INFOBLATT DER FREUNDE ABRAHAMS E.V.
Inhalt
Editorial
Berichte - Notizen - Tipps
Buchtipp
Solidarität mit der Penzberger Moschee und Imam Idriz - ein Aufruf
Veranstaltungskalender
EDITORIAL:
'OPFERUNG ABRAHAMS' ?
Die Diskussion um die Rolle Abrahams als des 'Vaters des Glaubens'
in den drei Religionen Judentum, Christentum und Islam gerät derzeit in eine gewisse Krise,
da dieser Gestalt in jüngster Zeit weniger Integrationskraft zugetraut wird,
als es früher selbstverständlich schien. Es werden sogar Modelle erwogen, den Bezug auf Abraham
gänzlich fallen zu lassen, um dafür anderen, vor allem nicht-religiösen Initiativen zur Kooperation
den Vorzug zu geben. 'Abraham' so heißt es dazu, werde in den drei 'abrahamitischen'
Religionen höchst unterschiedlich verstanden und bilde keineswegs eine gleichermaßen positionierte
und charakterisierbare Figur, über die sich ein fruchtbarer Dialog zum wechselseitigen Verstehen entfalten könnte.
Wenn hier trotzdem der Verpflichtung zu einem Rückbezug auf
'Abraham' das Wort geredet werden soll, wird keineswegs übersehen, dass 'Abraham' auch eine Skandalfigur ist.
Hat er nicht etwa durch sein Verhalten gegenüber seinen Frauen Sara und Hagar Ärgernis gegeben,
wie es die 'Preisgabegeschichten' demonstrieren? Hat er nicht durch seine Bereitschaft, seinen Sohn Isaak zu opfern,
immer wieder Anstoß erregt?
Richtig ist auch, dass sich Abraham in den drei Religionen von der
jeweiligen Zentralgestalt abhebt: im Judentum von Mose, im Christentum von Jesus, im Islam von Muhammed.
Genügt das, um sich von ihm zu distanzieren? Sollte er darum aus dem Blickfeld bleiben?
Ich möchte mich strikt gegen solches Ansinnen wehren.
Abraham bleibt für mich der Prototyp des Menschen, der auf den Anruf Gottes gehen und sehen darf,
der in seinem Glauben, d. h. dem 'Sicht-Festmachen' in Gott auf das äußerste gefordert ist,
da er nicht nur seine Vergangenheit hinter sich lassen muss (Gen 12,1), sondern auch seine Zukunft in Gestalt des
Isaak überantworten soll (Gen 22,1). Wer würde da nicht scheitern?
Vor einiger Zeit hatte ich einen Vortragsabend zu Abraham,
zu dem u. a. auch etwa 12 muslimische Frauen kamen, sämtlich mit Kopftuch.
Ich habe nirgendwo sonst ein ähnliches Engagement zu einem kritischen Gespräch und eine Begeisterung für
Abraham vorgefunden, so dass ich mich energisch dafür einsetzen möchte, den 'Vater des Glaubens' nicht auf
dem Tisch vorgefasster Antipathien zu 'opfern', sondern seine Vision zu teilen und für sie zu werben,
auch wenn die Hindernisse unüberwindbar scheinen.
Manfred Görg
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ABRAHAMS TREFF
Abraham muss ein geselliger Mensch gewesen sein – seine Gastfreundschaft zumindest
zeichnet ihn bekanntlich aus. So ist verständlich, dass auch seine Freundinnen und Freunde gern Gelegenheiten zum Beisammensein
finden, auch über das akademische Programm hinaus. Das jedenfalls wurde immer wieder an uns herangetragen,
und so haben wir auf der letzten Mitgliederversammlung ein neues Angebot in Aussicht gestellt –
und dann auch gleich bei 'Mario' erstmals realisiert: Unter dem Motto 'ABRAHAMS TREFF' möchten wir
uns gern in lockeren Abständen in gemütlichem Rahmen zusammensetzen, zu je nach Wunsch Essen, Trinken und Gesprächen.
Um das Programm nicht mit zusätzlichen Terminen zu belasten,
soll ABRAHAMS TREFF jeweils im Anschluss an manche Vorträge oder Führungen angeboten werden.
Im Programm weist Sie das Zeichen des Mannes mit der Hand am Mund, das für 'Essen, Trinken, Reden' steht,
darauf hin, dass nach der betreffenden Veranstaltung die Gelegenheit geboten wird, gemeinsam noch ein nahe
gelegenes Lokal aufzusuchen. Abraham und wir freuen uns auf Sie!
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KAIN, WO IST DEIN BRUDER?
Eine gemeinsame Stellungnahme der Freunde Abrahams e. V.
und des Interkulturellen Dialogzentrums München IDIZEM e. V.
Der grauenhafte Mord an drei Christen in der ostanatolischen Stadt
Malatya im April diesen Jahres betrifft und erschüttert uns alle.
Wir wollen nicht schweigen, wenn Menschen aufgrund ihres
Glaubens Opfer von Gewalt werden, wo auch immer und unter welchen Vorwänden auch immer dies geschieht.
Dass Religion - sei es Judentum, Christentum oder Islam - Terror und Mord dulden oder gar befehlen würde,
ist unvorstellbar. Die Täter und ihre Sympathisanten müssen sich fragen, vor welchem Gott sie ihr Tun verantworten wollen.
