästinenser endlich wirklich Erleichterungen erleben werden. Hoffnung aber auch darauf, dass dahinter der Kampf gegen Israel zurücktreten wird. Nichts wäre leichter für jede israelische Regierung, als fortgesetzten Terror mit der totalen Blockade und ggf. auch Zerstörung aller palästinensischen Regierungsstrukturen zu beantworten, und 'Hamas' damit jede Möglichkeit zu nehmen, dem Vertrauen der Bevölkerung auch gerecht zu werden. Mehr als an spektakulären 'Widerstandsaktionen', muss 'Hamas' nun in erster Linie an einer Beruhigung der Lage interessiert sein, um das bewirken zu können, was die Wähler vor allem erwarten. Vorläufig wird 'Hamas' ihre Ideologie nicht aufgeben und auch nicht ändern, die vorgibt, aus religiöser Verpflichtung gegen jeden nicht-islam(ist)ischen Staat in Palästina, egal wie groß oder klein, wie aggressiv oder kompromissbereit, kämpfen zu müssen bis zum Endsieg. Doch wäre "Hamas" sehr wohl willens, und hat das auch schon ausgesprochen, den Kampf vorübergehend einzufrieren. Es kommt hinzu, dass die Terrororganisation in der neuen Regierungsrolle gezwungen sein wird, sich über das bisherige Brodeln in der eigenen Ideologie hinaus mit Realitäten auseinanderzusetzen. Mit dem 'zionistischen Gebilde' mag man genauso wenig Verhandlungen führen wollen, wie umgekehrt, doch beruht die Arbeit der Autonomiebehörde auf ganz alltäglichem und ständigem Kontakt und Austausch mit israelischen Strukturen. In der neuen Verantwortung könnte ganz allmählich auch Erkenntnis aufflackern, dass der Staat Israel doch nicht wegzubomben sein wird, dass Juden keine modernen Kreuzfahrer sind, die man irgendwann wieder nach Hause schicken kann, sondern dass die sich ihrerseits selbst einmal zu einer Befreiungsbewegung aufgerafft haben, um eben nach Hause zu kommen. Und dass sie, ob man es nun islamisch oder richtig findet oder nicht, nie wieder gehen werden. Eine zugegeben schwache Hoffnung, und doch: war nicht auch Fatah, im Verbund der PLO, einmal eine Terrororganisation, mit einer Charta, die die Zerstörung des Jüdischen Staates verlangte?


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'ISRAEL - PALÄSTINA' - WAS WIRD AUS UNSERER REISE?

Stattfinden soll sie, unsere Reise 'Israel - Palästina' (der Bindestrich ist Programm)! Der Wahlsieg der 'Hamas' - siehe dazu die obige Analyse - muss weder unsere Motivation, noch die Durchführbarkeit der Reise beeinflussen. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass wir in den Palästinensergebieten eine Atmosphäre des Aufschwungs und der Zuversicht erleben werden, und dass trotz allem die Terrorgefahr in Israel weiter abnehmen wird. Wie sich die Lage wirklich bis Oktober entwickeln wird, wissen wir alle nicht - und deshalb möchten wir davon ausgehen, dass die Reise wie ausgeschrieben stattfinden kann. Erst vor Ort und abhängig von der jeweils geltenden, aktuellen Situation, wird dann entschieden werden können, was zu verantworten ist und was nicht. Dass wir Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes ernst nehmen, und ggf. auch die Reise insgesamt aussetzen würden, versteht sich von selbst.

Sie erleichtern unsere Planungen, wenn Sie sich möglichst früh zur Anmeldung entschließen. Die Mindestteilnehmerzahl (20 Personen) ist noch nicht erreicht. Falls Sie noch zögern, dann beziehen Sie bitte in Ihre Überlegungen mit ein: Garantieren kann niemand, dass nicht doch etwas passiert. Das gilt für unsere Reise, es gilt aber auch für jede andere Reise, und es gilt auch, wenn Sie zuhause bleiben. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass der Tourismus nach Israel in diesem Jahr wieder steil ansteigt. Die Hotels sind bereits gut gebucht, die Reisegruppen beginnen wieder, sich auf die Füße zu treten. Wenn Sie sich nun anmelden, stehen die Chancen gut, dass wir im Oktober guten Gewissens fahren können. Ob wir das im nächsten oder übernächsten Jahr auch noch könnten, steht dagegen in den Sternen ...

ISRAEL - PALÄSTINA: Keine Reise wie jede andere!
7.-21.10.2006, 2.530.- EUR p. P. im DZ
Die ausführliche Reiseausschreibung können Sie hier abrufen.


