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SOLLTE KATHOLISCHEN THEOLOGIE- PROFESSOREN DAS TRAGEN VON KOPFTÜCHERN VERBOTEN WERDEN ? |
Von Georg Gafus
Das Tragen von Kopftüchern in Schulen ist seit Monaten eines der am stärksten kontrovers diskutierten Themen. Bundespräsident Rau und Papst Johannes Paul II. plädieren für Gelassenheit und Toleranz gegenüber diesem Kleidungsstück, andere sehen darin wiederum das Markenzeichen für religiösen und politischen Fundamentalismus.
Bedenklich scheint mir, wenn einzelne das Tuch auf dem Kopf einer christlichen Ordensfrau als etwas gänzlich anderes als das Tuch auf dem Kopf einer muslimischen Lehrerin oder Hausfrau einstufen und damit das eine zulassen, das andere verbieten wollen – möglicherweise noch mit dem Hinweis auf das sogenannte christliche Erbe Europas.
Lesenswert ist hier der Leitartikel von Ulrich Ruh im aktuellen Heft der Herder-Korrespondenz (Februar 2004). Er weist darauf hin, dass 'christliche Prägung' oder 'christliches Erbe' ziemlich vage Begriffe seien, unter die sich Unterschiedliches subsumieren lasse: 'Der eine denkt dabei an eine bayerische Voralpenlandschaft mit Barockkirchen, Kapellen und Wegkreuzen, der andere an Gregorianischen Choral oder Bachkantaten. Für manchen Zeitgenossen geht es um die Erinnerung an die eigenen Kindheit mit Krippenspiel und Konfirmationsspruch oder um die weiter zurückliegende Familientradition. Christentum kann eine Chiffre sein für eine unspektakuläre Anständigkeit ohne viel religiös-kirchliches Beiwerk, aber auch für ein weltanschauliches Konglomerat, in dem sich Bibelsprüche mit Alltagsweisheiten und Versatzstücken des modernen wissenschaftlichen Weltbilds verbinden. Dementsprechend muss sich auch niemand genauer festlegen, der das christliche Erbe Europas verteidigt oder seine Sorge um das christliche Fundament unseres Zusammenlebens zu Protokoll gibt.' (Seite 56)
Auch
die verbreitete Rede von der 'jüdisch-christlichen Tradition' problematisiert
der Autor: 'Jedem, der die beiden Adjektive einfach so zusammenspannt, müsste
angesichts der Jahrhunderte christlicher Judenfeindschaft, von Diskriminierung
und Verfolgung, eigentlich das Wort im Hals stecken bleiben.' Trotz gemeinsamer
Wurzeln und gemeinsamen Engagements für den demokratischen Rechtsstaat und die
Religionsfreiheit gehe es nicht an, historische und theologische Probleme durch
einen Bindestrich zusammenzukleistern.
Während Judentum und Christentum in Deutschland jedoch staatskirchenrechtlich integriert sind, gilt dies (noch) nicht für den Islam. Obwohl er hier und in anderen Ländern Westeuropas längst die zweitgrößte Religionsgemeinschaft stellt, gelten Muslime immer noch als religiös und kulturell fremdes Element, man kannte sie 'lange Zeit eher aus nahöstlichen Urlaubsländern oder aus Opern von Mozart und Rossini'.
Sie werden zur Herausforderung für alle, die 'Religion' immer noch mit dem Christentum identifizieren, auch wenn sie dieses nur sehr bruchstückhaft kennen und sich ihre 'ausdrückliche religiöse Praxis auf den Gottesdienst an Weihnachten, zur Konfirmation oder zur Erstkommunion beschränkt. Manche Zeitgenossen werden offensichtlich erst wieder zu überzeugten Christen, wenn in ihrer Nachbarschaft eine Moschee gebaut werden soll.' Zur Herausforderung werden äußerlich erkennbare Muslime aber auch für jene, die 'möglichst wenig mit gelebter Religion konfrontiert werden möchten und dementsprechend jeder öffentlichen Präsenz religiöser Symbole ablehnend gegenüberstehen.' (Ebd.)
Ruh kommt zu dem Fazit: 'Beide Gruppen müssen sich daran gewöhnen, mit den Muslimen als Teil der religiösen Wirklichkeit in Deutschland zu leben. Dabei geht es nicht um naive Träumereien von einer multikulturellen Gesellschaft, sondern um die schlichte Konsequenz aus dem Grundwert und Grundrecht Religionsfreiheit. Im demokratischen Rechtsstaat gibt es grundsätzlich keine Religionsfreiheit erster und zweiter Klasse, keine Aufteilung in privilegierte und nur geduldete Religionsgemeinschaften.' (Ebd.) Oder mit den Worten des Erzbischofs von Paris, Kardinal Jean-Marie Lustiger jüngst zum französischen Streit um religiöse Symbole und laizistischen Staat: 'Die Freiheit des Islam ist genauso kostbar wie die Freiheit des Katholizismus, des Protestantismus oder des Judentums.'