Dass der Eine und Einzige Gott Abrahams, Jesu und Muhammads, der die Barmherzigkeit ist, es nicht sein kann,
ist offenbar, seit Kain seinen Bruder Abel tötete.
Über die Grenzen von Nationen und Religionen hinweg,
rufen wir Regierungen und Bürger in ihrer Verantwortung vor Gott und den Menschen auf,
verstärkt an einem Klima zu arbeiten, das die uneingeschränkte Freiheit der Religionen garantiert,
weil jeder Glaube verfehlt ist, der auf der Benachteiligung anderer fußt.
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NYMPHENBURGER GESPRÄCHE
Eine neue, gemeinsame Initiative dialogorientierter Gruppen und
Einzelpersonen wird im Herbst mit einer ersten Staffel von NYMPHENBURGER GESPRÄCHEN anspruchsvolle Vortragsreihen
zu interkulturellen und interreligiösen Themen anbieten. Zur Thematik 'Der Fremde als Herausforderung -
Chancen und Risiken' werden am 13.11., 27.11. und 12.12. hochkarätige Referenten in Räumen der Schweisfurth-Stiftung
(Schlossrondell Nymphenburg) Stellung beziehen; s.a. VERANSTALTUNGEN.
Ziel der Initiative ist es, das gedeihliche Zusammenleben
von Angehörigen unterschiedlicher Kulturen, Religionen und Ethnien zu fördern und das Bewusstsein der gemeinsamen Werte
unserer Gesellschaft zu stärken. Zum Organisationskomitee gehören Dr. Stefan J. Wimmer (Freunde Abrahams e.V.),
Ralph Deja (Pax Christi), Jutta Höcht-Stöhr (Evangelische Stadtakademie), Dr. Klaus-Josef Notz (ehem. MVHS),
Prof. Stephan Leimgruber (Ls. Religionspädagogik LMU) und Isa Güzel, Bayram Türksezer, Mehmed Celik (IDIZEM).
Die NYMPHENBURGER GESPRÄCHE stehen unter der Schirmherrschaft SKH Herzog Franz von Bayern.
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'WER BRAUCHT EINE MOSCHEE AM GOTZIGER PLATZ?'
von Brigitte Hutt
... war das Flugblatt überschrieben, mit dem alles begann, zumindest für die an diesem Münchner Platz beheimatete katholische Kirche St. Korbinian. Schnell waren Gemeindemitarbeiter, Diözesanvertreter und Mitglieder des türkischen Moscheevereins ditim (organisiert im türkisch muslimischen Dachverband DITIB) zu einem Gespräch geladen, und ebenso schnell bildete sich eine Gruppe von Anwohnern des Gotzinger Platzes, um Unterschriften gegen die Moscheebaupläne zu sammeln.
Was war geschehen? Ditim, untergebracht in einem heruntergekommenen ehemaligen Möbelhaus, wollte statt Renovierungskompromissen einen respektablen Moscheebau haben, und die Stadt München bot einen Großmarktparkplatz an. Gegenüber der Kirche.
Nun wurden alle Register gezogen und alle Argumente aufgebracht: Parkplatznot, Ensembleschutz, schmerzhafte Nähe zu einem Kirchenbau, Provokation - bis hin zu dem Verdacht geplanter krimineller Umtriebe. Da hatte es die kleine Gruppe um Verständnis und Dialog werbender Christen und Muslime, die sich programmatisch 'Begegnung am Gotzinger Platz' nennt, nicht einfach, Gehör zu finden. Stadtteilwoche, Website-Kontakte und Vortragsabende der Gruppe brachten beide Seiten des Konflikts zutage: Angst und Unkenntnis bis hin zur Aggression gegen 'die' Muslime, aber auch ehrliche Gesprächswünsche und Zuspruch: 'Macht weiter so!' Intoleranz, aber auch Dialogbereitschaft. Und die Einsicht beider Religionsgemeinschaften, dass sie viel zu lange 'nebeneinander her' gelebt haben. Genau das soll nun hier abgebaut werden. Federführend ist dabei die evangelische Himmelfahrtsgemeinde, zu deren Gebiet der Gotzinger Platz ebenfalls gehört, die aber einen neutraleren Vermittlungsstandpunkt einnehmen kann, aufgrund ihrer Historie und der Lage der Kirche: 10 Gehminuten entfernt.
Im Garten der Himmelfahrtskirche veranstaltete die Gruppe 'Begegnung am Gotzinger Platz' am 17. Juni ihr erstes 'interreligiöses Fest': entspannt und in freundschaftlicher Atmosphäre trafen sich etwa 70 Sendlinger Bürgerinnen und Bürger christlicher und muslimischer Prägung zum gemeinsamen Essen, Trinken und Reden. Nichts Spektakuläres: einfach Nachbarschaft. Der Boden, auf dem vielleicht eines nicht allzu fernen Tages eine Moschee neben einer Kirche nichts Schmerzliches mehr sein wird?
Fortsetzung folgt ...
Informationen auf www.gotzingerplatz.de
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BESUCH DER FREUNDE ABRAHAMS BEI DER MÜNCHNER BAHA'I-GEMEINDE
von Albrecht Busch
Unter dem Thema 'Bahá'í - islamische Sekte oder Weltreligion?'
hatte Dr. Stefan Wimmer am 16.04.07 eine Einführung gegeben und diese weltweit verbreitete Religionsgemeinschaft,
ihre Entstehung und Organisation vorgestellt. Den Einstieg bot ihm dabei die Beschreibung dieser - damals neuen -
Strömung durch den Münchener Orientalisten (und Bahá'í-Sympathisanten) Julius Braun (gest. 1869; zum Leben und
Wirken siehe Görg/Wimmer in: Blätter Abrahams 5, 2006, 34-40).