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DIE 'GUTE-NACHRICHTEN'-SEITE


KEIN AUGE FÜR EIN AUGE

Ahmad al-Khatib war nur einer von vielen, viel zu vielen palästinensischen Kindern, die von israelischen Soldaten auf der Straße erschossen wurden, weil sie mit Steinen warfen, weil sie für Angreifer gehalten wurden, aus Versehen, oder auch ohne jeden Grund. Sein Vater stimmte zu, dass dem 12-Jährigen Organe entnommen wurden, um anderen Kindern das Überleben zu ermöglichen. 'Weil Gott in unserer (islamischen) Religion dies will.' Und er sagte noch dazu: 'Dabei spielt es für Gott keine Rolle, wer der Empfänger ist, egal ob Palästinenser oder Israeli.' Zu den Empfängern von Ahmads Organen gehörten ein drusisches und zwei jüdische Mädchen. Ahmads Vater: 'Mir ist nur wichtig zu sehen, dass sie am Leben bleiben.'

SJW nach Haaretz, 7.11.2005


MUSLIMISCHES MANIFEST

Als Reaktion auf die Karikaturen-Affäre und die dadurch ausgelöste Protestflut haben der türkische Autor Mustafa Akyol und die ebenfalls muslimische, amerikanische Wissenschaftlerin Zeyno Baran ein Manifest entworfen, das mit entschiedenen Worten aus der islamischen Religion begründete Positionen gegen Gewalt, gegen Antisemitismus, für Demokratie und Meinungsfreiheit formuliert. Sie rufen Muslime, vor allem aus führenden Positionen auf, das Manifest zu unterstützen. Der vollständige Text kann in Englisch und Deutsch über die Internetseite www.thewhitepath.com abgerufen werden.


INTERRELIGIÖSE THEOLOGINNEN

Im vergangenen Jahr haben sich in der evangelischen Akademie Bad Boll jüdische, christliche und muslimische Theologinnen zur 'Interreligiösen Konferenz Europäischer Theologinnen' (IKETH) zusammengeschlossen. Ziel ist, dem weit verbreiteten Konfrontationskurs zwischen und innerhalb der Religionen einen gleichberechtigten Dialog entgegenzusetzen und dabei der geistlichen, weiblichen Stimme in Europa Gehör zu verschaffen. Auf die Diskriminierung des weiblichen Geschlechts, die sich in allen Religionen ähnelt, will IKETH ein besonderes Augenmerk richten.

SJW nach Welt und Umwelt der Bibel 4/2005


ARABISCHER FRIEDENSANWALT WIRD ISRAELISCHER BISCHOF

In der ABRAHAMS POST zum Sommerhalbjahr 2004 wurde kurz berichtet von der Eröffnung der christlich-arabisch-israelischen Elias-Universität in Galiläa. Die noch immer kleine, aber bemerkenswerte Einrichtung steht Israelis wie Palästinensern und allen Arabern, gleich welcher Religion oder Nationalität, offen, und will über den akademischen Anspruch hinaus einen wichtigen Beitrag für eine friedlichere Zukunft leisten. Deshalb steht ein Besuch dort auf dem Programm unserer geplanten Reise 'Israel-Palästina' (siehe obigen Beitrag, sowie die Rückseite dieses Heftes).

Gegründet wurde die Hochschule vom griechisch-katholischen Pfarrer Elias Chacour (sprich: Schakûr), einem christlich-arabischen Israeli, der für seinen Jahrzehnte langen, unermüdlichen Einsatz für Verständigung und Aussöhnung schon mehrfach für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde. Nun wurde der 65-jährige von Papst Benedikt und Patriarch Gregorios von Antiochia zum Erzbischof von Galiläa für die griechisch-katholischen Christen in Israel ernannt und ist damit der erste israelische Staatsbürger, der ein Bischofsamt der katholischen Kirche bekleidet. In einer ersten Reaktion richtete er Grußworte an seine 'Brüder und Schwestern, Muslime, Juden, Drusen, und alle im Namen Christi Getauften.'

Literaturtipp: E. Chacour, Und dennoch sind wir Brüder! Frieden für Palästina, Knecht Vlg. Frankfurt/M. 1988, ISBN 378200583X

SJW nach Haaretz, 10.2.2006, und div. Internet-Quellen


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PUBLIKATIONEN


BLÄTTER ABRAHAMS - HEFT 4

Das 4. Heft unserer Zeitschrift BLÄTTER ABRAHAMS - BEITRÄGE ZUM INTERRELIGIÖSEN DIALOG, ist erschienen (siehe die Übersicht hier). Es sammelt sieben Beiträge zu den mannigfaltigen Facetten der interreligiösen Diskussion.