Das Plädoyer von Ruh ist eindeutig: 'Die Kirchen, die mit vollem Recht immer wieder Diskriminierungen von Christen in muslimischen Ländern anprangern und die volle Verwirklichung der Religionsfreiheit dort fordern, müssen deshalb hierzulande und anderswo im christlich-nachristlichen Europa auch Anwälte der Religionsfreiheit für Muslime mit den entsprechenden Konsequenzen für den öffentlichen Raum sein: Religionsfreiheit ist unteilbar, auch wenn ihre konkrete rechtliche Umsetzung mit Schwierigkeiten und Übergangsproblemen verbunden ist.' (Seite 57).
Bundespräsident Rau und Papst Johannes Paul dürfen sich mit diesem Leitartikel bestätigt sehen. Anderen PolitikerInnen jeglicher Couleur und den Bischöfen ist er zur Orientierung dringend empfohlen.
Von Stefan J. Wimmer
Dem Geschichts-beladenen und Symbol-geladenen Datum '9. November' ist für die Stadt München eine weitere Qualität von historischer Tragweite hinzugefügt worden. Mit der Grundsteinlegung zum Jüdischen Zentrum Jakobsplatz wurde ein Meilenstein für die Zukunft jüdischen Lebens gesetzt. Von einschlägiger Seite im Vorfeld geschmiedeten Terrorplänen wurden eindrucksvolle Zeichen der Zusammengehörigkeit von Münchnerinnen und Münchnern aller Religionen entgegengehalten. Auch die Freunde Abrahams beteiligten sich mit einer eigenen Solidaritätsadresse an die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, unmittelbar bei Bekanntwerden der Konspiration gegen den Frieden unserer Stadt. Wir wollten mit der sofortigen Reaktion ein Zeichen setzen, und verbanden dies mit einer Geldspende, als kleinen, symbolischen Beitrag zur Entstehung von Münchens neuer Hauptsynagoge. Prof. Görg als 1. Vorsitzender war dann auch unter den Ehrengästen zur Feier der Grundsteinlegung geladen.
Genau zehn Jahre ist es her, dass ich selbst zum ersten Mal von den damals unverhofften Planungen erfuhr, den St. Jakobsplatz, der so lange vernachlässigt mitten in zentralster Lage ein städtebauliches Mauerblümchendasein fristen musste, als Lösung bei der Bauplatzsuche für eine neue Hauptsynagoge ins Gespräch zu bringen. Auf eine entsprechende erste Meldung (in der Landshuter Zeitung vom 29.01.1994) hatte mich Richard Grimm aufmerksam gemacht, der in eigener Initiative damals das Jüdische Museum München betrieb, in einer kleinen Wohnung in der Maximilianstraße. Dass nun – endlich! – die Landeshauptstadt zu ihrer Verantwortung steht und dem Ensemble am Jakobsplatz auch ein Jüdisches Museum hinzufügen wird, wird in erster Linie ihm und seinem ganzen Einsatz über viele Jahre hin zu danken sein. Ich veranstaltete Stadtführungen zur jüdischen Geschichte Münchens und gewann der Idee aus historischem Blickwinkel von Anfang an eine ganz besondere Qualität ab. Wir beide konnten uns damals kaum vorstellen, dass die Meldung im Lauf der Zeit immer realistischere Züge annehmen würde und durch alle Verzögerungen und Widerstände hindurch, dank auch des besonders engagierten Einsatzes von OB Ude, schließlich in den 9. November 2003 münden würde.
Es ist dies in der Tat ein glücklicher Gedanke, wird dadurch doch nicht nur ein historisch bedeutsamer Bereich der Münchner Altstadt wieder aufgewertet, sondern jüdisches Leben tritt nun wieder dort in Erscheinung, wo es hingehört: mitten in der Stadt.