Beim Besuch am 19.04.07 in den ansprechend und würdig gestalteten
Souterrain-Räumen am Schreberweg 4 konnten die Teilnehmer erst an einer Andacht, dann an einer sehr intensiven
und interessanten Fragestunde teilnehmen und wurden dann sogar noch in einem kleinen Empfang bewirtet.
Die zwölf Lesungen aus allen Heiligen Schriften zeigten gleich
zu Beginn eine wesentliche Lehre der Bahá'í: Alle Gottesgesandte wie Abraham, Zoroaster, Moses, Buddha, Christus
und Mohammed haben gültig Gottes Wort in ihre Zeit verkündet; alle ihre Schriften sind heilig.
Auch der Religionsstifter Bahá'u'lláh (1817-1892) hat ein umfangreiches religiöses Werk hinterlassen.
Im Universalen Haus der Gerechtigkeit am Hang des Berges Karmel in Haifa sind die Schriften verwahrt.
Wenn - vielleicht - in 500 Jahren ein neuer Gottesgesandter kommt, wird er in seine Zeit verkünden.
Der persische Wanderprediger Báb (1819-1850) gilt als Vorgänger des
Bahá'u'lláh, er wurde nach Folter hingerichtet. Bahá'u'lláh entwarf eine ganze Theologie, gestaltete
von Bagdad aus (später Haifa) die lockere Organisation und förderte die Ausbreitung in die ganze Welt.
Die Leitungsgremien, auch die örtlichen, bestehen jeweils aus neun gewählten Personen, es gibt keine 'Priester'.
Das Jahr ist in 19 Monate zu 19 Tagen eingeteilt. Einige religiöse Vorschriften erinnern an die islamische Umgebung,
in der die Religion entstand, z. B. das strenge Fasten vom 2.-21. März und das Verbot von Schweinefleisch.
Im Heimatland von Báb und Bahá'u'lláh, im heutigen Iran, waren und sind die Bahá'í regelrecht verfolgt.
Wir danken der Münchener Bahá'í-Gemeinde - einer
nach eigener Bekundung abrahamitischen Religionsgemeinschaft - für den überaus freundlichen Empfang.
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DIE WELT ZU GAST IN SCHWABING
von Brigitte Hutt
Der alte Nördliche Friedhof an der Arcisstraße: ein paar Hundert
Quadratmeter Oase im Häusermeer, mit spielenden Kindern, Joggern und Liebespärchen zwischen urigen Bäumen
und efeubewachsenen Grabsteinen. Statuen träumen von Pyramiden und Sphingen, Grabmäler erzählen von Ägypten,
Griechenland, Italien, Frankreich, von gefallenen französischen Soldaten des Krieges 1870/71, von Freimaurern und
Kirchenrechtlern.
Einst war er der 'neue' Friedhof, gebaut, als der alte Südfriedhof
nicht mehr ausreichte, und zum Empören braver Bürger ohne ihre Einbeziehung geplant. Von 1868 bis 1939 wurde hier
bestattet, dann vernichtete der Krieg Aussegnungshalle und 90 Prozent der Grabstätten.
Ein Mahnmal von Zerstörung und Wiederaufbau, von Versöhnung und neuem Leben. Idealisten und Träumer treffen wir hier an,
von denen Dr. Wimmer bei dem Friedhofsrundgang am 21.06.07 Geschichten erzählt: der Architekt
der ehemaligen Münchner Hauptsynagoge, ein Mitbegründer der altkatholischen Kirche, und auch Julius Braun,
Pionier interreligiösen Denkens. Aber auch namenlose Grabmäler finden wir vor, die uns ihre eigenen Geschichten
mit Skulpturen oder Kriegswunden erzählen.
Münchner Bürger sorgten dafür, dass der Friedhof nicht der Straßenplanung
zum Opfer fiel, sondern dass auf dem Platz der Aussegnungshalle ein Kinderspielplatz eingerichtet wurde.
Ein Denkmal für das Leben.
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DAS JÜDISCHE REGENSBURG
von Albrecht Busch
Tagesausflug der Freunde Abrahams am Sonntag, den 01. Juli 2007
Führung: Dr. Andreas Angerstorfer
Ein kurzer Weg ist es vom Bahnhof über den ehemaligen Judenfriedhof,
vorbei an der Mauer des Römerlagers zur Minoritenkirche (Judaica), über die heutige Synagoge mit dem alten Werktagsbetsaal,
um Dom und Bischofshof herum zum Biergarten an der Steinernen Brücke; zurück über Goliath, Rathaus, Fechtschule,
Walengasse, Obere Bachgasse zum Neupfarrplatz und durch die Fröhliche-Türken-Str. wieder zur Bahn -
aber eine lange Geschichte:
Das römische Regen-Castell war vor dem Jahr 179 bei der keltischen
Siedlung Radasbona eingerichtet worden, es beherbergte bis zu 8000 Mann. Nach dem Abzug der Römer um 500 machten
die bairischen Agilolfinger die Stadt zu ihrem Sitz, bis 793 der (zu) mächtige Tassilo III. von Karl dem Großen ins
Kloster Kremsmünster gesperrt wurde. Von da an war Regensburg kaiserlich: Pfalz, Freie Reichsstadt und Sitz des
immerwährenden Reichstages. Erst 1803 setzte der Reichsdeputationshauptschluss dem tausendjährigen Reich ein Ende.