Unsere Reise nach Istanbul lieferte Anregungen, denen Stefan J. Wimmer in zwei Beiträgen, 'Vom Nil zum Bosporus - Ägyptisches in Istanbul' und 'Abrahams Kochtopf und andere Schätze - Zur Reliquiensammlung des Topkapi Saray', nachgeht.

An der religionsgeschichtlichen Grundausrichtung der Gesellschaft setzt Prof. Görg mit seinem Beitrag über 'Abraham und die Philister' an (vgl. dazu auch den Beitrag 'Wir sind Goliat' in diesem Heft).

Die Architektin Rena Wandel-Hoefer stellte uns den Text ihres Festvortrags zur Verfügung, den sie am 6. März 2005 zur Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e.V. zum geistigen Hintergrund der Architektur des neuen Jüdischen Zentrums Jakobsplatz in München gehalten hat.

Den Hauptvortrag im vergangenen Sommerhalbjahr hielt Priv. Doz. Dr. Ulrike Bechmann, aus Bamberg und Bayreuth, zur Problematik einer bisweilen nicht ausreichend reflektierten Berufung auf Abraham im Dialog der Religionen.

Im Gedenken an den Religionsphilosophen Prof. Friedrich Niewöhner, der am 1. November 2005 in Wolfenbüttel verstarb, druckten wir einen seiner zahlreichen Beiträge für die Frankfurter Allgemeine Zeitung nach. Er ist Niewöhners Suche nach dem Verbindenden in der Geschichte der Auseinandersetzung zwischen Judentum und Islam verpflichtet.

Die bewegenden Entwicklungen vom April des Jahres 2005 in Rom schließlich, haben uns dazu angeregt, eine Weihnachtsmeditation von Papst Benedikt XVI. aufzunehmen, die er vor einigen Jahren noch als Kurienkardinal Ratzinger dem jüdischen Erbe der Kirche widmete.


PUBLIKATIONEN IM BIBELWERK

Aus demselben Verlag Katholisches Bibelwerk Stuttgart, in dem auch das Buch von S. J. Wimmer und S. Leimgruber, 'Von Adam bis Muhammad - Bibel und Koran im Vergleich', ISBN 3-460-33175-5, und das Memory-Spiel der Freunde Abrahams 'Weltreligionen entdecken - Judentum, Christentum, Islam', ISBN 3-460-33205-0 erschienen sind, auf die wir an dieser Stelle bereits hingewiesen haben, liegt nun auch eine Plakatserie über die Kalender und Feste der drei Weltreligionen vor:

DER JÜDISCHE FESTKREIS, ISBN 3-460-28048-4
DAS KIRCHENJAHR, ISBN 3-460-28047-6
DAS ISLAMISCHE JAHR, ISBN 3-460-28049-2

Zur kompetenten und anschaulichen Information für den Hausgebrauch, als informativer Wandschmuck besonders für Schulen, Pfarrgemeinden, u.v.a.
Format: jeweils 60 x 80 cm; je 7.90 EUR
Zu bestellen über jede Buchhandlung, z. B. Avicenna, Amalienstr. 91


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REISEN


ISRAEL - PALÄSTINA

Reise vom 7. bis 21. Oktober 2006: Keine Reise wie jede andere!

Wollten Sie schon lange mal ins "Heilige Land", oder waren Sie schon dort, und es zieht Sie erneut nach Jerusalem, nach Galiläa, an den Jordan und ans Tote Meer?
Dann sollten Sie JETZT die Gelegenheit nutzen!
Wir planen einen Abstecher nach Jordanien, und besuchen – falls nach aktueller Lage möglich – auch die Palästinenserstädte Nablus und Hebron. Nicht nur für Mitglieder!

Reisepreis: 2.530 EUR – Anmeldeschluss: 30. Juni 2006

Die Ausschreibung mit Anmeldeformular finden Sie hier als pdf-Datei!


AUF DEN SPUREN DER PHILISTER

War es schon immer Ihr Traum, einmal selbst an einer archäologischen Grabung mitzuwirken, in biblischer Erde?

Ausgrabungen in Israel vom 9. Juli bis 4. August 2006

Wir graben in der Philisterstadt Gat, der Heimat des Goliath, südwestlich von Jerusalem, nicht in besetztem Gebiet. Teilnehmen kann jede/r, ohne Altersgrenzen – Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – für zwei, drei oder auch vier Wochen.
Kostenbeteiligung: ca. 300 EUR pro Woche, inklusive didaktische Einführungen in die Biblische Archäologie, Exkursionen, volle Verpflegung und Unterkunft in einem Kibbutz.


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