Im frühen 19. Jahrhundert musste Münchens erste Synagoge der Neuzeit noch ganz am damaligen Stadtrand erbaut werden (in der heutigen Westenriederstraße). Sie wurde in den 1880er Jahren ersetzt durch den repräsentativen Neubau nahe dem Lenbachplatz, der in zahlreichen Postkartenansichten ein Ensemble konstituierte, zusammen mit auf der einen Seite den Türmen der Frauenkirche, deren Backsteinoptik er bewusst angeglichen war, und dem Künstlerhaus auf der anderen. Seitdem die Nazis ihren Kahlschlag durch Deutschland und darüber hinaus mit dem Abriss dieser Synagoge im Juni 1938 begannen, klafft dort eine Lücke im Stadtbild. Die Wiese hinter dem 1969 aufgestellten Gedenkstein soll nun allerdings wieder zugebaut werden; mit der Nutzung des Grundstücks kann ein Teil der Kosten für das Jakobsplatz-Projekt abgedeckt werden. Dem Vorschlag, die Synagoge am alten Standort wieder aufzubauen, stand schon lange nicht nur die Tiefgarage von Karstadt im Wege. Die Lücken jener 'tausend Jahre' sind nicht wieder auffüllbar, am allerwenigsten in der Geburts- und Hauptstadt jener 'Bewegung'. Sie (baulich) zu kitten, wäre historisch unaufrichtig und moralisch falsch.
Vorgeschlagen wurde erst vor wenigen Jahren auch die Neue Messestadt in Riem als Standort für eine neue Hauptsynagoge. Dann wäre Münchner Judentum im 21. Jahrhundert wieder da gelandet, wo es vor 200 Jahren schon hinverbannt worden war, in die Peripherie. Den Muslimen Münchens übrigens ist es so ergangen; ihre erste Moschee wurde von der werdenden Olympiastadt Ende der 1960er / Anfang der 1970er Jahre ganz an den Stadtrand gepflanzt.
Auch so gesehen ist der Jakobsplatz also ein Neuanfang, ein guter neuer Anfang. Mit dem Namen, den die neue Synagoge tragen soll, Ohel Jakov, 'Zelt Jakobs', wird eine Brücke zum neuen Standort, aber gleichzeitig auch zur Geschichte von Juden in München geschlagen. Ohel Jakov hieß eine kleine Synagoge im Lehel, in der Herzog-Rudolf-Straße. Sie bildete, zusammen mit einer angegliederten Schule, das Zentrum der streng orthodoxen Richtung innerhalb der Kultusgemeinde. Die große Hauptsynagoge am Lenbachplatz war, wie die überwiegende Mehrheit der Münchner Juden, liberal ausgerichtet.
Neu anfangen musste jüdisches Leben dann nach der Schoah, mit Hilfe von Überlebenden aus Osteuropa. Auch heute setzt sich die jüdische Gemeinde ganz überwiegend aus Einwanderern und ihren Nachkommen zusammen, und ist daher orthodox geprägt. Heute ist die liberale Strömung im Judentum erst allmählich wieder dabei, in ihrer Heimat Fuß zu fassen und bildet seit ein paar Jahren eine eigene kleine Gemeinde, die sich Beth Shalom, 'Haus des Friedens', nennt. Ihre Mitglieder bezogen, von Medien und Öffentlichkeit kaum beachtet, vor kurzem erstmals wieder eine eigene, kleine Synagoge in München – in derselben Woche, in der der Grundstein für das neue Ohel Jakov gelegt wurde.
Möge auch dies ein Haus des Friedens werden!
SZ vom 21.10.03
Am 21. Oktober vergangenen Jahres öffneten sich die Tore der neu gegründeten Mar ('Prophet')-Elias-Universität in Ibillin in Galiläa für Palästinenser aus der Westbank sowie vom Gaza-Streifen, für Studenten aus Israel, für Christen, Juden und Moslems. Bald wird sie auch Anlaufpunkt für Studenten aus Jordanien, Ägypten und anderen Staaten des Mittleren Ostens sein. Der Weg bis hierhin war lang: die Universität entwickelte sich aus einer High School heraus, an die im Jahr 1965 der Gründer der nun neugeschaffenen Hochschule, der aus einer christlichen Palästinenserfamilie stammende Elias Chacour, berufen wurde. Diese High School entwickelte sich schnell und so stieg der Bedarf an Lehrkräften. Da es in den Neunzigerjahren aber nur Ausbildungsmöglichkeiten für Juden, nicht aber für Araber gab, gründete man 1994 das Mar-Elias-Ausbildungszentrum, in dem heute 1200 israelische Araber zu Lehrern ausgebildet werden. Langsam entwickelte sich der Gedanke, auch eine Universität zu schaffen. Unterstützung zum Aufbau einer pluralistisch-multireligiösen Hochschule bot die Universität von Indianapolis an. Mit ihrem Empfehlungsschreiben wandte man sich an das israelische Ministerium. Es sollte jedoch noch weitere drei Jahre dauern, bis nun die erste christlich-arabisch-israelische Hochschule eröffnet werden konnte, an der besonders auch Frauen willkommen sind.