Der Kaiser war jedoch nicht der einzige Herr über Regensburg;
das bischöfliche Hochstift umfasste den Teil um Dom, Bischofshof und Niedermünster. Innerer und Äußerer Rat der Stadt
waren vergleichsweise ohnmächtig. Sie alle waren abhängig vom bayerischen Herzog, dessen Gebiet die Stadt umgab,
und der sie aushungern hätte können. Eine balance of powers, die Friedenswillen auf allen Seiten erforderte.
Schon vor der Erweiterung von 911 wohnten die Juden inmitten der Stadt -
erstmals urkundlich genannt um 1000, und damit die erste Erwähnung der Juden in Deutschland überhaupt.
Sie hatten an alle vier Herren Tribut zu entrichten, wobei der Kaiser noch am meisten an ihrem Schutz interessiert war,
brauchte er doch für den Handel mit Prag, Kiew und Venedig zuverlässige Adressen. Trotz verschiedener Pogrome haben sich
immer wieder Juden im Schutz des Kaisers angesiedelt: Zum ersten Pogrom kam es 1096 aus Anlass des ersten Kreuzzuges,
wobei alle Juden in der Donau zwangsgetauft wurden (was der Kaiser allerdings bald rückgängig machte),
weitere Pogrome 1298, 1348 (große Pest-Verfolgung) sowie 1414, und in den Jahren 1519 und 1938 die beiden schlimmsten,
bei denen jeweils ca. 500 jüdische Einwohner von Regensburg enteignet und vertrieben oder gar getötet wurden.
Für jede Art Handel waren die Juden recht, so auch, als 1686 Kaffee
und Zucker für die Mitglieder des Reichstages zu besorgen waren. Doch woher nehmen, mitten im Türkenkrieg?
Nun, aus dem 'Erstes deutsches Cafe', gleich gegenüber dem Rathaus - 'You must have a Jew on the other side'.
Ihr Viertel und ihre Synagoge hatten die Juden dort, wo seit 1519 der Neupfarrplatz tief einschneidet und seit
1998 das 'document Neupfarrplatz' und das Caravan-Denkmal daran erinnern.
Der Besuch im 'document Neupfarrplatz', direkt an der Neupfarrkirche gelegen,
war sicher der Höhepunkt des Ausfluges. Der eigentümlich hoch gestelzte und zu kurz geratene Bau der fast noch
spätgotischen Kirche sollte zunächst eine viel größere Marienwallfahrtskirche ergeben, wurde dann aber 1542
zur evangelischen Stadtkirche. Denn als 1519 nach dem Tod von Kaiser Maximilian das Judenpogrom einsetzte,
waren die Häuser des Judenviertels und die Synagoge geschleift worden. An die Stelle der Synagoge setzte man zunächst
eine hölzerne Marienkirche. Die Wallfahrt zur Schönen Maria von der Schmutter (Ingolstadt) war rasch aufgeblüht und
man begann mit einer wesentlich größeren Kirche zu bauen. Doch die Reformation, der sich die Freie Reichsstadt 1542
anschloss, erforderte dann eine große 'Neue Pfarr'. Bürgermeister Albrecht Altdorfer hatte 1519 wenigstens schnell
noch die bereits ausgeräumte Synagoge in Kupfer gestochen. So lässt sich die gotische Synagoge heute sehr exakt
rekonstruieren, die nach dem Vorbild der Synagoge von Worms erbaut war, und die mit der Dominikanerkirche um
den Rang streitet, erster gotischer Sakralbau in Regensburg zu sein. Ihr Fundament wurde 1995-1998 gefunden,
ebenso das der darunter liegende romanischen Vorgängerin.
Ins 'document Neupfarrplatz' steigt man die Stufen hinunter in die
Kellergeschosse von jüdischen Häusern, sieht das mächtige Fundament der Neupfarrkirche und geht durch einen Teil
des dick betonierten Ringbunkers aus dem 3. Reich. Gleichzeitig sieht man auch - etwa 8 m unter dem heutigen Niveau -
die Fundamente römischer Steinbauten. Drei Vitrinen zeigen folglich ein kleines
römisches Figürchen des Gottes Merkur, ein ebenso kleines bronzenes Figürchen des Hohenpriesters Aharon vor einem
Chanukka-Leuchter und eine silberne Medaille der Schönen Maria. Alle drei waren hier gefunden worden.
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In der Ausgabe vom 27. Mai 2007 druckte die MÜNCHNER KIRCHENZEITUNG (MK) Auszüge
aus einem Interview mit Stefan J. Wimmer zur Entdeckung des Grabes von Herodes dem Großen.
Mit freundlicher Genehmigung der MK bringen wir hier die vollständige Fassung des Interviews:
MK: Als Sie davon gehört haben, dass das Grab des Herodes nun
endlich gefunden worden sein soll, haben Sie daran gezweifelt?
SJW: Bezweifelt habe ich die Meldung nicht,
weil ich von israelischen Kollegen direkt informiert wurde. Aber gestaunt habe ich, denn aus den Schriften von
Flavius Josephus weiß man ja seit fast 2000 Jahren, dass Herodes im Bereich des Herodiums beigesetzt wurde -
trotzdem ist das Grab nie gefunden worden. Man darf von einer echten Sensation sprechen, und dies umso mehr,
als sich die Entdeckung wohltuend abhebt von angeblichen 'biblischen Sensationsfunden' der letzten Zeit:
Bei einer Schrifttafel, die vom vorexilischen Tempel stammen soll, handelt es sich offenbar um eine Fälschung,
die Authentizität eines Ossuars (Knochenkasten), das einen 'Jakob, Sohn des Josef, Bruder des Jesus' nennt,
ist heftig umstritten, und die reißerisch verkaufte Geschichte von dem angeblichen Familiengrab Jesu
und 'seiner Frau' Maria Magdalena ist aus wissenschaftlicher Sicht blanker Unsinn.
Das Herodesgrab aber ist ein seriöser Befund - das Ergebnis nicht von Schatzsuchern oder von Publizisten,
sondern von langjähriger, mühevoller Grabungs- und Forschungsarbeit.
MK: Sie selbst haben vor 20 Jahren bei Professor Netzer studiert.
Wie haben Sie diesen Mann, der sage und schreibe 35 Jahre nach dem Grab gesucht hat, erlebt?
SJW: Wir Studenten nannten Prof. Netzer meist nur 'Herodes',
da er sich voll und ganz auf herodianische Archäologie spezialisiert hat. Immerhin hat Herodes ja eine so enorme
Fülle von Bauten, meist auch noch sehr beachtlichen Ausmaßes, hinterlassen, dass ein ganzer Zweig der Archäologie
mit der Erfassung der Überreste zu tun hat. Denken Sie nur an Massada, Cäsarea, das Herodium und übrigens noch ein
zweites Herodium östlich des Toten Meeres, im heutigen Jordanien, und natürlich den Jerusalemer Tempel, den Herodes
zur größten Tempelanlage der Römischen Welt ausbauen ließ. Netzers Fachkompetenz in dem Bereich ist seit vielen
Jahrzehnten unbestritten, seine Bücher sind auch in deutscher Sprache bei uns bekannt.
MK: Herodes ist eine sehr umstrittene Figur in der Geschichte.
War er wirklich so böse, wie man gemeinhin denkt?
SJW: Er war zweifellos eine der markantesten Figuren,
die je über das Heilige Land herrschten. Von seinem beispiellosen Bauprogramm war schon die Rede.
Sein Land Judäa verdankte ihm aber auch einen blühenden wirtschaftlichen Aufschwung,
und er sicherte sogar einmal durch großzügige Finanzierung den Fortbestand der Olympischen Spiele.
Ein Global Player in der römisch-hellenistischen Welt. Die andere Seite ist freilich,
dass er offenbar ein skrupelloser Machtmensch war, der nicht davor zurückschreckte, selbst eigene Familienmitglieder
aus dem Weg zu räumen. Auf diesem negativen Image baut die Geschichte vom Kindermord in Betlehem auf,
die außer bei Matthäus nirgends auftaucht und wohl nicht historisch missverstanden werden soll.
Die Heilige Schrift arbeitet da mit einem Motiv aus der Kindheitsgeschichte des Mose und stellt Herodes auf eine
Stufe mit der Figur des Pharao, der sich der Heilsgeschichte in den Weg stellt.
MK: Der Fundort liegt auf palästinensischem Gebiet.Ist das problematisch?
SJW: Herodes polarisiert noch immer. Das beginnt schon damit,
dass man, wenn man will, ihm sogar eine arabische Identität zuschreiben kann, denn väterlicherseits entstammt
er einer zum Judentum konvertierten Familie aus Idumäa, also nicht aus einem der Zwölf Stämme Israels,
und seine Mutter war eine nabatäische Prinzessin aus Petra. Er selbst verstand sich freilich sehr prononciert
als König der Juden und wollte auch so gesehen werden. Der Fundort nun, südöstlich von Betlehem, liegt in der
Westbank und damit nach internationalem Recht auf besetztem Gebiet. Ein künftiger Palästinenserstaat könnte Anspruch
auf die Funde erheben und so könnte der Sarkophag des Herodes dann womöglich einmal in einem Palästinensischen
Nationalmuseum ausgestellt werden. Das aber setzt einen friedlichen Ausgleich zwischen den Konfliktparteien
im Heiligen Land voraus - und das wäre eine noch viel größere Sensation, als die Entdeckung des biblischen Königsgrabes.
Am 26.9.2007 hält Dr. Wimmer einen Vortrag über die Entdeckung des Herodesgrabes und seine Bewertung; s. VERANSTALTUNGEN
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ABSCHIED VON DEN PHILISTERN
von Stefan J. Wimmer
Seit drei Jahren ist bei den Freunden Abrahams immer wieder
von den Philistern die Rede. Prof. Görg und Dr. Wimmer sind seit 2005 an einem Kooperationsprojekt mit
der israelischen Bar-Ilan-Universität zur Erforschung des biblischen Volkes beteiligt.