SZ vom 05.02.04
'Mitglieder einer gemeinsamen israelisch-palästinensischen Expedition in die Antarktis haben nach ihrer Rückkehr am Dienstag zum Frieden zwischen ihren beiden Völkern aufgerufen. Die gemeinsam bestandene Probe zeige, dass beide Seiten 'sich an einen Tisch setzen und sprechen' können, zitierte die Zeitung La Segunda den palästinensischen Teilnehmer Ziad Darwish. Die je vier Palästinenser und Israelis waren am 1. Januar von Südchile aus in die Antarktis aufgebrochen. Dort bezwangen sie einen noch nie von Menschen erklommenen Berg und tauften ihn 'Freundschaft'.'
Publik-Forum Nr. 3, 2004
'Der interreligiöse Dialog muss von unten wachsen, vor Ort, in den Dörfern und Städten, dort wo sich Muslime und Christen tatsächlich begegnen.' Aus dieser Einsicht heraus engagiert sich die evangelische Pfarrerin Susanne Lenz seit über 10 Jahren in ihrer Gemeinde Dietzenbach, einer 'Schlafstadt' von Frankfurt, für Begegnungen und Gespräche. Sie übernimmt demnächst in ihrem Dekanat eine Teilstelle als Beauftragte für den interreligiösen Dialog. Auf die aktuelle Diskussion bezogen: ihr geht es weniger um das Kopftuch, als vielmehr um den Menschen unter dem Kopftuch.'
Die Gesellschaft hat sich zur Aufgabe gesetzt die interreligiöse Verständigung, insbesondere zwischen den großen monotheistischen Religionen des Judentums, des Christentums und des Islam, auf wissenschaftlicher Basis zu fördern.
UNSER EMBLEM![]() |
Das Emblem bildet einen aus Palästina stammenden, bronzezeitlichen (2. Jt. v. Chr.) Skarabäus ab, der aus dem Alten Ägypten entlehnte Schöpfungssymbole trägt, wie den Käfer, der die Sonne vor sich her rollt, die Lotospflanzen sowie zwei Schutzschlangen. Es soll die Überzeugung bekunden, dass Gott als Schöpfer allen Lebens auch der Garant für lebendige Begegnung ist. |
Die Vorträge der Freunde Abrahams e. V. stehen Mitgliedern wie Gästen offen, wobei wir letztere um einen Unkostenbeitrag in Form einer kleinen Spende ersuchen. Einige Veranstaltungen sind den Mitgliedern vorbehalten; hierfür bitten wir um Verständnis.
Informationen zum Verein finden Sie auf unserem Faltblatt, das Sie über die Kontaktadresse oder per e-mail anfordern können sowie auf unserer homepage. Dieser entnehmen Sie bitte auch evtl. notwendige kurzfristige Programmänderungen oder -ergänzungen.
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Freunde Abrahams e.V.
c/o Prof. Dr. Dr. Manfred Görg • Jenaer Straße 4 • 80992 München
Andrea M. Gramann
Herder, Freiburg i.Br. (2004), ISBN 3-451-28316-6
'Wer verstehen will, muss Unterschiede kennen.' Joachim Gnilka, emeritierter Professor für neutestamentliche Exegese an der LMU, analysiert Verbindendes und Trennendes im Menschen- und Gottesbild, bei Muhammad und Jesus, und bezieht dabei auch den historischen Hintergrund gegenseitiger Wahrnehmung mit ein. Damit möchte er eine sachgerechte, statt von Vermutungen und Illusionen geprägte Auseinandersetzung fördern.
Kösel, München (2004), ISBN 3-466-36647-X
Dieses Buch ist mehr als eine Einführung in den Islam: Es wagt erstmals einen konkreten Vergleich und eine - die gesellschaftlichen und geschichtlichen Kontexte berücksichtigende - Gegenüberstellung von Christentum und Islam, so zum Beispiel zu den Fragen von Menschenbild und Schriftauslegung, zu ethischen Grundwerten und rechtlichen Konfliktfeldern. Sachlich fundiert und doch verständlich will das Buch Lernprozesse anstoßen, Hilfestellungen geben und zu einem offenen Dialog ermutigen und befähigen.
Könemann, Bonn (2001), ISBN 3-8290-2633-1
Ein kleiner, feiner Reiseführer auf hohem Niveau, der gut bebildert und mit vertiefenden Beiträgen zu ausgewählten Themen ausgestattet ist. Ein wirklich schönes kleines Buch, an dem nicht nur Ägyptenreisende Freude haben und dessen Preis-Leistungsverhältnis hervorragend ist. Restexemplare z.Zt. im Modernen Antiquariat für ca. 10 € erhältlich (z. B. bei Jokers restsellers im Rosental).