Die Philister waren, ungefähr zur selben Zeit, als sich die Israeliten
in den Bergen Kanaans formierten (ab ca. 1200 vC), an den Küsten desselben Landes aufgetaucht, und in den folgenden
Jahrhunderten berichtet das Alte Testament immer wieder von Konflikten, aber auch von friedlichen
Kontakten zwischen beiden. Eine der wichtigsten Philisterstädte, die Bibel nennt sie Gat, konnte durch Grabungen
mit dem Hügel Tell es-Safi südöstlich von Tel Aviv identifiziert werden, und diese Ausgrabungen unter Leitung
von Prof. Aren Maeir standen im Mittelpunkt des Projekts. Dr. Wimmer berichtete der Gesellschaft von den Grabungen,
und darüber hinaus von Eindrücken und Erfahrungen in dem ihm wohlvertrauten Land (siehe VON PHILISTERN FRÜHER UND HEUTE,
Abrahams Post Herbst/Winter 2005/06; BRIEFE AUS ISRAEL, Abrahams Post Herbst/Winter 2006/07; AM GRAB ABRAHAMS in dieser
Ausgabe).
Der wissenschaftliche Ertrag des Projekts kann sich sehen lassen.
Schlagzeilen auf der ganzen Welt verursachte eine kleine Scherbe, als bekannt wurde, dass darauf Namensformen
in der Sprache der Philister geschrieben sind, welche die hebräische Bibel als 'Goliat' wiedergibt. Eine zweite
beschriftete Scherbe, diesmal in ägyptischer Kursivschrift, bestätigt zur Überraschung der Forscher, dass der bis
heute mit dem Hügel verbundene Name Safi als Safi(t) o.ä. bis in die Bronzezeit zurückreicht, als die Region unter
pharaonischer Verwaltung stand. Eine ganze Reihe von Skarabäen und Amuletten, die in allen Grabungskampagnen gefunden
wurden, illustrieren die Strahlkraft der ägyptischen Religion auf das Land der Bibel.
Entsprechende Würdigung erfuhr das Projekt bis in höchste Kreise der Politik.
Der damalige Staatspräsident Israels Moshe Katzav besuchte die Grabung im August 2005 und stellte die Kooperation
mit der LMU als beispielhaft dar. Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan wurde bei einem Israelbesuch
im Juni 2006 von Prof. Maeir über die Zusammenarbeit informiert. Der bayerische Wissenschaftsminister Dr. Thomas Goppel
in einem Schreiben vom 30.05.2007 an Prof. Görg: 'Wie Sie zutreffend ausführen, verbindet das Forschungsprojekt
in deutsch-israelischer Kooperation Fragen von archäologisch-historischen und biblisch-exegetischem Belang
mit aktuellen Bezügen - und dies in eindrucksvoller Weise.' Die Deutsch-israelische Stiftung für wissenschaftliche
Forschung und Entwicklung (GIF) urteilt: 'Die Kooperation lieferte sehr gute Ergebnisse und gemeinsame Publikationen
auf hohem Niveau', 'Eine Kombination aus beidem: die richtigen Leute und die richtige archäologische Stätte.
Das israelische Team deckt hauptsächlich die Feldarbeit ab, während das deutsche Team die historischen und biblischen
Traditionen bearbeitet. Dies ist eine äußerst willkommene und vielversprechende Kooperation'.
Die zuletzt genannte Stiftung hat das Projekt finanziell
weitestgehend getragen; zusätzliche Mittel sind dem Bayerischen Wissenschaftsministerium, der LMU und der Gesellschaft
Freunde Abrahams zu verdanken. Mit Ende 2007, nach Ablauf von drei Jahren, läuft die Finanzierung aus. Ein angestrebtes
Anschlussprojekt wurde nicht bewilligt, sodass die Kooperation leider nicht fortgesetzt werden kann.
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AM GRAB ABRAHAMS
von Stefan J. Wimmer
'Das ist die Zahl der Lebensjahre Abrahams: Hundertfünfundsiebzig
Jahre wurde er alt, dann verschied er. Er starb in hohem Alter, betagt und lebenssatt, und wurde mit seinen
Vorfahren vereint. Seine Söhne Isaak und Ismael begruben ihn in der Höhle Machpela bei Mamre, auf dem Grundstück
des Hetiters Efron, des Sohnes Zohars, auf dem Grundstück, das Abraham von den Hetitern gekauft hatte. Dort sind
Abraham und seine Frau Sara begraben.' (Gen 25, 7-10)
Die Stadt Hebron hat, wie das Land in dem sie liegt, mehrere Namen.
Ihre arabischen Einwohner nennen sie Medinat al-Khalil, 'die Stadt des Freundes', und mit 'Freund' ist Abraham,
der Freund Gottes gemeint. Aus dem hebräischen Hevron, von Chaver, 'Freund', lässt sich die gleiche Bedeutung herauslesen.
In der Stadt Abrahams also wird die Höhle, in der er mit seiner Frau, und nach ihnen auch die Erzeltern Isaak und Rebekka,
Jakob/Israel und Lea, begraben wurden, seit Menschengedenken lokalisiert. Kurz vor Christi Geburt hat Herodes der Große
sie mit einem rechteckigen Schrein umbauen lassen, nach dem Vorbild des Jerusalemer Tempelbergs.
Steht der Besucher heute vor den gigantischen Steinen der noch intakten Mauern, dann kann er sie von denen der so
genannten Klagemauer nicht unterscheiden.
Besucher kommen nach wie vor nach Hebron, doch es sind nicht viele, und je
nach Einstellung vertiefen sie sich entweder inbrünstig in den eigenen Traditionsgehalt der auch für die 'Anderen'
heiligen Stätte, oder sind ähnlich tief betroffen von dem traurigen Bild, das deren Umgebung heute bietet.
Ich selbst fuhr während unserer Grabung am Tell es-Safi (siehe ABSCHIED VON DEN PHILISTERN) an einem Nachmittag
nach Hebron/al-Khalil. Vom niederen Hügelland der Schefela geht es die judäischen Berge hinauf, nur eine halbe Stunde
Fahrt. Mit dem gelben, israelischen Nummernschild des Mietwagens musste ich erst um die Stadt herumfahren,
um von 'hinten', von Osten her über die große jüdische Siedlung Kiryat Arba nach Hebron zu kommen.
Denn die Stadt ist heute geteilt: der flächenmäßig größere Teil im Westen steht unter palästinensischer Autonomieverwaltung
und ist fast vollständig durch Straßenblockaden der israelischen Armee abgeriegelt.
Der östliche Teil der Stadt, in dem sich die arabische Altstadt mit dem Schrein der Patriarchen,
aber auch einige wenige Stützpunkte jüdischer Siedler befinden, wird israelisch kontrolliert und verwaltet.
Dazwischen verlaufen, mitten durch die Stadt, Absperrungen und Mauern.
Die meisten, arabischen Bewohner von 'H2', so die offizielle Bezeichnung
der israelischen Zone, haben ihre Häuser inzwischen verlassen, von wenigen Souvenirhändlern und einigen ausdauernd
Standhaften abgesehen, und sind ins palästinensische West-Hebron, H1, umgezogen. Das Stadtzentrum ist zu einer
Geisterstadt geworden, in der sich zwischen den Kontrollposten der Armee fast nur noch die wenigen jüdischen Siedler
frei bewegen, auf sonst ebenso autofreien wie menschenleeren Straßen, mit geschlossenen Geschäften und verlassenen
Häusern. Noch drastischer als jeder andere Ort führt Hebron dem Besucher die bizarre Situation des Landes mit an
Surrealismus grenzender Schonungslosigkeit vor Augen.
Und wie eine Burg ragt über der Szenerie das herodianische Mauerrechteck
heraus. Für Muslime Haram al-Ibrahimiye, 'der Schrein der Abrahams-Moschee', für Juden ha-Machpela, die biblische Höhle.
Auf zwei Mauerecken wurden Minarette hinzugefügt, dazwischen ist der Giebel einer ehemaligen Kirche zu sehen.
Das Innere des Komplexes ist heute zweigeteilt, so wie die Stadt, so wie auch das Land.
Der Eingang für Juden führt durch eine Sicherheitsschleuse in einen als Synagoge eingerichteten Bereich.
Er umgibt zunächst zwei kleine, abgeschlossene und durch Fenstergitter einsehbare Räume, in denen sich die Kenotaphe,
große Scheingräber, von Jakob und seiner Frau Lea befinden. Sie sollen die Stellen markieren, an denen darunter,
in der seit Langem unzugänglichen Höhle, die Gebeine ruhen. Die Grabmonumente sind mit arabisch bestickten Tüchern
umhüllt. Jakob (Ya'qub) ist für Muslime ein hochverehrter, koranischer Prophet, und Lea ist der islamischen Tradition
unter demselben Namen bekannt. Genauso sind die Kenotaphe von Abraham selbst und von Sara gestaltet.
Sie befinden sich im Zentrum des Mauerrechtecks. Nördlich grenzt ein offener Hof, jetzt mit einer Zeltkonstruktion
überdacht und darunter einem großen, prächtigen Toraschrein, an ihre Fenstergitter. Weiter kommt man von hier aus nicht.
Ein separater Eingang führt, über mehrere Kontrollposten, in den südlichen
Teil des Komplexes, einen überdachten Moscheeraum. Eine griechisch beschriftete Steintafel in der Wand erinnert noch
daran, dass der große Raum einmal Kirche war. Den Namen ABPAAM, in alten griechischen Buchstaben, kann man noch gut
entziffern. Neben der prächtigen, mit Mosaiken und Marmor ausgestalteten Gebetsnische steht die hölzerne Freitagskanzel
aus dem 12. Jahrhundert, mit Schnitzwerk und Elfenbeineinlagen. Der große Saladin selbst hat sie dem Freund Gottes
gewidmet. Mitten in dem weiten und hohen Gebetsraum stehen die beiden Scheingräber von Isaak und Rebekka. Auch sie sind,
natürlich, Muslimen heilig, als Stammeltern zahlreicher Propheten, wenn auch der letzte und größte in der Reihe,
Muhammad selbst, über die Linie von Isaaks Halbbruder Ismael von Abraham abstammt. Dessen (Ismaels) Grab wird neben
dem seiner Mutter Hagar in Mekka verehrt.
Rückwärtig gelangt man von dem Gebetsraum aus an die südlichen Fenstergitter
der Kenotaphe von Abraham und Sara. An den nördlichen Fenstern hängen hebräische Schilder:
'Unser Vater Avraham' und 'Unsere Mutter Sara', an den südlichen Fenstern steht arabisch: 'Unser Herr Ibrahim,
der Freund (al-Khalil), Frieden über ihn!' und 'Unsere Herrin Sara, Gottes Gnade über sie!'
Wenn Muslime und Juden beim Gebet dort einmal für einen Moment an Abrahams
Grabmonument vorbei zu dem jeweils hinteren Gitter blicken, können sie den jeweils 'Anderen' bei Beten sehen.
Und könnten sich daran erinnern, dass nach übereinstimmender biblischer und islamischer Überlieferung einst
beide Söhne Abrahams gemeinsam ihren Vater hier bestatteten. Und dass Gottes Segen auch 'dem Anderen' gilt:
'Deine Frau Sara wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihn Isaak nennen.
Ich werde meinen Bund mit ihm schließen als einen ewigen Bund für seine Nachkommen.
Auch was Ismael angeht, erhöre ich dich. Ja, ich segne ihn, ich lasse ihn fruchtbar und sehr zahlreich werden.
Zwölf Fürsten wird er zeugen, und ich mache ihn zu einem großen Volk.' (Gen 17, 19-20.)
Eine theologische Würdigung der biblischen Ismaelverheißungen siehe
Th. Naumann, in: Blätter Abrahams 2, 2003.
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GRÜNHELME IN PALÄSTINA
von Albrecht Busch
Mit Bezug auf das gemeinsame Projekt von Prof. Görg und Dr. Rupert Neudeck
für die Grünhelmhilfe im Palästinensergebiet schreibt Rupert Neudeck im Pfingst-Rundbrief 2007:
'In Palästina haben wir den jungen sehr gut deutsch sprechenden
Palästinenser Daoud Nassar in Bethlehem getroffen. Er hat uns mitgenommen auf den Berg,
der an der Patriarchen-Straße liegt, die nach Hebron geht. Das ist der Erbbesitz seiner Familie.
Daoud Nassar hat eine bewegende Idee, und wir wollen ihm dabei ein bißchen unter die Armee greifen:
Tent of Nations (Zelt der Völker) hat er seinen Berg getauft... Er möchte dort alle, die als Pfadfinder oder
Pilger oder Rücksacktouristen durchgehen, ohne großen Hotelaufwand beherbergen und darum auch entsprechend billig:
In Zelten kann er bis heute 80 junge Menschen zur Unterkunft und zum Schlafen aufnehmen... '
Spenden über Freunde Abrahams e.V. oder an Grünhelme e.V. Konto 2000008
bei Deutsche Bank München, BLZ 70070024; Adresse für Spendenquittung nötig.
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BUCHTIPP
DOKUMENTATION ZUM 'REIZTHEMEN'-SYMPOSIUM AM 18.09.2006
Gerade ist die lang ersehnte Dokumentation zu der hochkarätigen Veranstaltung 'Reizthemen interreligiös: Dschihad -
Mission - Zionismus, Jüdisch-christlich-muslimisches Symposium' erschienen, die die Freunde Abrahams zusammen mit
IDIZEM und anderen Kooperationspartnern im letzen Jahr durchgeführt haben.
Darin enthalten sind sämtliche Reden sowie eine Zusammenfassung der Diskussion.
Erhältlich ist die Dokumentation bei der LHSt München, ISBN 3-937170-15-4
BLÄTTER ABRAHAMS - HEFT 6
Das 6. Heft unserer Zeitschrift BLÄTTER ABRAHAMS - BEITRÄGE ZUM INTERRELIGIÖSEN DIALOG dokumentiert
Höhepunkte aus dem Veranstaltungsangebot der Gesellschaft und sammelt Beiträge zu verschiedenen Aspekten
der interreligiösen Diskussion.
Im Heft finden Sie die Erstveröffentlichung der 'Deklaration europäischer Muslime' von Dr. Mustafa Ceric,
dem Großmufti von Sarajewo und geistigem Oberhaupt der bosnischen Muslime. Die Übersetzung aus dem Englischen
erarbeiteten Stefan J. Wimmer und die Islamische Gemeinde Penzberg. Mit der Deklaration bezog Ceric Position für
einen Islam, der die gemeinsamen Werte mit einer zukunftsorientierten, demokratischen, offenen Gesellschaft
in Europa aus seinem Selbstverständnis herleitet.
Das Heft ist für 8,- €, bzw. 5,- € (für Mitglieder), zzgl. 2,- € Versandkosten,
erhältlich. Auch die zurückliegenden Nummern können zu denselben Konditionen bezogen werden.
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EIN AUFRUF ZU KONSTRUKTIVER ZUSAMMENARBEIT
Wir sind - wie zahlreiche Bürger unseres
Landes - beeindruckt von Anspruch und Wirken
der Islamischen Gemeinde Penzberg und ihres
Imams Benjamin Idriz. Wir erleben dort
eindrucksvolle Signale, wie Integration gelingen
und ein mit den Werten und Normen unserer Gesellschaft
harmonierender Islam gelebt
werden kann.
Vor diesem Hintergrund ist unbegreiflich, wie
diese Gemeinde und ihr Imam von behördlicher
Seite extremistischer Ausrichtung verdächtigt
wurden und ihr Ansehen durch Vorwürfe, die
sich als unberechtigt erwiesen haben, in Frage
gestellt werden konnten.
Es liegt im Interesse der Gesellschaft und in der Verpflichtung des Staates, die Bemühungen um
eine gemeinsame friedliche und für alle
gedeihliche Zukunft zu fördern. In diesem Sinne
rufen wir zur tatkräftigen Unterstützung der in
Penzberg so eindrucksvoll beschrittenen Ansätze
auf und erwarten insbesondere eine entschlossene
KOOPERATION MIT DER INITIATIVE
'ZENTRUM FÜR ISLAM IN EUROPA MÜNCHEN'
VON IMAM IDRIZ !
Sie stellt eine bisher beispiellose Chance für die
Integration von Muslimen in Bayern und Europa dar.
Freunde Abrahams e.V.
Gesellschaft zur Förderung des interreligiösen Dialogs
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